Stadtohr

Stadtrundgang Nordhausen · Station 2 von 15

Finkenburg

um 1444 · fachwerk, burg, gotik, wahrzeichen

Finkenburg
Foto: Eduardo Manchon, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Finkenburg, einem gotischen Fachwerkhaus und Wahrzeichen von Nordhausen. Beginnen wir mit dem Namen. Er lautete ursprünglich Finklerburg und geht vermutlich auf Heinrich den Ersten zurück, der auch als Heinrich der Finkler bekannt war. Er ließ um 910 an dieser Stelle eine Burg errichten. 1180 verbrannte Heinrich der Löwe die Anlage, sie wurde wiederaufgebaut, und 1277 zerstörten sie schließlich die Bürger. Das Haus, vor dem Sie stehen, ist jünger. Es entstand um 1444 als Ständerbau mit auskragendem oberen Stockwerk auf einem Keller aus dem 14. Jahrhundert. Schauen Sie hinauf: Das Obergeschoss ragt, von Knaggen getragen, weit über das untere hinaus. Zwei Geschosse durchlaufende Ständer, ein streng durchgeführtes Fachwerksystem und ein aufgesetztes Obergeschoss, das ist für die Mitte des 15. Jahrhunderts eine typische Mischform aus Geschossbauten und einzeln verzimmerten Stockwerken. Wegen der vielen Umbauten lässt sich der ursprüngliche Zustand nicht mehr genau beschreiben. Er dürfte aber in etwa dem heutigen Aussehen entsprechen. Die Nutzung vor 1860 ist unklar, seitdem war die Finkenburg Wohnhaus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich der Zustand zusehends, durch zu viele Bewohner und mangelnde Hygiene. 1915 waren Balken im Inneren gebrochen, Treppen morsch und Fenster defekt, und doch lebten 39 Personen im Haus. 1921 lehnte die Stadt einen Abriss durch den Eigentümer Otto Kellermann ab. Zwei Jahre später erwarb der Deutsch-Amerikaner Ulrich König aus Milwaukee das Gebäude und schenkte die Finkenburg seiner Heimatstadt Nordhausen. Der Wiederaufbau im April 1927 gelang nur durch große Anstrengungen der Nordhäuser Bürger und private Spenden. Bis 1940 war die Finkenburg Gildehaus, danach war in Teilen des Gebäudes eine Kindertagesstätte für 100 Kinder untergebracht. Nach 1945 war sie Parteihaus der SED, 1959 wurde sie wieder als Haus der Handwerkerschaft genutzt. 1993 beschädigte eine Brandstiftung das Innere stark. Nach einer originalgetreuen Sanierung wurde die Finkenburg 1997 wieder eröffnet.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Finkenburg, einem gotischen Fachwerkhaus und Wahrzeichen von Nordhausen. Sie wurde um 1444 als Ständerbau mit auskragendem Obergeschoss errichtet. Der Name geht vermutlich auf Heinrich I. zurück, der hier um 910 eine Burg bauen ließ.

Für Kinder

Du stehst vor einem sehr alten Fachwerkhaus. Es heißt Finkenburg und wurde um 1444 gebaut. Schau nach oben: Das obere Stockwerk ragt weit über das untere hinaus. Der Name kommt von einer Burg, die ein König namens Heinrich, genannt der Finkler, vermutlich um 910 hier bauen ließ. 1915 waren im Haus Balken gebrochen und Treppen morsch, und trotzdem wohnten 39 Menschen darin. Dann schenkte ein Mann aus Milwaukee in Amerika, der aus Nordhausen stammte, das Haus der Stadt. Wie viele Menschen wohnen in deinem Haus?

Quellen

Koordinaten: 51.503333333, 10.790555555 · auf der Karte

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