Stadtohr

Stadtrundgang Mannheim · Station 7 von 16

St. Sebastian

· kirche, barock, marktplatz, hofkirche

St. Sebastian
Foto: unbekannt, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor St. Sebastian am Marktplatz, der ältesten katholischen Pfarrkirche Mannheims. Zusammen mit dem Alten Rathaus bildet sie einen barocken Doppelbau vom Anfang des 18. Jahrhunderts, das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Beide bilden den Südrand des Marktplatzes. Gehen wir zurück. Mannheim wird 766 erstmals im Lorscher Codex erwähnt. Wann es eine Kirche gab, ist nicht bekannt, ein Pfarrer wird 1309 erstmals bezeugt. 1496 ist belegt, dass der heilige Sebastian Patron von Kirche und Dorf war. Als die Friedrichsburg angelegt wurde, mussten die Dorfbewohner nördlich davon in die heutige Unterstadt umsiedeln, und die alte Kirche wurde vermutlich abgebrochen. Mannheim war nun protestantisch, den wenigen Katholiken war die öffentliche Religionsausübung verboten, sie besuchten heimlich den Gottesdienst in Seckenheim. 1685 trat mit Philipp Wilhelm ein katholischer Zweig der Wittelsbacher das kurpfälzische Erbe an, und 1701 bekam Mannheim wieder eine eigene katholische Pfarrei. 1700 war im Quadrat F 1 der Grundstein für ein Rathaus am zentralen Marktplatz gelegt worden, an dessen Westflügel ein Waaghaus geplant war. Die Katholiken schlugen vor, stattdessen dort ihre Hauptkirche zu bauen. Kurfürst Johann Wilhelm genehmigte das 1706, am 25. November wurde der Grundstein gelegt. Die mehrheitlich protestantische Stadt leistete Widerstand, auch weil sie den größten Teil der Kosten tragen sollte. Sie schlug einen anderen Bauplatz vor, doch die Katholiken lehnten ab. 1707 befahl der Kurfürst den Bau am Marktplatz. Die Pläne stammten von Johann Jakob Rischer. Der Kurfürst ordnete gegen dessen Plan an, alle Gebäudeteile um zehn Fuß zu erhöhen und auf eine Kuppel zu verzichten. Stattdessen erhielt die Kirche, wie zuvor das Rathaus, ein hohes Walmdach. Am 12. Dezember 1709 wurde sie eingeweiht. 1720 verlegte Carl Philipp die Residenz nach Mannheim und nutzte St. Sebastian bis zum Bau der Schlosskirche 1731 als Hofkirche. Auch danach kam er jedes Jahr am 20. Januar, dem Fest des heiligen Sebastian, zum Gottesdienst. Schauen Sie sich die Fassade an: Das Wechselspiel zwischen hell verputzten Flächen und rotem Sandstein ist typisch für Bauten der Barockzeit in Mannheim. Auf dem Platz steht außerdem der Marktplatzbrunnen von 1767. Im Zweiten Weltkrieg wurden mehr als drei Viertel der Gebäude Mannheims zerstört, St. Sebastian erlitt vergleichsweise geringe Schäden. Bei einem Bombenangriff im April 1943 wurden die Marktplatzfassade, das Dach und Teile des Innenraums beschädigt. Schon Ende 1945 konnte die Kirche wieder genutzt werden.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Sebastian am Marktplatz, der ältesten katholischen Pfarrkirche Mannheims. Sie wurde 1706 begonnen und am 12. Dezember 1709 eingeweiht. Zusammen mit dem Alten Rathaus bildet sie einen barocken Doppelbau, das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt.

Für Kinder

Du stehst vor einer Kirche am Marktplatz. St. Sebastian ist die älteste katholische Pfarrkirche Mannheims. Zusammen mit dem Alten Rathaus ist sie das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Zuerst gab es Streit: Die Stadt war mehrheitlich protestantisch und wollte die Kirche nicht an dieser Stelle. Der Kurfürst befahl den Bau trotzdem, 1709 wurde die Kirche eingeweiht. Statt einer Kuppel bekam sie ein hohes Dach, wie das Rathaus daneben. Und jedes Jahr am 20. Januar kam der Kurfürst zum Gottesdienst. Was für ein Dach hat dein Haus?

Quellen

Koordinaten: 49.4892, 8.46694 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.