Stadtohr

Stadtrundgang Nordhausen · Station 11 von 15

St. Blasii

um 1220 · kirche, reformation, cranach, gipskarst

Eine Kirche mit zwei Türmen über einem breiten, massiven Unterbau aus grauem Bruchstein. Die Türme sind aus rosafarbenem Stein, haben gekoppelte Rundbogenfenster und enden in dunklen, spitzen Dächern. Der rechte Turm ist höher und trägt eine schlanke Spitze. Ein kleines Zwischenstück verbindet beide Türme.
Foto: Chris06, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Was Sie vor sich sehen

Eine Kirche mit zwei Türmen über einem breiten, massiven Unterbau aus grauem Bruchstein. Die Türme sind aus rosafarbenem Stein, haben gekoppelte Rundbogenfenster und enden in dunklen, spitzen Dächern. Der rechte Turm ist höher und trägt eine schlanke Spitze. Ein kleines Zwischenstück verbindet beide Türme.

Ausführlich

Sie stehen vor der Stadtpfarrkirche St. Blasii, einem evangelischen Gotteshaus. Sie ist neben dem Dom und der nicht mehr vorhandenen Marktkirche St. Nikolai einer von drei Kirchenbauten im historischen Stadtzentrum. Schauen Sie auf die Türme. Die achteckigen Türme prägen das Gotteshaus, und sie sind unterschiedlich hoch: Am 24. April 1634 brannte durch Blitzschlag die Haube des nördlichen Kirchturms ab, und beim Wiederaufbau bekam er den spitzen Helm nicht wieder aufgesetzt. Außerdem steht die Kirche nicht auf festem Fels wie der Dom, sondern auf Gipskarst. Deshalb ist der Südturm auffällig nach Norden geneigt. Ein um 1220 errichteter Vorgängerbau wird 1234 in einer Urkunde Heinrichs (VII.) erwähnt. Heinrich hatte von seinem Vater Friedrich II. den Auftrag erhalten, nördlich an die Stadt angrenzend einen neuen Stadtteil mit einer Kirche anzulegen, den Hagen. Im Unterbau der Türme sollen sich noch Überreste dieses Vorgängerbaus befinden. 1487 bis 1490 wurde das Schiff durch einen Neubau ersetzt, die Jahreszahl 1489 steht auf einem Schlussstein des Chorgewölbes. 1524 übernahm Johann Spangenberg auf Empfehlung Martin Luthers die Stelle des ersten evangelischen Predigers. Er wirkte bis 1546 und machte sich durch Schulunterricht und erbauliche Schriften auch über die Gemeinde hinaus verdient. Hans Reinicke, ein Wegbegleiter Luthers, wurde hier 1538 beigesetzt, der Bürgermeister Michael Meyenburg 1555. An der Südfassade erinnern zwei Bronzetafeln an Spangenberg, Reinicke und Meyenburg. Den Stadtbrand von 1612 und den von 1712 überstand die Kirche unbeschadet. 1687 baute man zur Sicherung der Türme einen Strebepfeiler an die Westseite, mit Steinen der Walkenrieder Kirchenruine. Beim Luftangriff am 4. April 1945 erlitt die Kirche erhebliche Schäden an Dächern und Mauerwerk, vor allem an den Ostteilen. Die Cranach-Gemälde waren in einen Brauereikeller ausgelagert worden und verbrannten dort. Bis 1949 wurden die Dächer wiederhergestellt. Die drei Chorfenster entstanden 1949 nach Entwürfen von Martin Domke und ersetzten die zerstörten: links ein Weihnachtsfenster, rechts ein Passionsfenster, in der Mitte ein Auferstehungsfenster. Die Renaissancekanzel von 1592 stiftete der Bürgermeister Cyriakus Ernst. Ein Epitaph Lucas Cranachs des Jüngeren für Michael Meyenburg von 1558 wurde nach den Luftangriffen nicht wiederaufgefunden. Eine Kopie von 1937 hängt an der Nordseite des Chorraums und zeigt die Auferweckung des Lazarus. 2004 wurde eine Restaurierung wegen Einsturzgefahr der Türme und des Dachs abgeschlossen, 2014 und 2015 wurde der Innenraum saniert.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stadtpfarrkirche St. Blasii, einem evangelischen Gotteshaus. Ein Vorgängerbau wird 1234 erwähnt, das heutige Schiff entstand 1487 bis 1490. Die zwei achteckigen Türme sind unterschiedlich hoch, der Südturm ist nach Norden geneigt.

Für Kinder

Du stehst vor der Kirche St. Blasii. Sie hat zwei Türme, und sie sind nicht gleich hoch. Im Jahr 1634 schlug ein Blitz in den einen Turm, und die Spitze brannte ab. Sie wurde nicht wieder aufgesetzt. Schau genau hin: Der Südturm steht nicht ganz gerade. Er ist nach Norden geneigt, weil die Kirche auf weichem Untergrund steht, auf Gipskarst. In der Kirche gibt es ein Bild, das nur eine Kopie ist. Das Original von Lucas Cranach dem Jüngeren ist seit dem Krieg verschwunden. Welcher Turm ist höher, der linke oder der rechte?

Quellen

Koordinaten: 51.5042088, 10.793401305 · auf der Karte

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