Stadtohr

Stadtrundgang Osnabrück · Station 2 von 16

Theater Osnabrück

1909 · theater, jugendstil, nachkriegszeit

Rechts steht ein Bau aus gelbem Sandstein mit hohem Giebel, in dem eine ovale Öffnung sitzt. Gerundete Seitenteile tragen grüne Kupferkuppeln, auf dem Gesims sitzen steinerne Figuren. Hohe Fenster stehen in Dreiergruppen, unten führen flache Stufen zu weißen Gittertüren. Links steht ein moderner Bau aus braunem Backstein mit breitem Glasband. Davor liegt ein weiter Platz aus Kopfsteinpflaster.
Foto: J.-H. Janßen, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Was Sie vor sich sehen

Rechts steht ein Bau aus gelbem Sandstein mit hohem Giebel, in dem eine ovale Öffnung sitzt. Gerundete Seitenteile tragen grüne Kupferkuppeln, auf dem Gesims sitzen steinerne Figuren. Hohe Fenster stehen in Dreiergruppen, unten führen flache Stufen zu weißen Gittertüren. Links steht ein moderner Bau aus braunem Backstein mit breitem Glasband. Davor liegt ein weiter Platz aus Kopfsteinpflaster.

Ausführlich

Sie stehen vor dem Theater Osnabrück am Domhof, dem Platz, der seit 2010 Platz der Deutschen Einheit heißt. Theater gespielt wurde in der Stadt schon seit 1771, zuerst im Marstall-Flügel des Schlosses, das wir noch besuchen. Ab 1780 nutzte man zwei ehemalige Adelshöfe in der Straße Große Gildewart, dort trat von 1827 bis 1833 auch Albert Lortzing auf. 1832 übernahm die Stadt den Komplex als erstes kommunales Theater. Weil Feuerschutz fehlte, wurde es 1881 vorübergehend geschlossen und mit einem eisernen Vorhang versehen. Der Wunsch nach einem Neubau wuchs. Den Platz dafür gab es hier: An der Südseite des Domhofs stand die frühere Boeselagersche Kurie, in der seit 1817 das Ratsgymnasium untergebracht war, ein Gymnasium für Knaben. Die Schule zog zum Wall um. Den ersten Entwurf lieferte der Dresdner Architekt Martin Dülfer. Aus finanziellen Gründen wurde er nicht vollständig übernommen. Die Bauleitung hatte der Osnabrücker Baurat Friedrich Lehmann, der die endgültigen Pläne ausarbeitete. Schauen Sie auf die gerundete Frontseite: Sandstein und Putzflächen, verziert mit Füllhörnern, Medaillons, stilisierten Lotosblüten und Putten. 1905 legte Oberbürgermeister Julius Rißmüller den Grundstein, im Herbst 1908 stand der Rohbau, 1909 war das Theater vollendet, mit vielen Zuwendungen der Osnabrücker Bevölkerung. Der Bühnenvorhang war ein Geschenk der Osnabrücker Frauen und Jungfrauen. Er hob sich erstmals am 29. September 1909, zum Shakespeare-Drama Julius Cäsar. Gründungsintendant war Karl Ulrichs, der das Haus bis 1925 führte. In den ersten zwanzig Jahren gewann das Theater überregionales Ansehen durch Erst- und Uraufführungen. Ab 1931 war Fritz Berend Intendant, er war jüdischstämmig. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er im April 1933 abgesetzt. Das Theater wurde gleichgeschaltet und hieß nun „Deutsches Nationaltheater“. Am Palmsonntag, dem 25. März 1945, wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Das Foyer blieb erhalten, rußgeschwärzt. Nach dem Krieg verhängten die britischen Militärbehörden ein Kulturverbot. Im Juli 1945 hoben sie es auf, mit der Auflage, dass das Theater sich selbst tragen müsse. Im Foyer richtete man eine Behelfsbühne mit 150 Plätzen ein, am 1. Dezember 1945 war die erste Premiere der Nachkriegszeit. Im Winter 1946/47 mussten die Besucher des Ausweichsaals in der Blumenhalle ein Stück Holz, ein Brikett oder ein Stück Torf mitbringen, damit geheizt werden konnte. Am 9. September 1950 feierte das wieder aufgebaute Haus am Domhof Premiere. Heute spielt das Theater mit Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Konzert, dazu kommt Theater für Kinder und Jugendliche.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Theater Osnabrück am Domhof. Das Jugendstil-Gebäude wurde 1909 vollendet und hat 585 Plätze. Den Bühnenvorhang schenkten die Osnabrücker Frauen und Jungfrauen. Heute ist es ein Fünf-Sparten-Theater mit über 190.000 Besuchern pro Spielzeit.

Für Kinder

Du stehst vor einem Theater. Es wurde 1909 fertig. Der Vorhang auf der Bühne war ein Geschenk der Osnabrücker Frauen. Im Krieg wurde das Haus durch Bomben schwer beschädigt, nur das Foyer blieb erhalten. Im Winter 1946/47 mussten die Zuschauer in einem Ausweichsaal ein Stück Holz, ein Brikett oder ein Stück Torf mitbringen, damit man heizen konnte. Warum, glaubst du, mussten sie Holz mitbringen?

Quellen

Koordinaten: 52.2767, 8.04444 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.