Stadtohr

Stadtrundgang Stuttgart · Station 9 von 14

Hohe Karlsschule

1770 · aufklärung, militärakademie, universität, schule

Hohe Karlsschule
Foto: Jakob Friedrich Weckherlin, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Hinter dem Neuen Schloss war die Hohe Karlsschule untergebracht, eine der bedeutendsten deutschen Bildungseinrichtungen im Zeitalter der Aufklärung. Das Haus hatte in den 1740er Jahren Johann Christoph David von Leger als Untere Kaserne gebaut. 1775 wurde es als Schulgebäude bezogen. Der Anfang war bescheiden. Am 29. Januar 1770 legte Christoph Dionysius Seeger den Entwurf einer Kunsthandwerkerschule für Soldatensöhne vor. Schon am 5. Februar begann für vierzehn Schüler die Ausbildung als Gärtner und Stuckateur. Als eigentliches Gründungsdatum gilt der 14. Dezember 1770, als man die Anstalt in ein militärisches Waisenhaus umwandelte. Im Februar 1771 wurde daraus eine militärische Pflanzschule, nun durften auch Offizierssöhne lernen. Am 11. März 1773 nannte Carl Eugen die Schule Militärakademie. Die ersten Jahre verbrachte sie in Nebengebäuden von Schloss Solitude. Nach dem Umzug 1775 gab es hier ein Gymnasium, eine Ritterakademie, eine Universität, eine Kriegsakademie, Kunst-, Musik- und Theaterakademie und eine Handelsschule. Eine solche Einrichtung gab es im Deutschen Reich kein zweites Mal. Kaiser Joseph II. erhob die Schule 1782 zur Universität. Zum Datum gibt es zwei Angaben: Februar oder der 22. Dezember 1782. Sie hatte nun eine juristische, medizinische und philosophische Fakultät. Ab 1784 durften auch externe Studenten kommen, und es gab keine konfessionellen Beschränkungen. Neben evangelischen und reformierten Studenten kamen Katholiken, Russisch-Orthodoxe und Juden. Für Studenten aus niederen sozialen Schichten übernahm der Herzog die Kosten. Der Alltag war streng. Für die Schüler herrschte Uniformzwang, sie standen ständig unter Aufsicht, Briefe wurden zensiert. Ferien und Sonntagsausflüge gab es erst ab 1783. Auf der Solitude stand man im Sommer um fünf Uhr auf, im Winter um sechs. Unterricht war von sieben bis elf Uhr und von vierzehn bis achtzehn Uhr. Die Zöglinge waren nach Ständen getrennt: oben die Söhne der Adligen, in der Mitte die Bürgerlichen, im dritten Rang die Künstler aus Handwerker- oder Soldatenfamilien. Manche Schüler flohen. Herzog Carl Eugen und Franziska von Hohenheim besuchten die Schule fast täglich. Der Hofmaler und Karlsschüler Jakob Friedrich Weckherlin hielt das in zwei Gemälden fest. Auf einem überreicht ein Schüler Franziska eine Rose. Friedrich Schiller kommentierte es so: Die Tore dieses Instituts öffneten sich Frauenzimmern nur, ehe sie anfangen interessant zu werden, und wenn sie aufgehört haben, es zu sein. Nach Carl Eugens Tod 1793 schloss sein Nachfolger, Herzog Ludwig Eugen, die Hohe Karlsschule zum 16. April 1794.

Kurzfassung

Hinter dem Neuen Schloss war die Hohe Karlsschule untergebracht, eine der bedeutendsten deutschen Bildungseinrichtungen der Aufklärung. Herzog Carl Eugen gründete sie als Militärakademie, 1782 erhob Kaiser Joseph II. sie zur Universität. Sie bestand vom 5. Februar 1770 bis zum 16. April 1794.

Für Kinder

Hinter dem Neuen Schloss war eine ungewöhnliche Schule. Herzog Carl Eugen gründete sie 1770, zuerst für Soldatensöhne. Später lernte man dort ganz viel, zum Beispiel Latein, Französisch, Recht und Medizin. Es wurde sogar eine Universität. Aber das Leben war streng. Alle trugen Uniform, es gab ständig Aufsicht, und Briefe wurden kontrolliert. Im Sommer stand man um fünf Uhr auf. Würdest du in so einer Schule leben wollen?

Quellen

Koordinaten: 48.7778, 9.1832 · auf der Karte

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