Stadtohr

Stadtrundgang Freiburg im Breisgau · Station 5 von 16

Martinstor

· stadttor, mittelalter, straßenbahn, hexenverfolgung

Martinstor
Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Martinstor in der Kaiser-Joseph-Straße. Es ist das ältere der beiden Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die noch stehen. Im Mittelalter hieß es auch Norsinger Tor. Die Holzbalken sind durch ihre Jahresringe auf das Jahr 1202 datiert, erstmals urkundlich erwähnt wird das Tor 1238 als Porta Sancti Martini. Es hat eine Grundfläche von zehn mal elf Metern, die Mauern sind unten gut drei Meter stark. Früher war es bündig in die Stadtmauer eingefügt und mit dem Wehrgang verbunden. Schauen Sie an die Ostseite: In einigen Metern Höhe erkennen Sie die ehemalige Öffnung. Zeitweilig diente das Tor als Gefängnis. Von den Insassen hieß es, man habe ihnen den Martinsmantel umgehängt. Seit dem 17. Jahrhundert schmückte ein Bildnis des heiligen Martin die Stadtseite. Die Verbindung zu den Vorstädten verlor das Tor damals durch den Festungsbau und die Einebnung der Vorstädte durch Vauban. Danach lief die Zufahrt aus dem Höllental über die Salzstraße. Das Martinsbildnis wurde mehrmals erneuert, zuletzt 1851 von Wilhelm Dürr, und 1968 oder 1969 entfernt. Schauen Sie auf der Stadtseite nach oben. Über einer Schrifttafel zum Gedenken an die Kämpfe der Freiburger Bürgerwehr gegen französische Revolutionstruppen sehen Sie eine leere Fläche. Der Stadtrat konnte sich lange nicht für ein neues Bild entscheiden. Um 2013 waren der heilige Martin, Martin Luther King und Joß Fritz im Gespräch. Eine Kunstkommission kam im Dezember 2015 zu dem Schluss: Das Tor soll ohne Bild bleiben. Der Gemeinderat schloss sich an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts forderten Teile der Bürgerschaft den Abriss der beiden Tore, aus verkehrstechnischen Gründen. Oberbürgermeister Otto Winterer setzte sich für den Erhalt ein. Sein Motto: Dörfer haben Dächer, Städte haben Türme. 1899 wurde der Bau der elektrischen Straßenbahn beschlossen. Der Architekt Carl Schäfer schlug vor, das Tor von 22 auf 66 Meter zu erhöhen. Im Sommer 1901 wurde umgebaut, am 14. Oktober wurde das Tor mit der Inbetriebnahme der Straßenbahn vollendet. Neben dem Torbogen finden Sie eine Schrifttafel, die an die Hexenverbrennungen in Freiburg erinnert. Genannt sind drei Bürgerinnen, die 1599 hingerichtet wurden: Marghareta Mößmer, Catharina Stadelmann und Anna Wolffart. Und im Torbau nebenan, der 1901 angefügt wurde, sitzt ein Schnellrestaurant. Das rot-gelbe Logo der Kette am Tor konnte der Stadtrat verhindern.

Kurzfassung

Sie stehen am Martinstor in der Kaiser-Joseph-Straße. Es ist das ältere der beiden noch erhaltenen Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Seine Balken lassen sich auf das Jahr 1202 datieren, erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1238. 1901 wurde das Tor umgebaut.

Für Kinder

Dieses Tor gehörte einmal zur Stadtmauer von Freiburg. Die Balken sind auf das Jahr 1202 datiert, es ist also über achthundert Jahre alt. Früher lief oben auf der Mauer ein Gang entlang, der Wehrgang, und er war mit dem Tor verbunden. Später wurde das Tor sogar als Gefängnis benutzt. Heute fährt die Straßenbahn hindurch. Schau nach oben: Dort ist eine leere Fläche. Früher war hier der heilige Martin abgebildet, doch die Stadt hat 2015 entschieden, dass das Tor ohne Bild bleibt. Was würdest du dort malen?

Quellen

Koordinaten: 47.99361111, 7.84888889 · auf der Karte

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