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Stadtrundgang Mannheim · Station 6 von 16

Lemle-Moses-Klaussynagoge

· synagoge, talmudschule, stiftung, jüdische geschichte

Lemle-Moses-Klaussynagoge
Foto: Unknown authorUnknown author (original uploader was Dobschuetz), Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie sind dort, wo die Lemle-Moses-Klaus stand, im Quadrat F 1 in der Innenstadt. Eine Klaus ist eine Talmudschule mit Synagoge. Benannt ist sie nach Lemle Moses Reinganum, der von 1666 bis 1724 lebte, ein jüdischer Hof- und Obermilizfaktor aus Rheingönheim und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Mannheim. Er stiftete die Klaus 1706, im September 1708 wurde sie eingeweiht. Dazu stattete er die Stiftung mit 100.000 Gulden aus, die in Darmstadt angelegt wurden. Die Zinsen von 6 Prozent im Jahr sollten den Betrieb bezahlen. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts flossen die Zahlungen nur noch schleppend, sie unterlagen der Willkür des hessischen Landgrafen. Elias Hayum, wie Reinganum pfälzischer Hoffaktor und Vorsteher der Gemeinde, sicherte den Fortbestand mit einer großen Zuwendung und wurde so zum zweiten großen Gönner. 1794 zerstörte ein Brand das Lehrhaus und die Bibliothek und beschädigte die Synagoge schwer. Im Mai des folgenden Jahres war der Wiederaufbau vollendet. Ab 1855, als die Hauptsynagoge gebaut war, wurde die Klaus zum Mittelpunkt der orthodoxen Juden, die den Reformgottesdienst ablehnten. Ab 1887 ersetzte ein Neubau nach Plänen des Mannheimer Architekten Wilhelm Manchot die alte Klaus, am 29. November 1888 war die Einweihung. Die Klaus bestand aus einem Komplex mehrerer Gebäude. Der Haupteingang lag an der sogenannten Fressgass’, die Synagoge im Hof hinter der Blockrandbebauung. Der Neubau war im maurischen Stil errichtet, mit einer hohen Tambourkuppel, die von außen nicht zu sehen war. Innen war das Mauerwerk horizontal gestreift, die Fenster waren hufeisenförmig, hinter einer Blendarkatur mit gelappten Bögen im Stil der Alhambra oder spitz zulaufenden im Stil einer indischen Moschee. 1929 und 1930 baute Siegfried Seidemann erneut um. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Klaus geschändet. Bis Pessach 1939 stellte man sie behelfsmäßig wieder her, und von da an diente sie den Gottesdiensten der gesamten jüdischen Gemeinde. Am 22. Oktober 1940 wurden bei der Wagner-Bürckel-Aktion fast alle Mannheimer Juden, rund 2.000, in das französische Lager Camp de Gurs deportiert. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben das Gebäude, 1953 wurde die Ruine abgerissen. 1998, zum 60. Jahrestag der Pogromnacht, wurde eine Gedenktafel am Haus F 1, 7 angebracht. Eine weitere vor der neuen Synagoge in F 3 erinnert seit 2007 an die Klaus.

Kurzfassung

Sie sind dort, wo die Lemle-Moses-Klaus stand, im Quadrat F 1. Sie war eine Talmudschule mit Synagoge, gestiftet von dem Hoffaktor Lemle Moses Reinganum und 1708 eingeweiht. Als Sakralbau diente sie bis 1940. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört.

Für Kinder

Hier stand die Lemle-Moses-Klaus. Das war eine Schule zum Lernen, verbunden mit einer Synagoge. Lemle Moses Reinganum, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, stiftete sie, 1708 wurde sie eingeweiht. Er gab 100.000 Gulden dazu, von den Zinsen sollte alles bezahlt werden. 1794 brannte das Lehrhaus mit der Bibliothek ab, aber die Gemeinde baute es wieder auf. Nach 1938 war die Klaus die Synagoge der ganzen Gemeinde. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben sie. Was würdest du mit 100.000 Gulden stiften?

Quellen

Koordinaten: 49.4886, 8.46667 · auf der Karte

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