Stadtohr

Stadtrundgang Freiburg im Breisgau · Station 14 von 16

Schwabentor

· stadttor, legende, revolution 1848, museum

Schwabentor
Foto: siehe Dateiseite, siehe Dateiseite · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Schwabentor. Im Mittelalter hieß es auch Obertor, und es ist das jüngere der beiden Tore der Stadtbefestigung, die noch stehen. Der Torturm wurde um 1250 errichtet. Erst 1547 schloss man ihn zur Stadt hin mit einer steinernen Wand, 1572 kam ein Treppentürmchen dazu. Etwa hundert Jahre später malte Mathäus Schwäri auf der Innenstadtseite das Bild eines Kaufmanns mit einem Fuhrwerk. Schauen Sie dorthin. Zu diesem Bild entstand im 19. Jahrhundert die Legende vom Schwaben. Er kam mit zwei Fässern voll Geld nach Freiburg, um die Stadt zu kaufen. Man lachte ihn aus. Das Gelächter wurde noch größer, als sich herausstellte, dass in den Fässern nur Sand und Kieselsteine waren. Seine Frau hatte vor der Abreise heimlich das Geld gegen die wertlose Füllung ausgetauscht. Über dem Schlussstein des Torbogens sehen Sie auf der Stadtseite den Dornauszieher. Die Figur ist aus der Antike bekannt, hier wird sie christlich gedeutet: Der Mensch trägt den Dorn der Erbsünde in sich, und wer aus dem Tor geht, wird daran gemahnt. Der Turm hat einen quadratischen Grundriss von elf Metern Seitenlänge, unten besteht das Mauerwerk aus schweren Buckelquadern von rotem Sandstein. Um 1900 sollten die Tore ausgestaltet werden. 1899 war der Bau der elektrischen Straßenbahn beschlossen worden. Der Architekt Carl Schäfer schlug vor, das Schwabentor von 26 auf 65 Meter zu erhöhen. Im Sommer 1901 wurde umgebaut, mit einem Treppengiebel nach dem Vorbild norddeutscher Stadttürme. 1903 fügte Fritz Geiges auf der Außenseite den heiligen Georg als Drachentöter hinzu. 1954 wurde der Umbau teilweise rückgängig gemacht. Das Tor erhielt ein schlichteres Zeltdach mit einem Glockentürmchen mit Zwiebelhaube. Eine Sanierung seit Sommer 2012 zeigte, dass die frühere Erhöhung Risse in den Steinen erzeugt hatte. Auch das Fundament war nicht stabil genug. Probebohrungen im April 2013 ergaben, dass nur die südöstliche Ecke des Turms auf festem Schwarzwaldkies steht. Die anderen Bereiche ruhen auf mittelalterlichen Aufschüttungen. Im Dezember 2015 wurde das Gerüst entfernt. Das Schwabentor gehört zu den vier historischen Stadttoren im deutschsprachigen Raum, durch die Straßenbahnen fahren. Seit 1969 beherbergt der Turm die Zinnfigurenklause, das ehrenamtlich geführte Museum, bei dem Sie eben standen. Es zeigt in Dioramen etwa neuntausend handbemalte Zinnfiguren, Szenen aus den Freiheitsbewegungen im süddeutschen Raum: die Schlacht bei Sempach, die Bauernkriege, die Revolution von 1848. Eines der Dioramen zeigt den Sturm auf Freiburg am Ostermontag 1848, direkt am Schwabentor. Eine Gedenktafel erinnert daran auf dem Platz neben dem Tor, den man inoffiziell Platz der letzten Barrikade von 1848 nennt.

Kurzfassung

Sie stehen am Schwabentor, dem jüngeren der beiden noch erhaltenen mittelalterlichen Stadttore. Der Torturm wurde um 1250 errichtet. Auf der Innenstadtseite sehen Sie das Bild eines Kaufmanns mit Fuhrwerk. Dazu gehört die Legende vom Schwaben, der die Stadt kaufen wollte.

Für Kinder

Hier erzählt man sich eine Geschichte. Ein Schwabe kam mit zwei Fässern voll Geld nach Freiburg, um die Stadt zu kaufen. Alle lachten ihn aus. Dann machte man die Fässer auf: Darin waren nur Sand und Kieselsteine. Seine Frau hatte vor der Abreise heimlich das Geld ausgetauscht. Das Bild eines Kaufmanns mit Fuhrwerk, das du auf der Innenstadtseite siehst, gehört zu dieser Legende. Im Turm gibt es ein kleines Museum mit etwa neuntausend handbemalten Zinnfiguren. Warum, glaubst du, hat die Frau das Geld ausgetauscht?

Quellen

Koordinaten: 47.99277778, 7.85416667 · auf der Karte

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