Stadtohr

Stadtrundgang Konstanz · Station 5 von 16

Kloster Petershausen

983 · kloster, benediktiner, reichsabtei, petersdom

Kloster Petershausen
Foto: Gabriel Bucelin, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor den Gebäuden des ehemaligen Klosters Petershausen. Erinnern Sie sich an den Münsterhügel, an Bischof Konrad und sein zweites Rom? Hier steht ein Baustein dieser Idee. Konrads Neffe und Nachfolger Gebhard der Zweite gründete kurz vor 983 ein Benediktinerkloster auf der rechten Rheinseite und gab ihm eine Kirche, die dem Petersdom in Rom nachempfunden war. Der Seerhein war der Tiber. Der Name sagt es noch heute: Petri domus, das Haus des Petrus, wurde zu Petrihusa, 1099 erstmals erwähnt, und schließlich zu Petershausen. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 901, die Wikipedia dagegen kurz vor 983. Für 983 steht die Grundsteinlegung der ersten Klosterbauten und der Kirche, die als erste quellenmäßig überlieferte Grundsteinlegung einer Kirche im deutschsprachigen Raum gilt. Am 28. Oktober 992 wurde die Kirche zu Ehren von Papst Gregor dem Großen geweiht. Sein Haupt war als kostbare Reliquie aus Rom nach Konstanz gebracht worden. Die ersten Mönche kamen aus dem Kloster Einsiedeln. Gebhard wurde selbst in der Klosterkirche beigesetzt und 1134 heiliggesprochen. Im 11. Jahrhundert verfiel der Ordensgeist. Bischof Gebhard der Dritte von Zähringen wandte sich an das Reformkloster Hirsau, und Abt Theoderich, von 1086 bis 1116 im Amt, reformierte das Kloster so erfolgreich, dass er sogar Mönche an andere Klöster abgeben konnte. 1159 brannte die Abtei ab, von 1162 bis 1180 wurde sie neu gebaut. Unter Friedrich dem Zweiten erlangte sie 1215 die Reichsfreiheit und löste sich vom Bistum. Während des Konzils war König Sigismund hier zu Gast. Dann kam die Reformation. Der Rat der Stadt forderte von den Mönchen einen Treueeid, um ihnen Bürgerrechte und Bürgerpflichten, vor allem Steuern, aufzuerlegen. 1528 suchte der Abt Schutz in Überlingen, wohin auch Klosterarchiv und Kirchenschatz kamen. 1530 vertrieb die Stadt den Konvent und ließ einen Teil des Klosters abbrechen. Die Kirche wurde im Bildersturm verwüstet. Als die Habsburger 1548 die Stadt zur Rekatholisierung zwangen, plünderten ihre Soldaten das Kloster. 1556 kehrten Abt und Konvent in die verwüsteten Gebäude zurück. Danach ging es aufwärts. 1575 wurde die Abtei in das Schwäbische Reichsprälatenkollegium aufgenommen, auf dem siebten Rang. Die Vereinigung mit der Abtei Sankt Georgen in Stein am Rhein und der Propstei Klingenzell und weitere Erwerbungen hielten das Kloster bis zur Säkularisation wirtschaftlich lebensfähig. Den Entwurf zum Neubau des Klosters lieferte der gelehrte Pater Johann Georg Übelacker. 1802 wurde die Abtei säkularisiert und fiel an die Markgrafschaft Baden. Heute beherbergen die Bauten unter anderem die Schausammlung des Archäologischen Landesmuseums, das wir eben besucht haben.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem ehemaligen Kloster Petershausen auf der rechten Rheinseite. Bischof Gebhard II. gründete die Benediktinerabtei kurz vor 983 und baute die Kirche dem Petersdom in Rom nach. 1802 wurde das Kloster säkularisiert.

Für Kinder

Du stehst bei einem Kloster, das vor mehr als tausend Jahren gegründet wurde. Ein Bischof namens Gebhard wollte hier ein kleines Rom haben. Seine Kirche sollte aussehen wie der Petersdom in Rom, und der Fluss Seerhein sollte der Tiber sein. Daher kommt der Name: Petri domus heißt Haus des Petrus, und daraus wurde Petershausen. Mönche lebten hier bis zum Jahr 1802. Heute ist in den alten Mauern das Museum, an dem du gerade vorbeigekommen bist. Kannst du dir den Namen des römischen Flusses merken?

Quellen

Koordinaten: 47.668, 9.1785 · auf der Karte

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