Stadtohr

Stadtrundgang Freiburg im Breisgau · Station 6 von 16

Alte Synagoge

1870 · synagoge, jüdische geschichte, reichspogromnacht, erinnerung

Alte Synagoge
Foto: Unknown authorUnknown author, CC BY 3.0 de · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen am Platz der Alten Synagoge. Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde, gebaut 1869 und 1870 und in der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Was Sie heute sehen, ist ein Ort der Erinnerung: ein Wasserbecken, das in Größe und Lage dem Grundriss der Synagoge entspricht. Es wurde 2017 übergeben. Die jüdische Geschichte der Stadt ist älter. Die mittelalterliche Gemeinde hatte wahrscheinlich schon um 1300 eine Synagoge, erwähnt wird sie 1349. In diesem Jahr wurden, im Zuge der allgemeinen Judenverfolgung der Pestzeit, fast alle Freiburger Juden ermordet. Ab etwa 1360 lebten wieder Juden in der Stadt. 1401 beschloss der Stadtrat, dass kein Jude mehr in Freiburg sein solle, und König Sigismund bestätigte das 1424 mit der Ewigen Vertreibung. 1846 lebten in der Innenstadt nur zwanzig Juden. 1864 schlossen sie sich zur Israelitischen Religionsgesellschaft zusammen und mieteten einen Betsaal. Im Herbst 1869 begann der Bau der neuen Synagoge, nach Plänen von Georg Jakob Schneider. Er nahm die Dresdner Synagoge von Gottfried Semper zum Vorbild. Das Gebäude war in maurisch-byzantinischem Stil errichtet, mit minarettartigen Türmen links und rechts des Eingangs. Über dem Giebel thronten die Gesetzestafeln, über dem Portal stand: Mein Haus soll Bethaus genannt werden für alle Völker. Eine Hügelaufschüttung hob das Gebäude leicht an. Eingeweiht wurde es am 23. September 1870, mit finanzieller Hilfe der Jüdischen Gemeinde Mannheim. 1925 und 1926 wurde es umgebaut, weil die beiden engen hölzernen Wendeltreppen zur Frauenempore aus feuerpolizeilichen Gründen erweitert werden mussten. Dann kam der 9. November 1938. In der Reichspogromnacht zündeten Männer der örtlichen SS und SA die Synagoge gegen drei Uhr nachts an. Sie hatten Benzin besorgt, schlugen die Tür ein und leerten die Kanister im Gebäude. Gleichzeitig durchsuchte die Gestapo die Kellerräume nach Dokumenten. Bei Bauarbeiten zur Umgestaltung des Platzes entdeckte man 2016 Reste des Fundaments. Man legte sie frei und dokumentierte sie, bevor sie teilweise abgetragen und für das Wasserbecken überbaut wurden. Im Juli 2016 fand man auf dem Gelände auch einen der beiden Knäufe der Turmspitzen wieder. Zu Konzeption und Nutzung des Gedenkbrunnens gibt es bis heute Kontroversen.

Kurzfassung

Sie stehen am Platz der Alten Synagoge. Hier stand die Synagoge, die 1869 und 1870 erbaut und in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. Heute erinnert ein Wasserbecken an sie. Es entspricht in Größe und Lage dem Grundriss des Gebäudes und wurde 2017 übergeben.

Für Kinder

Hier stand einmal eine Synagoge. Über dem Eingang stand: Mein Haus soll Bethaus genannt werden für alle Völker. Sie wurde 1869 und 1870 gebaut, mit zwei Türmen links und rechts des Eingangs. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zündeten Männer der SS und SA sie an, und sie wurde zerstört. Heute liegt an dieser Stelle ein Wasserbecken. Es hat genau die Größe und die Lage der Synagoge. Warum, glaubst du, hat man das Becken in genau dieser Form gebaut?

Quellen

Koordinaten: 47.99459722, 7.846 · auf der Karte

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