Stadtohr

Stadtrundgang Konstanz · Station 10 von 16

Synagoge (Konstanz)

1883 · synagoge, novemberpogrom, gedenken, jüdische gemeinde

Synagoge (Konstanz)
Foto: Unknown authorUnknown author, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen in der Sigismundstraße. Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde, die 1938 zerstört wurde, und hier steht seit 2019 wieder eine. Die Gemeinde bemühte sich ab 1872 um den Bau einer Synagoge. Von der städtischen Spitalstiftung konnte sie das Grundstück Sigismundstraße 19 kaufen. Mit zahlreichen Spenden und einem Kredit war die Finanzierung gesichert. Nach den Plänen des Stadtbaumeisters Holzmann aus Konstanz wurde die Synagoge 1882 und 1883 gebaut. Zur Einweihung am 28. September 1883 kamen zahlreiche Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und der christlichen Kirchen. Am 1. November 1936 wurde die Synagoge angezündet. Der Toraschrein, die Orgel und vier Fächer im Gestühl, in denen Gebetsmäntel und Gebetbücher lagen, verbrannten. 1937 setzte der Architekt Fritz Nathan sie instand. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten SS-Männer unter Führung von Walter Stein sie in Brand. Die Konstanzer Feuerwehr, die an der Brandlegung beteiligt war, durfte den Brand nicht löschen. Am Morgen des 10. November sprengte eine Pioniereinheit der in Radolfzell stationierten SS-Einheit Germania die Brandruine. Von 1946 bis 1960 stand auf dem Grundstück ein Gedenkstein aus Bruchstücken der Synagoge. Er befindet sich heute auf dem jüdischen Friedhof. An die erste Synagoge erinnert heute eine Gedenktafel. Wenige Schritte von ihrem Standort entfernt steht ein Mahnmal zur Erinnerung an die Deportation von 108 Konstanzer Juden im Jahr 1940 nach Gurs in den französischen Pyrenäen. Auf dem Grundstück entstand ein Geschäftshaus, in dem die jüdische Gemeinde seit 1964 einen Betsaal hat. Im selben Jahr wurde die Israelitische Kultusgemeinde Freiburg-Konstanz gegründet, 1988 wurde die Konstanzer Gemeinde selbstständig. Ende der 1990er Jahre kamen jüdische Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion, der Betsaal wurde erweitert. Seit 2008 gibt es eine Mikwe. Seit 2002 planten die Gemeinden einen Neubau in der Nähe des ursprünglichen Platzes. Streitpunkt war der Gebetsraum: geschlechtergetrennt nach orthodoxer Auffassung oder gemeinsam nach liberaler. Man einigte sich auf eine Empore, auf der sich am Sabbat und an Feiertagen nur Frauen aufhalten, und gab dem liberalen Teil der Gemeinde einen weiteren Raum, in dem gemeinsam gebetet wird. Die Stadt überließ das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus Anker und das Nachbargrundstück kostenlos. 2016 begannen die Bauarbeiten in der Sigismundstraße 8, im Herbst 2019 war das Haus fertig. Es kostete etwa fünf Millionen Euro, gebaut und bezahlt von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, die Stadt beteiligte sich mit 155.000 Euro. Die Einweihung war am 10. November 2019, auf den Tag genau 81 Jahre nach der Reichspogromnacht.

Kurzfassung

Sie stehen in der Sigismundstraße, wo die erste Konstanzer Synagoge stand. Sie wurde 1883 eingeweiht und in der Pogromnacht 1938 in Brand gesteckt, am Morgen darauf sprengte man die Ruine. Der Neubau in der Sigismundstraße 8 wurde am 10. November 2019 eingeweiht.

Für Kinder

Du stehst in der Sigismundstraße. Hier stand die Synagoge von Konstanz. Eine Synagoge ist das Gebetshaus der Juden. Sie wurde 1883 eingeweiht. In der Zeit des Nationalsozialismus, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, zündeten SS-Männer sie an. Die Feuerwehr durfte nicht löschen, und am nächsten Morgen wurde die Ruine gesprengt. Heute erinnert eine Gedenktafel an die alte Synagoge. Und es gibt wieder eine Synagoge: Im Jahr 2019 wurde ein neues Gebetshaus eingeweiht. Such die Gedenktafel und lies, was darauf steht.

Quellen

Koordinaten: 47.6583, 9.1755 · auf der Karte

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