Stadtohr

Stadtrundgang Hildesheim · Station 2 von 16

Christussäule

1000 · bronze, bernward, mittelalter, rettung

Christussäule
Foto: Daderot, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Christussäule, auch Bernwardssäule genannt. Sie ist 379 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 58 Zentimetern. Ursprünglich trug sie auf einem Kapitell eine Kreuzigungsgruppe und war dadurch mehr als 6 Meter hoch, zweieinhalb Meter mehr als heute. Zum Alter gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt das Jahr 1000, andere Quellen 1020. Beides fällt in die Amtszeit Bischof Bernwards, der von 993 bis 1022 regierte. Schauen Sie die Säule hinauf. Jede einzelne Reliefzone ist etwa 45 Zentimeter hoch. Zusammen erzählen die Zonen biblische Geschichten. Es ist die früheste bekannte Darstellung biblischer Erzählung in einer Skulptur und die früheste freistehende Bronzeskulptur in Westeuropa. Das Vorbild kommt aus Rom. 1001 reiste Bernward mit Otto III. dorthin und lernte die Trajanssäule und die Säule des Marc Aurel kennen. Vor allem die Reliefbänder der Trajanssäule dienten ihm als Vorbild. Gegossen wurde die Säule im Wachsausschmelzverfahren, damals eine äußerst anspruchsvolle Technik. Gestanden hat sie in der Michaeliskirche, hinter dem Kreuzaltar. Dann beginnt eine Geschichte von Zerstörung und Rettung. 1544 wurde bei Aufständen zur Einführung der Reformation das Kreuz zerstört. Protestanten schmolzen es mit den Worten „fort mit der Abgötterei“ ein, aus der Bronze goss man eine Kanone. 1650 brach das Kapitell zusammen. 1723 baute man die Säule ab und legte sie hin, weil sie umzufallen drohte. Der Rat der Stadt beschloss, sie einschmelzen zu lassen. Das scheiterte am Einsatz der Mönche und am Widerspruch des evangelischen Bürgermeisters, der das ein Unglück für die Stadt genannt haben soll. 1760 wurde geplant, sie nach Hannover zu verkaufen und dort einzuschmelzen. Der Abt und der Erzbischof legten Einspruch ein, der Kauf wurde rückgängig gemacht. 1810 sollte sie abermals vernichtet werden. Der bischöfliche Beamte Anton Blum erwarb sie und stellte sie auf einen Sockel auf dem Großen Domhof. 1871 bekam sie ein neues Kapitell aus Bronze, 1893 ihren festen Platz im Dom. Im Juni 1942 brachte man die Säule mit der Bernwardstür in einen Stollen in den Wallanlagen. Dort überstand sie die Zerstörung des Doms am 22. März 1945.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Christussäule im Dom. Die 379 Zentimeter hohe Bronzesäule stammt aus der Zeit Bischof Bernwards. Sie ist die früheste freistehende Bronzeskulptur in Westeuropa. Mehrmals sollte sie eingeschmolzen werden.

Für Kinder

Du stehst vor einer Säule aus Bronze. Sie ist fast vier Meter hoch und über tausend Jahre alt. Bischof Bernward ließ sie gießen. Er hatte in Rom Säulen mit Bildern gesehen und wollte auch so eine. Auf unserer Säule sind Geschichten aus der Bibel zu sehen. Das Kreuz oben drauf ist verloren: 1544 wurde es eingeschmolzen, und aus der Bronze goss man eine Kanone. Später sollte auch die Säule verkauft und eingeschmolzen werden. Mönche und ein Bürgermeister haben das verhindert. Im Krieg lag sie sicher in einem Stollen. Welche Geschichte erkennst du?

Quellen

Koordinaten: 52.1489, 9.94722 · auf der Karte

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