Stadtohr

Stadtrundgang Stuttgart · Station 6 von 14

Altes Schloss

um 1200 · wasserburg, renaissance, hochwasser, residenz

Altes Schloss
Foto: Max Bach / Jonathan Sauter, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Alten Schloss. Es ist ein Haus, das gegen das Wasser gebaut wurde. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben. Wikidata nennt 950. Die Wasserburg selbst setzt man mit ihren Anfängen um 1200 an. Im Jahr 950 legte Herzog Liudolf von Schwaben, ein Sohn Ottos I., das Gestüt Stuotgarten an. Zu dessen Schutz soll er auch eine Burg errichtet haben. Dafür fehlen bis heute archäologische Belege. Bei Ausgrabungen bis 2005 fand man unter dem Südteil des Schlosses, der Dürnitz, Siedlungsreste bis ins 8. Jahrhundert und eine Vorgängerburg. Sie stammt aber wahrscheinlich aus der Stauferzeit, aus der zweiten Hälfte des 12. oder der ersten des 13. Jahrhunderts. Sie war noch keine Fürstenresidenz, sondern sollte offenbar eine Fernstraße schützen, einen alten Handelsweg von Norden nach Süden. Vermutlich im späteren 13. Jahrhundert beschädigte ein Hochwasser sie stark. Um 1300 begann der Nachfolgebau. Diese zweite Burg wurde viel tiefer fundamentiert. Ihre Mauern sind rund 3,6 Meter dick. Und man drehte den ganzen Bau um knapp 45 Grad, damit er dem hochwassergefährdeten Bach mit einer massiven Mauer begegnete und nicht mit einer Ecke. Die Mauern waren so solide, dass sie im südöstlichen Teil bis heute stehen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg Hauptsitz der Grafen von Württemberg, geschützt von einem tiefen, umlaufenden Graben. Ab 1553 ließen die Herzöge Christoph und Ludwig die Burg zum Renaissance-Schloss ausbauen. Architekt war Aberlin Tretsch, ihm zur Seite stand Blasius Berwart. Für den Arkadenhof musste gut sechzig Prozent der alten Bausubstanz abgetragen werden. Er zeigt Architekturmotive der Frührenaissance aus Italien und war als Turnierquadrat gedacht. Die Arkaden sollten ursprünglich um den ganzen Hof laufen. Dazu kam es nicht, weil das Schloss politisch herabgestuft wurde. Es galt als schönster deutscher Renaissancehof. Und wieder ging es um das Wasser. Man hob das Bodenniveau um eine volle Etage an, auf der Seite zum heutigen Schillerplatz um etwa sechs Meter. Die Dürnitz, bis dahin ein großer Repräsentationsraum, wurde zum riesigen Weinkeller und blieb es bis ins 20. Jahrhundert. Das Schloss blieb ein Wasserschloss, bis man im 18. Jahrhundert die Gräben verfüllte. Im Innenhof steht ein Reiterstandbild von Graf Eberhard im Bart. Er wurde 1495 erster Herzog von Württemberg und machte Stuttgart zur Residenz. Unter der Schlosskirche liegt die Königsgruft von König Karl I. und Königin Olga. Im Dezember 1931 brannte ein Teil des Schlosses aus, der Dürnitzbau mit beiden Türmen. Paul Schmitthenner leitete den Wiederaufbau, doch im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss erneut stark beschädigt. Der Wiederaufbau zog sich bis 1971. Im Schloss ist heute das Landesmuseum. Davon gleich mehr.

Kurzfassung

Sie stehen am Alten Schloss. Es war von seinen Anfängen um 1200 bis ins 18. Jahrhundert eine Wasserburg. Ab 1553 ließen die Herzöge Christoph und Ludwig die mittelalterliche Burg zu einem Renaissance-Schloss ausbauen. Heute ist es ein Museumsgebäude, die Schlosskirche dient Gottesdiensten.

Für Kinder

Dieses Schloss war einmal eine Burg mit Wassergraben, eine Wasserburg. Und das Wasser machte Ärger: Der Bach in der Nähe trat immer wieder über, es gab Hochwasser. Deshalb drehte man die Burg um 1300 ein Stück zur Seite. Später hob man den Boden um eine ganze Etage an, um etwa sechs Meter. Im Hof steht ein Reiter aus Stein: Graf Eberhard im Bart. Er wurde 1495 der erste Herzog von Württemberg. Weißt du, wogegen der hohe Boden helfen sollte? Gegen das Hochwasser.

Quellen

Koordinaten: 48.776962, 9.179698 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.