
Sie stehen vor der Stiftskirche. Lesen Sie ihre Geschichte wie die Jahresringe eines Baumes: Um den ältesten Kern legen sich die Bauten der folgenden Jahrhunderte. Dieser Kern ist eine einschiffige, frühromanische Kirche mit halbrunder Apsis, entstanden im 10. oder 11. Jahrhundert. Darunter fand man Bestattungen, die bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen. Zur Jahreszahl gibt es deshalb zwei Angaben. Wikidata nennt 1321, das Jahr, in dem die Gebeine der Ahnen aus Beutelsbach hierher kamen und der Neubau des Chors begann. Um 1240 wurde aus der Dorfkirche eine herrschaftliche, dreischiffige Kirche, wohl im Zusammenhang mit dem benachbarten Schloss. Geplant waren zwei Türme, gebaut wurde nur der Südturm. Sein unterer Teil ist das einzige erhaltene Bauwerk der Stauferzeit in Stuttgart. In der Stifterkapelle im Südturm steht das älteste Denkmal der Kirche, eine Doppeltumba für Graf Ulrich I., den Stifter, und Herzogin Agnes von Liegnitz. Sie entstand Ende des 13. Jahrhunderts. Beide sind in Lebensgröße dargestellt. Ulrich steht auf zwei Löwen, dem Symbol des Heldentums, Agnes auf zwei Hunden, dem Symbol ehelicher Treue. Die beiden starben 1265, ihre Gebeine kamen um 1320 nach Stuttgart. Agnes hält das Modell eines Chores in der Hand. Der Chor wurde erst viel später geplant und gebaut, das Modell ist eine spätere Zutat. Um 1320 holte Graf Eberhard der Erlauchte das Chorherrenstift und die Grablege der Grafen von Beutelsbach nach Stuttgart. In Beutelsbach war die Grablege bei Streitigkeiten zwischen Kaiser und Graf zerstört worden, hier in der Residenz war der Schutz besser. Die Stadtkirche wurde durch päpstliches Dekret zur Stiftskirche erhoben. Es gab einen Propst, zwölf Chorherren und zwölf Vikare, mit weiteren Priestern etwa dreißig. Für sie brauchte man Platz, und bis 1347 entstand ein neuer, frühgotischer Chor. Seitdem werden die Grafen von Württemberg hier bestattet. Schauen Sie nun auf die Türme. Der Südturm steht an der Südseite der Kirche, liegt aber weiter nördlich als der große Westturm. Denn die Kirche ist nicht nach Osten und Westen ausgerichtet, sondern nach Nordosten und Südwesten. Der Westturm wurde von etwa 1490 bis 1531 gebaut und ist 61 Meter hoch. Geplant war ein spitzer Helm. Doch die einsetzende Reformation brachte den Bau ins Stocken, und der Turm erhielt sein schwäbisch sparsames, flaches Dach. Im Inneren stand die Goldene Kanzel, 1460 bis 1470 errichtet. Vergoldet wurde sie erst im 19. Jahrhundert, daher der Name. 1944 wurde die Kirche zerstört. Vom spätgotischen Schiff blieben nur die Nordwand mit den Seitenkapellen und der Westturm. Von der Kanzel blieben die Brüstungsreliefs mit den vier Kirchenvätern Hieronymus, Gregor, Augustinus und Ambrosius. Sie stehen seit 1977 als Ambo im Chor.
Sie stehen vor der Stiftskirche, der ältesten mittelalterlichen Kirchengründung im Stadtbezirk Mitte. Um 1320 wurde hier die Grablege der Grafen von Württemberg eingerichtet, von Beutelsbach hierher verlegt. Zwei ungleiche Türme machen die Kirche zu einem Wahrzeichen der Stadt.
Schau auf die zwei Türme dieser Kirche. Sie sehen ganz verschieden aus. Der hohe Turm ist 61 Meter hoch und hat ein flaches Dach. Dabei sollte er eine Spitze bekommen. Doch dann begann die Reformation, und der Bau kam ins Stocken. In dieser Kirche werden seit etwa dem Jahr 1320 die Grafen von Württemberg begraben. Damals arbeiteten hier etwa dreißig Priester. Kannst du die zwei verschiedenen Türme finden?
Koordinaten: 48.7767, 9.17806 · auf der Karte