Stadtohr

Stadtrundgang Oldenburg · Station 3 von 15

Lambertikirche

zwischen 1180 und 1200 · kirche, neugotik, klassizismus, hofkirche

Lambertikirche
Foto: Martina Nolte, CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Lambertikirche. Schauen Sie hinauf: Der Hauptturm ist sechsundachtzig Meter hoch, dazu kommen vier Ecktürme. Die Kirche ist das höchste Bauwerk der Stadt und prägt ihre Silhouette. Außen ist sie neugotisch, mit roten Backsteinen in gotischen Formen, innen eine klassizistische Rotunde. Nördlich liegt das Alte Rathaus am Marktplatz, im Südosten das Schloss. Die Kirche war seit jeher die Hofkirche der Grafen, später der Herzöge und Großherzöge. Die erste Kirche stand schon im Hochmittelalter zwischen der Burg und der Siedlung. Erbaut hat sie das Haus Oldenburg, ein Grafengeschlecht, das die Burg Mitte des 12. Jahrhunderts zu seiner Residenz machte. Der genaue Zeitpunkt der Gründung ist unbekannt, er dürfte zwischen 1180/81, der Rückkehr aus dem Exil, und 1200 liegen. Der Heilige Lambertus war den Grafen wichtig: Um 1200 gründeten sie auch die Lambertikirche in Aurich. 1237 wird erstmals ein Gemeindepfarrer genannt, Johannes aus Oldenburg, als Zeuge bei einer Eigentumsübertragung an das Kloster Rastede. Daraus lässt sich auf eine Kirche schließen. 1345 erhielt die Siedlung das Stadtrecht, die Kirche wurde zur Stadtkirche. 1377 wurde sie zum Kollegiatstift erhoben, mit acht Kanonikern. Um 1400 wurde sie zur spätgotischen Hallenkirche erweitert. Die Reformation begann in Oldenburg um 1527. Von nun an wurde auf Deutsch gepredigt. Dann kam der Einsturz. Weil der Bauzustand schlecht war, stürzten 1791 Teile der Kirche ein. Der Kirchfriedhof wurde aufgelöst, die Gräber kamen zum neuen Gertrudenfriedhof. 1795 begannen die Arbeiten nach Plänen des Architekten Joseph Bernhard Winck. Die Kirche wurde bis auf die Außenmauern abgerissen und innen zu einer Rotunde mit Kuppel. Dabei drehte man die Ausrichtung des Raumes nach Westen. So entstand im Osten, wo bei Kirchen sonst der Chor liegt, ein kleiner Eingangsbau. 1813 riss man den freistehenden Glockenturm ab, um mehr Platz für den Marktplatz zu schaffen. Der Dichter Heinrich Heine verspottete die turmlose Kirche und verglich sie mit einem Theater. Erst von 1873 bis 1875 bekam sie ihren Westturm und den markanten Hauptturm. Von 1885 bis 1887 folgten die vier Ecktürme und die Ummantelung mit roten Backsteinen. Das neugotische Äußere und das klassizistische Innere prägen die Kirche bis heute. Am 20. September 1932 versuchte der nationalsozialistische Gauleiter Carl Röver, die Predigt des ghanaischen Pastors Robert Kwami in dieser Kirche zu verhindern. 1968 wurde der Innenraum noch einmal gedreht, um eine große Orgel einbauen zu können. Die heutige Orgel von 1972 hat dreiundfünfzig Register und ist das größte Instrument der Orgellandschaft Oldenburg. Im Vestibül, dem früheren Eingang im Osten, liegt heute die Begräbnisstätte des Oldenburger Herrscherhauses.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Lambertikirche, der zentralen und ältesten Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde Oldenburgs. Von außen ist sie neugotisch, von innen eine klassizistische Rotunde. Mit ihrem sechsundachtzig Meter hohen Hauptturm ist sie das höchste Bauwerk der Stadt.

Für Kinder

Die Lambertikirche hat einen Turm, der sechsundachtzig Meter hoch ist. Sie ist das höchste Bauwerk der Stadt. Früher hatte die Kirche lange gar keinen Turm. 1813 wurde ihr Glockenturm abgerissen, weil man mehr Platz für den Marktplatz wollte. Ein Dichter namens Heinrich Heine machte sich darüber lustig: Die Kirche sehe aus wie ein Theater. Erst von 1873 bis 1875 bekam sie wieder einen Turm. Später kamen vier weitere Türme an den Ecken dazu. Kannst du den hohen Hauptturm und die vier Ecktürme finden?

Quellen

Koordinaten: 53.138372, 8.214333 · auf der Karte

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