Stadtohr

Stadtrundgang Konstanz · Station 7 von 16

Imperia

1993 · statue, satire, konzil, peter lenk

Imperia
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen im Hafen von Konstanz vor einer Frau, die sich dreht. Die Imperia ist neun Meter hoch, 18 Tonnen schwer und aus Beton gegossen. Tagsüber dreht sie sich auf einem Drehtisch in etwa vier Minuten einmal um die eigene Achse, gegen den Uhrzeigersinn. Entworfen und ausgeführt hat sie Peter Lenk, aufgestellt wurde sie am 24. April 1993. Schauen Sie auf ihre Hände. Darauf trägt sie zwei nackte, zwergenhafte Männer. Der eine trägt die Krone eines Königs und hält einen Reichsapfel, der andere die päpstliche Tiara und sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen. Ob sie Kaiser Sigismund und Papst Martin den Fünften darstellen oder ganz allgemein weltliche und geistliche Macht, ist nicht eindeutig. Der Künstler sieht sie als nackte Gaukler, die sich die Zeichen der Macht widerrechtlich aufgesetzt haben. Auch Imperias Kopfschmuck ist eine Narrenkappe mit Schellen. Sie ist Kurtisane und Hofnarr zugleich, einer, der das Spiel der Mächtigen durchschaut. Das Ganze ist eine Satire auf das Konstanzer Konzil. Die Vorlage stammt von Honoré de Balzac. In seiner frivolen Erzählung La belle Impéria, erschienen zwischen 1832 und 1837, ist Imperia eine Kurtisane, die sich während des Konzils in Konstanz aufhält und zur heimlichen Herrscherin des Konzils wird. Das war Balzacs Erfindung. Die historische Imperia, Imperia Cognati, lebte von 1481 bis 1512, fast ein Jahrhundert nach dem Konzil, und war eine gebildete Italienerin. Der Hintergrund ist dennoch nicht erfunden: Während des Konzils, das vier Jahre dauerte, lebten neben den fünf- bis siebentausend Konstanzern zeitweise bis zu 30.000 Geistliche und Fürsten samt Bediensteten, Kaufleuten, Handwerkern und Gastwirten in der Stadt. Der Konzilschronist Ulrich Richental berichtet von mehr als siebenhundert Prostituierten, die heimlichen nicht mitgezählt. Auch der Sockel hat eine Geschichte. Er gehörte zu einem Molenturm, der 1842 errichtet und 1890 wieder abgerissen wurde, bis auf das Sockelhäuschen. In ihm ist eine Pegelmessstation untergebracht, die seit 1816 besteht und damit die älteste im heutigen Baden-Württemberg ist. Lange stand auf dem Sockel nur ein Stahlgestell als Bake. Es musste der Imperia weichen. Die Idee kam vom Fremdenverkehrsverein, den Bodensee-Schiffsbetrieben und den Wirten. Den Anstoß zu einer weiblichen Figur gab die Freiheitsstatue in New York. Die Statue war anfangs heftig umstritten. Die Konstanzer Kirchen und konservative Stadträte protestierten, das Erzbistum Freiburg meldete Bedenken an, und der Kunstverein zweifelte an der künstlerischen Qualität. Verhindern konnte der Gemeinderat sie nicht, denn sie steht auf einem Privatgrundstück der Deutschen Bahn. Bald wurde die Imperia zur Touristenattraktion und zum Wahrzeichen der Stadt. Seit August 2024 steht sie unter Denkmalschutz.

Kurzfassung

Sie stehen im Hafen vor der Imperia. Die neun Meter hohe Betonstatue von Peter Lenk wurde am 24. April 1993 aufgestellt und dreht sich tagsüber in etwa vier Minuten einmal um sich selbst. Sie erinnert satirisch an das Konzil von Konstanz.

Für Kinder

Du siehst eine riesige Statue im Hafen. Sie ist neun Meter hoch und aus Beton. Und sie dreht sich: einmal ganz herum in etwa vier Minuten. Stell dich hin und prüfe, ob es stimmt. In ihren Händen trägt sie zwei kleine nackte Männer. Der eine hat eine Krone auf, ein König. Der andere trägt die Kopfbedeckung eines Papstes. Der Künstler Peter Lenk wollte zeigen: Ohne ihre feinen Kleider sind auch die Mächtigen nur kleine Männer, über die man lachen kann. Die Statue erinnert an das Konzil, das von 1414 bis 1418 in Konstanz tagte.

Quellen

Koordinaten: 47.660752, 9.181108 · auf der Karte

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