Stadtohr

Stadtrundgang Konstanz · Station 8 von 16

Konzilgebäude Konstanz

1388 · kaufhaus, konklave, papstwahl, hafen

Konzilgebäude Konstanz
Foto: Anidaat, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor dem Konzilgebäude, das eigentlich ein Kaufhaus ist: dreigeschossig, massiv aus Stein, mit mächtigem Walmdach, direkt am Hafen. Es gilt als größter erhaltener mittelalterlicher Profanbau in Süddeutschland. Gebaut wurde es als Warenlager, und fast 500 Jahre lang diente es als Umschlagplatz für Handelswaren. Der Anlass: 1387 besuchte eine Delegation Mailänder Kaufleute die Stadt. Sie suchten einen Stützpunkt für den Fernhandel, denn Kriege der Schweizer hatten die Süd-Nord-Route über die Alpen verändert. Über Konstanz lief damals ein großer Teil der Handelsgüter zwischen Norditalien und dem Oberrhein. Der Rat beschloss ein Haus, in dem die Güter der Mailänder und anderer Fremder aufbewahrt werden sollten, und es sollte dauerhaft sein. Der Bau unter Meister Arnold begann im März 1388 und dauerte bis 1391. Im Erdgeschoss lagerte Ware kurzzeitig, im Obergeschoss lagerte haltbare Ware, und dort wurden die Geschäfte betrieben. Das Haus steht auf einem Fundament aus Hunderten von Eichenpfählen im feuchten Seeboden. Damals lag es direkt am Ufer und war Teil der östlichen Stadtmauer. Schauen Sie zu den Dacherkern der Seeseite: In den Erkern waren Kräne angebracht, mit denen man Waren direkt von den Schiffen in die oberen Stockwerke hievte. Dann kam das Konzil. Die großen Sitzungen fanden im Münster statt, aber die Papstwahl 1417 fand hier statt, denn das Kaufhaus war das größte Profangebäude der Stadt. Die Angst war groß, dass die Wahl angefochten werden könnte. Also baute man das Haus spionagesicher um: Die Fenster wurden bis auf einen schmalen Schlitz geschlossen, ein Zaun umgab das Gebäude, Wachsoldaten machten es zum militärischen Sicherheitsbereich. Das Innere wurde in 56 Einzelzellen geteilt, für alle Kardinäle und je sechs Vertreter der fünf teilnehmenden Nationen. Das Konklave dauerte vom 8. bis 11. November 1417. Dann wurde Oddo di Colonna zum neuen und einzigen Papst gewählt, Martin dem Fünften, und das Große Abendländische Schisma war beendet. Die Krönung fand auf einer Tribüne vor dem Münster statt. Danach war das Haus bis weit ins 19. Jahrhundert wieder Handelshaus. 1836 zog, weil der Stadt das Geld zur Erhaltung fehlte, die Zollbehörde ein. 1863 kam die Bahn, und sogar ein Gleis wurde durch das Erdgeschoss verlegt. Später war das Gebäude bis 1910 Markthalle. Dann wurde der Umbau zum Restaurant und Festsaal genehmigt. Dabei richtete man die Ostseite um 22 Zentimeter auf, weil sie im Lauf der Jahrhunderte gegenüber der Westseite um gut einen halben Meter abgesackt war. Die Einweihung war am 14. Mai 1912. Zum Namen: Der Antiquitätenhändler Josef Kastell stellte ab 1824 Erinnerungsstücke an die Papstwahl aus. Daraus wurde im 19. Jahrhundert die Bezeichnung Conziliumsgebäude. Heute sagt man in Konstanz einfach Konzil.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Konzilgebäude am Hafen. Es wurde ab 1388 als Kaufhaus gebaut. 1417 fand hier das Konklave statt, in dem Martin V. zum Papst gewählt wurde und das Große Abendländische Schisma endete. Heute ist es Restaurant, Festsaal und Kongresszentrum.

Für Kinder

Du stehst vor einem großen alten Haus mit einem riesigen Dach. Die Konstanzer sagen einfach das Konzil dazu. Gebaut wurde es, um Waren zu lagern. Berühmt wurde es 1417: Damals wählten hier die Kardinäle einen neuen Papst. Sie saßen in 56 kleinen Zellen, die Fenster waren fast zu, und Soldaten bewachten das Haus. Keiner sollte die Wahl anzweifeln können. Vom 8. bis 11. November dauerte es, dann stand fest: Martin der Fünfte ist Papst. Kannst du raten, was heute in dem Haus ist? Ein Restaurant und ein großer Festsaal.

Quellen

Koordinaten: 47.6609, 9.17818 · auf der Karte

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