Stadtohr

Stadtrundgang Wuppertal · Station 5 von 15

Die starke Linke

1981 · skulptur, hrdlicka, streit, arbeiterbewegung

Die starke Linke
Foto: Dr-Victor-von-Doom, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Skulptur Die starke Linke. Sie ist acht Tonnen schwer und wurde aus einem Block Carrara-Marmor gearbeitet, der auf einem einen Meter hohen Granitsockel steht. Zur Höhe des Blocks gibt es zwei Angaben: etwa 3,50 Meter und 3,20 Meter. Das Werk stammt vom österreichischen Bildhauer Alfred Hrdlicka, der 2009 gestorben ist. Schauen Sie genau hin. Zu sehen sind mehrere ineinander verschlungene Körper, nur ansatzweise ausgearbeitet, nicht als einzelne Figuren zu erkennen. Sie sind miteinander verkettet, an den Gliedmaßen sitzen Fesseln. Und ein linker Arm ragt heraus und versucht, die Ketten aller zu sprengen. Das Werk soll ein Zeichen für die Freiheit der Menschheit, des Proletariats, und gegen Unterdrückung sein. Dass es ein linker Arm ist, steht für die Stärke der Arbeiterbewegung, die ihre Fesseln ablegt. Der Weg zu dieser Skulptur war lang und teuer. 1975 beschloss die Stadt, im Rahmen eines Landesprogramms zur Verschönerung der Stadtlandschaft eine Skulptur zu erwerben, mit einem Budget von 130.000 D-Mark. 1976 wurde der Engelsgarten als Standort gewählt, und das Werk sollte sich auf Engels beziehen. Nach einer Ausschreibung bekam Hrdlicka den Auftrag und stellte die Fertigstellung für Ende 1976 in Aussicht. Er plante ein marmornes Buch, aus dem Menschen reliefartig hervordrängen, und nannte es „Metamorphose des Geschriebenen in die Realität“. Dann gab es Lieferschwierigkeiten beim Marmorblock. Hrdlicka beschaffte einen zweiten Block aus Carrara und änderte den Entwurf zu einer Rundum-Plastik: eine Menschenmenge, die sich mit aller Kraft aus der Not zu befreien versucht. Die Verantwortlichen der Stadt erfuhren davon aus einem Nachrichtenmagazin. Nachfragen in Wien beantwortete der Künstler teils mit Schweigen, teils mit cholerischen Ausbrüchen. Der Liefertermin rutschte mehrfach nach hinten. Dann kam der Streit ums Geld: Hrdlicka forderte ein Zusatzhonorar von 70.000 D-Mark, später 300.000. In Stadtrat, Medien und Öffentlichkeit wurde heftig diskutiert, Stichworte waren „kommunistisch“ und „überteuert“. Am 23. Februar 1981 beschloss der Rat mit der Mehrheit der SPD, Hrdlicka 300.000 D-Mark zu zahlen, in drei Raten. Am 2. Juli 1981 wurde die Skulptur übergeben, im Beisein des Ministerpräsidenten Johannes Rau. Die CDU blieb der Veranstaltung fern und legte ihre ablehnende Haltung in einem Flugblatt dar. Bis 2014 wurde diese Skulptur teilweise auch als Friedrich-Engels-Denkmal bezeichnet. Dann kam die Bronzestatue aus China.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Skulptur Die starke Linke des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka. Am 2. Juli 1981 wurde sie übergeben, nach einem lokalen Eklat um späte Fertigstellung und explodierte Kosten. Das Werk aus Carrara-Marmor wiegt acht Tonnen.

Für Kinder

Das ist eine Skulptur aus Marmor. Sie wiegt acht Tonnen. Viele Körper sind darin ineinander verschlungen, und sie sind mit Ketten gefesselt. Schau genau hin: Aus der Menge ragt ein Arm heraus, ein linker Arm. Er will die Ketten sprengen. Damit wollte der Künstler zeigen, dass Menschen sich von Unterdrückung befreien. Alfred Hrdlicka, ein Bildhauer aus Österreich, hat sie gemacht. Um die Skulptur gab es viel Streit. Er wurde nicht rechtzeitig fertig, und die Kosten stiegen stark. Erst am 2. Juli 1981 wurde sie übergeben. Siehst du den Arm?

Quellen

Koordinaten: 51.2666, 7.19108 · auf der Karte

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