Stadtohr

Stadtrundgang Freiburg im Breisgau · Station 15 von 16

Haus zum Walfisch

1517 · bürgerhaus, spätgotik, humanismus, erasmus

Ein großes, rosarot verputztes Haus mit steilem, dunklem Dach. An der Ecke steht ein runder Treppenturm mit grüner Kupferhaube und Spitze. Die Fenster sind klein und weiß gerahmt. Links schließt ein ebenfalls rosafarbener Bau mit kleinem, rundem Eckturm an. Unten sitzt ein Portal mit goldfarbenen Zierformen vor schwarzem Gitterwerk.
Foto: Joergens.mi, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Was Sie vor sich sehen

Ein großes, rosarot verputztes Haus mit steilem, dunklem Dach. An der Ecke steht ein runder Treppenturm mit grüner Kupferhaube und Spitze. Die Fenster sind klein und weiß gerahmt. Links schließt ein ebenfalls rosafarbener Bau mit kleinem, rundem Eckturm an. Unten sitzt ein Portal mit goldfarbenen Zierformen vor schwarzem Gitterwerk.

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus zum Walfisch, einem spätgotischen Bürgerhaus an der Franziskanerstraße. Es steht unter Denkmalschutz und gehört zu einem Ensemble aus ehemals siebzehn Einzelgebäuden, das die Sparkasse Freiburg nutzt. Gebaut hat es Jakob Villinger. Er war seit 1510 Generalschatzmeister Kaiser Maximilians I. und erwarb 1511 das Freiburger Bürgerrecht. 1514 ließ Ludwig Villinger, womöglich ein Bruder, die Nachbargebäude abreißen. Erst 1516 erteilte der Stadtrat die Baugenehmigung, mit der Auflage, Häuser und Ställe zu bauen und keinen großen Garten stehen zu lassen. 1517 konnte das Haus bezogen werden. Den Namen Zum Walfisch kennt man seit 1565, Hausnummern gab es in Freiburg erst ab 1806. Der Historiker Peter Kalchthaler vermutet eine Verbindung zur biblischen Geschichte von Jona und dem Wal. Auf einer Steintafel an der Fassade können Sie lesen, dass hier der Humanist Erasmus von Rotterdam lebte. Er war aus Basel geflohen und zog zu Weihnachten 1529 ein, als das Haus noch unvollendet war. Der Rat hatte es ihm überlassen, nachdem König Ferdinand ihn empfohlen hatte. Mit im Haus wohnten die Humanisten Otmar Nachtgall und Augustin Marius. Nachtgall blockierte das Erdgeschoss, für das er den Schlüssel besaß. Erasmus glaubte, die Stadt lasse ihn mietfrei wohnen. Aus Höflichkeit hatte er ihr fünf Kronen für sich und vier für Marius gezahlt. Dann begann der Stadtrat Mietverhandlungen. Einen Vertrag mit Villingers Witwe Ursula wollte Erasmus nur abschließen, wenn er das ganze Haus bewohnen durfte, nicht nur das Obergeschoss. Das Ehepaar wollte das Haus verkaufen, und König Ferdinand setzte sich für Erasmus als Käufer ein. Erasmus ging darauf nicht ein. Im März 1531 wurde ihm zum 24. Juni gekündigt, und der Stadtrat forderte nachträglich dreißig Gulden Miete. Erasmus zog in das Haus zum Kind Jesu in der Schiffstraße, das er selbst erworben hatte. Dort wohnte er bis 1535. Später wurde in diesem Haus die Brauerei Ganter gegründet. Zurück zum Haus zum Walfisch. Vom 23. Dezember 1562 bis zum 7. Januar 1563 wohnte Kaiser Ferdinand I. hier als Gast. Damit er an den Weihnachtstagen die Gottesdienste ungestört besuchen konnte, baute man ihm einen gedeckten Gang vom zweiten Stock zur Klosterkirche St. Martin. Später hieß das Anwesen Schwendischer Hof.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus zum Walfisch an der Franziskanerstraße, einem spätgotischen Bürgerhaus. 1517 konnte es bezogen werden. Ab Weihnachten 1529 wohnte hier der Humanist Erasmus von Rotterdam. Das Haus steht unter Denkmalschutz.

Für Kinder

Das Haus heißt Zum Walfisch, obwohl hier kein Wal wohnt. Ein Historiker vermutet, der Name hat mit der Geschichte von Jona und dem Wal zu tun. 1517 konnte man in das Haus einziehen. Ab Weihnachten 1529 lebte hier ein berühmter Gelehrter, Erasmus von Rotterdam. Er dachte, er dürfe umsonst wohnen. Dann sollte er dreißig Gulden Miete zahlen. Was würdest du denken, wenn du glaubst, du wohnst umsonst, und dann kommt eine Rechnung?

Quellen

Koordinaten: 47.996488, 7.850772 · auf der Karte

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