Stadtohr

Stadtrundgang Bochum · Station 22 von 22

Bahnhof Bochum Nord

1874 · industrie

Bahnhof Bochum Nord
Foto: Benedictus, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Bahnhof Bochum Nord, am heutigen Ostring. Wir enden an Gleisen, und wir enden an einem Ort mit zwei Geschichten. Zuerst die der Arbeit. Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft legte den Bahnhof von 1871 bis 1874 an, eröffnet wurde er am 15. Oktober 1874. Man nannte ihn Rheinischer Bahnhof oder Bochum Rheinisch. An der Nordseite entstand ein Betriebswerk mit einem elfständigen Ringlokschuppen, der heute noch teilweise erhalten ist. Nach der Verstaatlichung der Privatbahnen um 1880 verlor hier der Personenverkehr an Bedeutung, der Güterverkehr aber wuchs weiter, durch die angeschlossenen Zechen und Stahlwerke. 1883 kam eine Verbindungsstrecke zur Ruhrtalbahn dazu. Direkt angebunden war die Victoria-Brauerei, deren Gleisanschluss die Blumenstraße unterquerte. Außerdem gab es eine Werksbahn, die später über das Gelände der Stahlwerke Bochum nordwärts bis zu den Schachtanlagen der Zeche Lothringen in Gerthe verlängert wurde. Um 1908 baute man die Strecken um, damit der Personenverkehr vom langsameren Güterverkehr getrennt war. 1959 gab man das Betriebswerk auf, 1979 stellte man den Personenverkehr ein. Auf dem Güterbahnhof sitzt heute das Hauptzollamt der Stadt. Das Empfangsgebäude von 1874 war größer als vergleichbare Bauten, weil es auch Büros der Bahngesellschaft aufnahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor es das zweite Obergeschoss. Im Inneren sind teilweise Treppen und gusseiserne Säulen erhalten. Ein Versuch, es 1997 unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte. Die Privatbrauerei Moritz Fiege kaufte es im Jahr 2000, beantragte 2015 den Abriss, und gegen diesen Plan regte sich öffentlicher Widerstand. Ein privater Investor kaufte es schließlich, heute ist eine private Klinik darin. Die zweite Geschichte: Von diesem Bahnhof und dem Südbahnhof begannen in der Zeit des Nationalsozialismus die Deportationen von Bochumer Jüdinnen und Juden, von Sinti und Roma, von Zeugen Jehovas und von Homosexuellen. Die Bochumer Juden wurden zunächst nach Dortmund gebracht und von dort weitertransportiert. Insgesamt wurden 596 Bochumer Juden deportiert, die meisten starben in den Ghettos und Lagern oder wurden dort ermordet. Nachgewiesen ist der Nordbahnhof etwa als Ausgangspunkt eines Transports nach Theresienstadt Ende Juli 1942, Sinti und Roma wurden von hier nach Auschwitz deportiert. Seit 2020 steht vor dem Gebäude eine Gedenkstele, und am 5. September 2021 wurde im Haus der Gedenkort Nordbahnhof eröffnet, mit einem Saal und einer kleinen Ausstellung. Damit endet der Rundgang. Er begann unter Tage, im Museum, und er endet an einem Bahnhof, der Zechen, Stahlwerke und eine Brauerei mit der Bahn verband und von dem aus auch Menschen deportiert wurden.

Kurzfassung

Sie stehen am Bahnhof Bochum Nord, eröffnet am 15. Oktober 1874. Er diente dem Personenverkehr und vor allem dem Güterverkehr der angeschlossenen Zechen und Stahlwerke. 1979 stellte man den Personenverkehr ein. Im Empfangsgebäude erinnert heute ein Gedenkort an die Deportationen aus Bochum.

Für Kinder

Dieser Bahnhof wurde 1874 eröffnet. Hier fuhren Personen- und Güterzüge, und Zechen und Stahlwerke waren mit Gleisen angeschlossen. Auch eine Brauerei hatte ein eigenes Gleis hierher. Ein Lokschuppen mit elf Plätzen für Lokomotiven steht noch teilweise. Seit 1979 halten hier keine Personenzüge mehr. Das Haus hat noch eine zweite Geschichte. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen, die man verfolgte, von hier aus weggebracht, und die meisten kamen nie zurück. Heute ist darin ein Gedenkort. Warum ist es wichtig, sich daran zu erinnern?

Quellen

Koordinaten: 51.4828, 7.22528 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.