Stadtohr

Stadtrundgang Nordhausen · Station 1 von 15

Nordhäuser Dom

961 · dom, stiftskirche, mittelalter, reichsstadt

Nordhäuser Dom
Foto: Tilman2007, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Willkommen in Nordhausen. Wir beginnen am bedeutendsten Bauwerk der Stadt, dem Nordhäuser Dom zum Heiligen Kreuz. Ein Dom ohne Bischof: Er war nie Kathedrale, sondern bis zur Säkularisation eine Stiftskirche. Trotzdem ist er neben dem Erfurter Dom die einzige Kirche des Bistums Erfurt, die offiziell Dom heißt. Seinen Beinamen hat er von der Kreuzreliquie, einem Splitter vom Kreuz Jesu Christi. Der Dreißigjährige Krieg ließ das Domstift verarmen, 1675 wurde das Kreuzreliquiar nach Duderstadt verkauft. Erst zur Tausendjahrfeier der Stadt 1927 bekam der Dom wieder eine Kreuzreliquie. Am Anfang steht eine Frau. In einer Schenkungsurkunde Heinrichs des Ersten an seine Frau, Königin Mathilde, wird Nordhausen 927 genannt. 961 gründete Mathilde hier ein Kanonissenstift, ein Damenstift. Vom Bau jener Zeit sind keine Reste bekannt. Aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen die Unterbauten der Osttürme und die Krypta, um 1130. 1220 wurde das Damenstift in ein Chorherrenstift umgewandelt. Ab diesem Jahr war Nordhausen auch freie Reichsstadt, neben Mühlhausen eine von nur zwei in Thüringen. Der Chor entstand danach, zwischen etwa 1230 und 1267, dem Jahr der Weihe. Das spätgotische Langhaus folgte um 1450. Schauen Sie zu den beiden romanischen Türmen hinauf. In der Krypta, 7,4 mal 7,6 Meter groß und kreuzgratgewölbt, weist die Bauornamentik in den Umkreis des Reformklosters Hirsau im Schwarzwald. Dort steht auch der älteste Grabstein Nordhausens, von 1327. Im Chor finden Sie an den Seitenwänden Statuen der wichtigsten Stifter des Domes, um 1290 angebracht: Heinrich der Erste, seine Frau Mathilde, ihr Sohn Otto der Erste mit seiner Frau Adelheid und Otto der Zweite mit seiner Frau Theophanu. 1524 beschloss der Rat der Stadt die Einführung der Reformation. Alle Pfarr- und Klosterkirchen wurden lutherisch, nur das Heilig-Kreuz-Stift blieb bis 1810 eine katholische Körperschaft. Deshalb ist der Dom seit der Reformation die einzige römisch-katholische Kirche der Stadt. Am 4. April 1945, bei einem britischen Luftangriff, brannte das Steildach über der Halle ab, die Fenster wurden vernichtet. Der Dom erhielt ein Notdach, ab 1965 wurde das Steildach in alter Form wiederhergestellt. Anfang April 1945 zerstörten zwei Luftangriffe der Royal Air Force die von Fachwerkhäusern geprägte Stadt zu drei Vierteln. Über 8800 Menschen starben, Zehntausende wurden obdachlos. Von der Altstadt rund um den Dom sind 25 Prozent erhalten.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Nordhäuser Dom zum Heiligen Kreuz. Königin Mathilde gründete hier 961 ein Kanonissenstift. Die Türme und die Krypta sind romanisch, Chor und Schiff gotisch. Der Dom war nie Kathedrale, sondern bis 1810 Stiftskirche.

Für Kinder

Du stehst vor dem Dom von Nordhausen. Ein Dom ist eine große Kirche, aber dieser hier hatte nie einen Bischof. Im Jahr 961 gründete Königin Mathilde an diesem Ort ein Damenstift. Der Dom heißt Dom zum Heiligen Kreuz, denn in ihm wird ein Splitter vom Kreuz Jesu aufbewahrt. Im Chor stehen Figuren der Stifter, um 1290 angebracht: König Heinrich, seine Frau Mathilde, ihr Sohn Otto und andere, insgesamt sechs. Am 4. April 1945 brannte bei einem Luftangriff das Dach ab. Es wurde später wieder aufgebaut. Schau nach oben: Wie viele Türme siehst du?

Quellen

Koordinaten: 51.50393, 10.7901 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.