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Stadtrundgang Bochum · Thema

Industriekultur in Bochum: Rundgang zu 12 Orten

Industriekultur in Bochum: Bergbau, Gussstahl, Bier und Bahn

5,1 kmWeg
68 minGehzeit
12Orten
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Bochum war bis ins 19. Jahrhundert eine Ackerbürgerstadt mit einigen überörtlichen Behörden. Der Aufstieg zur Zechenstadt begann 1844: Im damals noch selbständigen Hamme nahm der erste Schacht der Zeche Präsident die regelmäßige Förderung auf. Es war die erste Tiefbauzeche im westfälischen Teil des Ruhrgebiets. Die alte Stadt wuchs von 2.107 Einwohnern im Jahr 1818 auf 75.228 im Jahr 1904. 1904 wurde Bochum Großstadt.

Neben der Kohle stand der Stahl. 1842 wurde der Bochumer Verein gegründet. Ende der 1840er Jahre gelang es ihm, Stahl in Formen zu gießen, und sein bekanntestes Produkt waren Glocken aus diesem Werkstoff. Auf der Route der Industriekultur sind die Industriedenkmale der Stadt miteinander verbunden.

Dieser Rundgang führt nicht durch Werkshallen. Er führt zu dem, was um die Arbeit herum gebaut wurde: ein Bergbaumuseum mit einem Bergwerk unter dem Gelände, ein Kunstmuseum, ein Rathaus, eine Kirche mit Gussstahlglocken, eine Brauerei, zwei Banken, ein Hochhaus für ein Fahrzeugunternehmen, zwei Bahnhöfe. Das Fachwerkhaus Rietkötter und der Kuhhirte zeigen, wie die Stadt vor der Industrie aussah. Am Ende steht ein Bahnhof, an dem Zechen, Stahlwerke und eine Brauerei Gleisanschluss hatten, und in dessen Empfangsgebäude heute auch an die Deportationen aus Bochum erinnert wird.

Wer die Stationen nacheinander besucht, sieht auch den Strukturwandel: Die Schlegel-Brauerei stellte 1980 die Produktion ein, die Westfalenbank 2010 den Geschäftsbetrieb. In der Stadt entstanden anstelle neuer Industriearbeitsplätze vornehmlich Dienstleistungsarbeitsplätze.

Die 12 Stationen

1. Kuhhirtendenkmal1908
2. Altes Brauhaus Rietkötternach 1581
3. Sparkasse Bochum1838
4. Westfalenbank1921
5. Rathaus Bochum1931
6. Christuskirche1877
7. Schlegel-Scharpenseel-Brauerei1854
8. Friedrich-Lueg-Haus1924–1925
9. Bochum Hauptbahnhof1957
10. Bahnhof Bochum Nord1874
11. Kunstmuseum Bochum1960
12. Deutsches Bergbau-Museum Bochum1930

1. Kuhhirtendenkmal

1908

Sie stehen am Kuhhirten. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielt fast jede Familie in Bochum eine Ziege, ein Schwein oder eine Kuh. Städtische Hirten brachten die Tiere täglich auf die Gemeindeweide nördlich der Stadt. Dann kamen Zechen, Stahlwerke und Eisenbahnen. Die alte Stadt wuchs von 2.107 Einwohnern im Jahr 1818 auf 75.228 im Jahr 1904. Um 1870 wurde der Viehtrieb eingestellt. 1908 stellte die Stadt dem Landstädtchen ein Denkmal: einen Kuhhirten aus Bronze mit seinem Hund. Er sollte an die beschaulichen Zeiten erinnern, die damals schon vorbei waren. Die erste Figur wurde 1944 demontiert, die heutige stammt von 1961. mehr über Kuhhirtendenkmal

2. Altes Brauhaus Rietkötter

nach 1581

Sie stehen vor dem Alten Brauhaus Rietkötter, dem ältesten erhaltenen Wohngebäude der Bochumer Innenstadt. Das Fachwerkhaus wurde vermutlich nach dem Stadtbrand von 1581 gebaut. Belegt ist, dass hier schon 1645 Bier gebraut wurde. Zum Schutz gegen Feuer verputzte man es 1777. Anfang des 19. Jahrhunderts eröffnete der Schankwirt Bernhard Dahm hier eine Gaststätte, 1865 kaufte es der Braumeister Moritz Heinrich Fiege. Seine Witwe heiratete 1870 den Braumeister Johann August Rietkötter. Er baute das Anwesen zur damals modernsten Kleinbrauerei der Stadt aus. Merken Sie sich das Wort Kleinbrauerei, wir kommen darauf zurück. mehr über Altes Brauhaus Rietkötter

3. Sparkasse Bochum

1838

Sie stehen vor dem Hauptsitz der Sparkasse Bochum, dem Bügeleisen. Wilhelm Kreis entwarf es 1925, am 4. März 1929 wurde es als Hauptsitz eröffnet. Die städtische Sparkasse gibt es seit dem 29. September 1838. Bochum hatte damals rund 4.000 Einwohner. Am Ende des ersten Geschäftsjahres lagen 250 Taler, ein Silbergroschen und drei Pfennig auf den Konten. Gut dreißig Jahre später waren es 1.546.000 Taler. Dazwischen lag der Arbeiterzustrom der Industrialisierung, der die Einwohnerzahl der Stadt stetig wachsen ließ. Als Ende der 1950er Jahre die Löhne bargeldlos gezahlt wurden, eröffnete die Sparkasse neue Zweigstellen in der Nähe großer Fabriken und Zechen. mehr über Sparkasse Bochum

4. Westfalenbank

1921

Sie stehen vor der früheren Westfalenbank an der Huestraße. 1921 gründeten die Bergbau-Aktiengesellschaft „Lothringen“, die Essener Steinkohlenbergwerke AG und die Maschinenfabrik Henschel & Sohn sie als Konzernbank. Sie wollten nicht von den Berliner Großbanken abhängig werden. In den 1950er Jahren war die Bank Hausbank etlicher Ruhrgebietsunternehmen. Doch schon in der fortschreitenden Kohlekrise der 1960er Jahre geriet sie in Schwierigkeiten. Zum 31. Dezember 2010 wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. 2008 kaufte ein Bochumer Immobilienunternehmen die Gebäude und baute sie zum Medienzentrum um. mehr über Westfalenbank

5. Rathaus Bochum

1931

Sie stehen vor dem Bochumer Rathaus. Es markiert den Übergang der Stadt von einer wild wachsenden Montanstadt zu einer modernen Großstadt. Das alte Rathaus war zu klein geworden, denn die Einwohnerzahl war explodiert. Karl Roth erhielt 1926 den Auftrag, am 12. Juli 1927 wurde der Grundstein gelegt, am 20. Mai 1931 eröffnete das Rathaus. Statt 7,5 Millionen Reichsmark kostete es 9,25 Millionen. Im Innenhof lagen ursprünglich die Zugänge zu drei Kassenhallen für Steuer-, Lohn- und andere Zahlungen. Vor dem Haus erinnert die 15.000 Kilogramm schwere Glocke von der Weltausstellung 1867 an den Bochumer Verein. mehr über Rathaus Bochum

6. Christuskirche

1877

Sie stehen an der Christuskirche, nahe dem Rathaus. Der neugotische Turm aus Obernkirchener Sandstein wurde 1877 begonnen und war 1878 mit 72 Metern fertig. Im Mai 1943 wurde die Kirche zerstört, das Schiff entstand von 1956 bis 1959 neu. Im Turm hängen fünf Glocken aus Gussstahl, 1958 gegossen vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation. Das Geläut ist eigentlich zu schwer für den Turm und kann nur eingeschränkt läuten. Das neue Kirchenschiff hat Ziegelwände und Betonglasfenster. Als um 1993 der Abriss des Turms drohte, sammelte eine Initiative Spenden. Die Spendenbestätigungen nannte man, in Anlehnung an die Bergbautradition, Kuxe. mehr über Christuskirche

7. Schlegel-Scharpenseel-Brauerei

1854

Sie stehen am Schlegelturm, einem 58 Meter hohen Malzsilo. Es ist ein Rest der Schlegel-Scharpenseel-Brauerei, die 1918 aus zwei Brauereien entstand, deren Gründungen in die 1850er Jahre fallen. Beide setzten auf bayrische Brautechnik statt des bis dahin üblichen obergärigen Biers. 1900 brauten sie 78.540 und 75.000 Hektoliter, 1958 die fusionierte Brauerei 500.000. 1966 hatte sie über 700 Mitarbeiter. 1971 übernahm sie die Dortmunder Union-Schultheiss, am 11. Dezember 1979 beschloss deren Aufsichtsrat die Stilllegung. Im Juli 1980 endete die Produktion. Turm, Sudhaus und Verwaltungsgebäude blieben. mehr über Schlegel-Scharpenseel-Brauerei

8. Friedrich-Lueg-Haus

1924–1925

Sie stehen vor dem Friedrich-Lueg-Haus. Der Architekt Emil Pohle entwarf es, von 1924 bis 1925 wurde es gebaut, im Auftrag des Unternehmens Fahrzeug-Werke Lueg. Mit 32 Metern war es das erste Hochhaus Bochums. Im Erdgeschoss lag ein Autosalon, und bei der Eröffnung war es das größte Ausstellungshaus Deutschlands. Das Gewicht der sechs Obergeschosse ruhte auf nur drei Umfassungswänden und einer zentralen Stütze. Nach einem Bombentreffer 1944 brannte das Haus. Es wurde 1947 bis 1949 wiederhergestellt und dabei stark verändert. Heute zeigt hier ein Kino in sieben Sälen Filme. Rund um das Haus liegt das Bermuda3eck mit seiner Gastronomie. mehr über Friedrich-Lueg-Haus

9. Bochum Hauptbahnhof

1957

Sie stehen am Bochumer Hauptbahnhof. Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft nahm Anfang der 1860er Jahre die erste Bahnstrecke durch Bochum in Betrieb. Ihr Bahnhof lag einige hundert Meter weiter westlich, günstig zu den Stahlwerken des Bochumer Vereins und zu Zechen wie Engelsburg und Friederika. Sein Empfangsgebäude wurde am 4. November 1944 fast völlig zerstört. Beim Wiederaufbau verlegte man den Hauptbahnhof um etwa 650 Meter nach Osten, näher an die Innenstadt. Dafür bewegte man 250.000 Kubikmeter Boden. Der Neubau von 1955 bis 1957 gilt als einer der bedeutendsten Bahnhofsneubauten der 1950er Jahre. mehr über Bochum Hauptbahnhof

10. Bahnhof Bochum Nord

1874

Sie stehen am Bahnhof Bochum Nord am Ostring. Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft legte ihn von 1871 bis 1874 an, eröffnet wurde er am 15. Oktober 1874. An der Nordseite stand ein Betriebswerk mit elfständigem Ringlokschuppen, der heute noch teilweise erhalten ist. Der Personenverkehr verlor an Bedeutung, der Güterverkehr wuchs durch die angeschlossenen Zechen und Stahlwerke. Auch die Viktoria-Brauerei hatte hier einen Gleisanschluss. 1959 wurde das Betriebswerk aufgegeben, 1979 der Personenverkehr eingestellt. Die Privatbrauerei Moritz Fiege erwarb das Empfangsgebäude im Jahr 2000. Es ist heute Gedenkort für die Deportationen aus Bochum. Hier endet der Rundgang. mehr über Bahnhof Bochum Nord

11. Kunstmuseum Bochum

1960

Sie stehen am Kunstmuseum Bochum. Ein Industriebau ist das nicht, es sitzt in einer Doppelvilla von 1900, ergänzt durch einen Neubau von 1983. Seit März 2014 steht es aber in der Themenroute Bochum der Route der Industriekultur. Das hat mit seiner Geschichte zu tun. Die Städtische Gemäldegalerie, seine Vorgängerin, eröffnete am 10. Juli 1921. Im Dezember 1924 zog sie in die Verwaltungsgebäude der Deutschen Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung an der Wittener Straße, aus der später Aral wurde. Ihre heutige Heimat fand die städtische Kunst 1960 in der Villa. Gegenüber liegt der Stadtpark, mit einigen Kunstobjekten aus Stahl. mehr über Kunstmuseum Bochum

12. Deutsches Bergbau-Museum Bochum

1930

Willkommen in Bochum. Dieser Rundgang handelt von der Arbeit und den Bauten, die sie hinterlassen hat: Kohle, Stahl, Bier, Geld und Gleise. Wir beginnen im Deutschen Bergbau-Museum, dem größten Bergbaumuseum der Welt. Seine Anfänge liegen in den 1860er Jahren, als die Westfälische Berggewerkschaftskasse für die benachbarte Bergschule eine ständige Ausstellung einrichtete. Am 1. April 1930 schloss sie mit der Stadt den Gründungsvertrag. Die erste Halle war die alte Großviehschlachthalle des stillgelegten Schlachthofs. Unter dem Gelände liegt ein Anschauungsbergwerk, etwa zwanzig Meter tief. Seine Strecken haben nie dem Abbau gedient. Sie zeigen nur, wie Vortrieb und Förderung funktionieren. mehr über Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Häufige Fragen

Was kostet die Rundgang zum Thema Industriekultur?

Nichts. Die Rundgang ist kostenlos, ohne Konto und ohne Installation.

Wie lange dauert sie?

Der Weg misst 5,1 Kilometer und dauert zu Fuß rund 68 Minuten. Mit den Texten zu den 12 Stationen planen Sie besser eine Stunde ein.

Wie unterscheidet sich das vom Stadtrundgang durch Bochum?

Der Stadtrundgang erzählt die Stadt. Dieser hier verfolgt ein einziges Thema und führt nur zu den 12 Orten, die dazugehören – auch wenn sie abseits der üblichen Wege liegen.

Brauche ich eine App?

Nein. Die Rundgang läuft im Browser. Texte, Bilder, Karte und Tonspuren lassen sich vorher laden, danach funktioniert alles ohne Empfang.

Der Rundgang durch die Altstadt

Wer Bochum zum ersten Mal sieht, fängt besser beim Stadtrundgang durch Bochum an: 16 Stationen, 5,2 km. Beide Rundgänge liegen in derselben Anwendung, Sie wechseln im Menü.

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