Stadtohr

Stadtrundgang Rostock · Station 16 von 17

Hausbaumhaus

1490 · backsteingotik

Hausbaumhaus
Foto: Chpagenkopf, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor dem Hausbaumhaus, Wokrenterstraße 40. Es ist eines der ältesten weitgehend erhaltenen Kaufmannshäuser aus der Zeit der Hanse in Rostock und Umgebung. Offiziell heißt es Haus der Architekten. Wir haben bisher große Bauten gesehen, Kirchen, Rathaus, Tor. Hier steht ein Bürgerhaus, und es zeigt, wie ein Kaufmann mit Backstein baute. Gebaut wurde es 1490, in der Spätgotik. Die Namen der beteiligten Baumeister sind nicht überliefert. Die hohe Bauform mit der schmalen Fassade zur Straße war typisch für diese Epoche. Ebenso typisch sind die geschlossene Backsteinfassade und der Blendenstaffelgiebel. Schauen Sie hinauf: Die Straßenfront endet in einem Staffelgiebel mit fünf Blenden in Backstein. Das Wort kennen Sie von der Langen Straße, die Giebelkante steigt in Stufen an. Eine Blende ist eine in die Wand eingelassene Nische. Der Name verrät, was hinter ihr steckt. Der Hausbaum ist ein Stamm aus Eiche, der nahezu in der Mitte des Gebäudes steht, durch zwei Geschosse führt und die Kernlast des Hauses trägt. Unten ruht er auf einem großen Granitfindling im Fundament, im Keller. Oben verästelt sich das Gebälk wie bei einem Baum. Mit verzierten Kopfbändern und einem Unterzug werden die Speicherböden gestützt. So kann sich die Last der gelagerten Waren, die sich ständig verändert, auf das Fundament übertragen. Im obersten Dachgeschoss befindet sich eine Windenanlage mit Wellenrad. Mit ihr hievte man die Kaufmannswaren von der Diele in die drei übereinander liegenden Lagerböden. Die Diele nimmt die gesamte Gebäudehöhe ein. Die Fassade aus Stein ist also die Hülle um ein Haus, dessen tragendes Gerüst aus Holz besteht. Lange wurde das Haus vor allem als Speicher genutzt. Im 17. und 18. Jahrhundert baute man Wohnräume in die unteren Speicherböden. Man stemmte Fensteröffnungen auf und verputzte die beiden unteren Geschosse des Staffelgiebels. Um 1625 entstand ein Hofflügel, die Kemlade, der 1970 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. 1980 war das Haus nicht mehr nutzbar. Im Januar 1981 begann die Rekonstruktion nach Entwürfen des Bundes der Architekten unter Leitung von Peter Baumbach. Am 17. März 1983 wurde das Gebäude als Haus der Architekten wiedereröffnet. 2002 übernahm es die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, und zwei Jahre später wurde es umfangreich saniert. Die mittelalterliche Windenanlage ist erhalten und instand gesetzt. Ähnliche Gebäude stehen in Greifswald und Stralsund. Unser letztes Ziel liegt wieder an der Kröpeliner Straße.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Hausbaumhaus in der Wokrenterstraße 40, einem der ältesten weitgehend erhaltenen Kaufmannshäuser der Hansezeit in Rostock. Der spätgotische Bau von 1490 hat eine geschlossene Backsteinfassade und einen Staffelgiebel mit fünf Blenden.

Für Kinder

Du stehst vor einem alten Kaufmannshaus. Es ist aus dem Jahr 1490. Vorn hat es eine Wand aus Backstein, die oben in Stufen endet. In der Mitte des Hauses steht ein dicker Eichenstamm, der Hausbaum. Er trägt den wichtigsten Teil der Last und steht unten auf einem riesigen Findling aus Granit. Oben im Dach hängt eine Winde. Mit ihr zog man Waren nach oben. Wie viele Stufen hat der Giebel? Zähle sie.

Quellen

Koordinaten: 54.0908, 12.1358 · auf der Karte

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