Stadtohr

Stadtrundgang Osnabrück · Station 9 von 16

Bucksturm

Anfang 13. Jahrhundert · stadtmauer, wehrturm, gefaengnis, hexenverfolgung

Bucksturm
Foto: N9713, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Bucksturm, einem Wehrturm der Osnabrücker Stadtmauer, die in diesem Abschnitt Bocksmauer hieß. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1300, die Stadtgeschichte spricht vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Ich nenne Ihnen die ältere. Der Turm mit halbrundem Grundriss und 10,7 Metern Durchmesser stand als Wachturm zwischen dem Heger Tor und dem Natruper Tor. Seinen Namen hat er angeblich nach einem Stein mit Bockskopf, der im obersten Geschoss eingemauert gewesen sein soll. Dieses Geschoss gibt es nicht mehr. Ursprünglich war der Turm 28 Meter hoch. 1805 musste man wegen Baufälligkeit rund zehn Meter abtragen, seither hat er vier Geschosse. Schauen Sie auf die Schießscharten. Sie sind relativ klein, daran erkennt man, dass der Turm nie für Kanonen gedacht war, sondern nur für kleinere Handfeuerwaffen. Im Mittelalter war im Turm das städtische Gefängnis untergebracht. Graf Simon zur Lippe soll im frühen 14. Jahrhundert hier eingesessen haben. Johann von Hoya war von 1441 bis 1448 im sogenannten Johanniskasten im zweiten Geschoss inhaftiert. Sechs aus Münster nach Osnabrück entsandte Prediger des Täuferreichs waren weitere Gefangene, bis man sie am 18. oder 19. Oktober 1534 nach Iburg in den Bennoturm des dortigen Schlosses brachte. Im 16. und 17. Jahrhundert, in der Zeit der Hexenverfolgung, kam die Funktion einer Folterkammer hinzu. Heute zeigt der Turm eine Ausstellung über die Hexenverfolgung. Folterinstrumente sind dort nicht mehr zu sehen, obwohl sie noch Anfang des 20. Jahrhunderts vorhanden waren. An der Westseite sehen Sie ein Kriegerdenkmal des Bildhauers Hermann Hosaeus aus Anröchter Stein, eingeweiht am 1. Oktober 1922, für die Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 78. Im zwölften Jahrhundert hatte man die Stadtbefestigung auf die Ausmaße der heutigen Altstadt vergrößert, begrenzt von den Straßen Hasemauer, Bocksmauer, Rolandsmauer und Neuer Graben sowie der Hase. Der Bucksturm gehört zu dieser Mauer.

Kurzfassung

Sie stehen am Bucksturm, einem halbrunden Wachturm der alten Stadtmauer. Er wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut. Im Mittelalter war hier das städtische Gefängnis. Ursprünglich war der Turm 28 Meter hoch, seit 1805 hat er vier Geschosse. Heute zeigt er eine Ausstellung zur Hexenverfolgung.

Für Kinder

Du stehst vor einem runden Turm der alten Stadtmauer. Er war ein Wachturm und später ein Gefängnis. Früher war er viel höher, nämlich 28 Meter. Weil er baufällig war, trug man 1805 zehn Meter ab. Der Name Bucksturm kommt angeblich von einem Stein mit einem Bockskopf, der oben eingemauert gewesen sein soll. Schau auf die kleinen Schießscharten. Sie waren nur für kleine Waffen gedacht, nicht für Kanonen. Zähle die Stockwerke. Es müssten vier sein. Stimmt das?

Quellen

Koordinaten: 52.2775, 8.0385 · auf der Karte

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