Stadtohr

Stadtrundgang Oldenburg · Station 4 von 15

Altes Rathaus

1886–1888 · rathaus, historismus, marktplatz, bürgerprotest

Altes Rathaus
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor dem Alten Rathaus am Marktplatz. Wenn Sie um das Haus herumgehen, achten Sie auf den Grundriss: Er ist ein Dreieck. Der Ziegelbau mit Sandsteinelementen verbindet Formen der Neorenaissance und der Neugotik und gehört damit zum Historismus des späten 19. Jahrhunderts. Die Westfassade ist symmetrisch und vom Hauptportal bestimmt. Die Fassade zum Markt ist asymmetrisch und von den großen Fenstern des Ratssaals geprägt. Das Haus hat einen Vorgänger. 1635 wurde hier auf Betreiben von Graf Anton Günther ein Rathaus mit einer Fassade der Spätrenaissance errichtet. Im Volksmund hieß es nach seinem Architekten Otto Schwerdtfeger das Schwerdtfeger-Rathaus. Es stand mehr als zwei Jahrhunderte, dann wurde es zur Jahreswende 1885/86 abgerissen. Dann begann der Streit. Mit dem Abriss wirkte der Marktplatz plötzlich viel größer. Stadtbaumeister Georg Osthoff hatte vier mögliche Standorte für einen Neubau vorgeschlagen, drei davon am Marktplatz und einen am Dobben. In der Bevölkerung bildete sich eine Bürgerinitiative gegen ein neues Rathaus an dieser Stelle. Es folgte eine unverbindliche Volksabstimmung. Von 2312 Stimmberechtigten unterschrieben 1619 gegen den geplanten Standort. Der Stadtrat hielt trotzdem am Vorhaben fest und lehnte den Bürgerantrag mit neun gegen acht Stimmen ab. Der Grundstein wurde am 25. Mai 1886 gelegt, nach den Plänen der Berliner Architekten Johann Matthias von Holst und Carl Zaar. Während der Bauzeit zogen Stadtrat und Verwaltung in ein Gebäude am Cäcilienplatz. Der historische Rathauskeller des Vorgängerbaus blieb erhalten, und am 2. November 1887 eröffnete dort eine Gaststätte, die es bis heute gibt. 1888 war das Rathaus fertig. Großherzog Nikolaus Friedrich Peter und seine Frau Elisabeth eröffneten es. Die Baukosten betrugen hundertsechzigtausend Mark. Schon nach zwei Jahrzehnten war das Haus zu klein, die Verwaltung mietete weitere Gebäude an. 2013 verteilten sich mehr als zweitausenddreihundert Mitarbeitende auf neunundzwanzig Standorte. 1984 bezogen die ersten Dienststellen das Neue Rathaus am Pferdemarkt, in einer umgebauten Infanteriekaserne von 1835. Im Alten Rathaus sitzt heute der Oberbürgermeister. Im Großen Sitzungssaal hängen an der Stirnseite das Wappen der Stadt und das großherzogliche Wappen, an der Westwand die Wappen von Vechta, Friesoythe, Jever, Varel, Wildeshausen und Delmenhorst. Und an der Fassade hängt ein Glockenspiel, das seit 1995, zum 650-jährigen Stadtjubiläum, viermal täglich Lieder spielt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Alten Rathaus am Marktplatz. Der dreieckige Ziegelbau wurde ab 1886 von den Berliner Architekten Johann Matthias von Holst und Carl Zaar im Stil des Historismus errichtet. Dafür riss man das Rathaus von 1635 ab. Heute hat hier der Oberbürgermeister sein Büro.

Für Kinder

Dieses Rathaus hat eine besondere Form. Wenn du einmal um das Haus gehst: Welche Form hat sein Grundriss? Es ist ein Dreieck. Früher stand hier ein anderes Rathaus, das riss man um den Jahreswechsel 1885/86 ab. Viele Oldenburger wollten das neue Rathaus nicht an dieser Stelle haben. Von über zweitausend Stimmberechtigten unterschrieben mehr als sechzehnhundert dagegen. Der Stadtrat hat trotzdem mit neun zu acht Stimmen für den Bau entschieden. An der Fassade hängt ein Glockenspiel. Es spielt viermal am Tag Lieder.

Quellen

Koordinaten: 53.139, 8.2142 · auf der Karte

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