
Sie stehen am Turm der Mannheimer Sternwarte. Er wurde von 1772 bis 1774 gebaut, und er sagt etwas über den Hof, der hier residierte. Kurfürst Carl Theodor stand den Impulsen der Aufklärung aufgeschlossen gegenüber. Mehrfach war der französische Denker Voltaire an seinem Hof zu Gast. Er führte Reformen durch und gründete wissenschaftliche Einrichtungen. Eine davon war das physikalische Kabinett, das der Jesuitenpater Christian Mayer aufbaute. 1756 war Mayer in Paris, um die Wasserversorgung zu studieren, und lernte dort die Astronomie kennen; er kaufte einen Quadranten, mit dem er 1759 die Wiederkehr des von Edmond Halley vorhergesagten Kometen beobachtete. 1761 ließ Carl Theodor in der Orangerie des Schwetzinger Schlossparks eine provisorische Sternwarte aus Holz errichten, von der aus Mayer den Durchgang der Venus vor der Sonne beobachtete. 1769 reiste er für ein Jahr nach Sankt Petersburg und beobachtete dort ebenfalls den Venusdurchgang. Aus allen Beobachtungen berechnete er die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne auf 146,2 Millionen Kilometer, nur drei Millionen weniger als der tatsächliche Wert. Am Silvestertag 1771 legte er eine Denkschrift über den Bau einer Sternwarte in der Nähe des Mannheimer Hofes vor. 1772 beauftragte der Kurfürst die Hofkammer, noch im selben Jahr wurde der Grundstein des Turmes neben dem Schloss gelegt. Mayer machte die Sternwarte mit neuen Instrumenten und Büchern aus der kurfürstlichen Bibliothek zu einer international ebenbürtigen Forschungseinrichtung. Im Gästebuch stehen Namen von Fachkollegen, aber auch von Wolfgang Amadeus Mozart, der sich als Hofkapellmeister bewarb, und von Benjamin Franklin, als Abgesandter der jungen Vereinigten Staaten. Den Höhepunkt seiner Arbeit bildete die Entdeckung der Doppelsterne als zusammengehörige Gebilde. Die meisten der 1782 in Bodes Himmelsatlas veröffentlichten Doppelsterne hatte Mayer beobachtet. Dann kehrte Pech ein. Carl Theodor verließ die Kurpfalz 1778, und nach Mayers Tod 1783 verlief die Geschichte der Sternwarte weniger glücklich. Ein Nachfolger wurde nach München versetzt, ein anderer machte sich so viele Feinde, dass er nach anderthalb Jahren ging, ein dritter starb 1790 auf der Rückreise von Paris. In den Kriegen der napoleonischen Zeit wurde der Turm mehrfach beschossen, mehrere Instrumente wurden zerstört, einige verschwanden. 1806 übernahm das Großherzogtum Baden die Sternwarte. 1850 beschloss man sogar die Aufhebung des Instituts. 1860 kam mit Eduard Schönfeld wieder ein besoldeter Hofastronom nach Mannheim. Der Standort inmitten der Stadt war aber nicht mehr zeitgemäß: 1880 zog die Sternwarte nach Karlsruhe, 1898 schließlich auf den Königstuhl bei Heidelberg, wo sie als Landessternwarte bis heute besteht.
Sie stehen am Turm der Mannheimer Sternwarte, gebaut von 1772 bis 1774 neben dem Schloss. Der Jesuitenpater Christian Mayer machte sie unter Kurfürst Carl Theodor zu einer international ebenbürtigen Forschungseinrichtung. Bis 1880 blieb sie in Betrieb.
Du stehst an einem Turm, von dem aus man früher in die Sterne geschaut hat. Der Pater Christian Mayer beobachtete hier den Himmel. Er entdeckte, dass manche Sterne Doppelsterne sind, die zusammengehören. Aus Beobachtungen der Venus vor der Sonne berechnete er, wie weit die Sonne von der Erde entfernt ist: 146,2 Millionen Kilometer. Das war fast richtig, nur drei Millionen Kilometer daneben. Berühmte Gäste trugen sich ins Gästebuch ein, zum Beispiel Mozart. Wie weit, glaubst du, ist die Sonne von uns weg?
Koordinaten: 49.4865, 8.4597 · auf der Karte