Stadtohr

Stadtrundgang Würzburg · Station 13 von 16

Schönbornkapelle

· grablege, barock, balthasar neumann, familie schönborn

Ausführlich

Sie stehen an der Schönbornkapelle, am nördlichen Querhaus des Doms. Sie ist ein runder Zentralbau mit zwei Nebenräumen, angebaut an eine romanische Kirche, und sie gilt als eine der schönsten barocken Raumschöpfungen in Deutschland. Sie ersetzte eine ältere Kapelle an derselben Stelle. Auftraggeber war Johann Philipp Franz von Schönborn, den wir an der ersten Station getroffen haben: der Fürstbischof, der die Residenz mit dem Geld aus einem Unterschlagungsprozess begann. Er war 1719 zum Bischof von Würzburg gewählt worden. Maximilian von Welsch fertigte die Pläne, ab 1721 wurde gebaut, 1723 überarbeitete Balthasar Neumann die Pläne, 1724 war der Rohbau fertig. Ob auch Johann Lukas von Hildebrandt an den Änderungen beteiligt war, ist fraglich, und ich sage das so, weil es in einer Quelle so steht. Von 1731 bis 1736 ließ Friedrich Carl von Schönborn weiterbauen, 1736 wurde geweiht. Die Ausstattung entstand von 1733 bis 1738 durch Hofkünstler. Antonio Giuseppe Bossi fertigte 1734 die Marmor-Stuckaturen. Von ihm stammt auch eine Stuckstatue der Immaculata vom bischöflichen Privataltar auf der Empore über dem Hauptaltar, und diese Figur hat Nachkommen: Sie inspirierte die sogenannten Hausmadonnen Würzburgs, die Madonnenfiguren an Hausecken, auf die Sie in dieser Stadt achten sollten. Die Altarblätter von Federico Bencovich aus Venedig wurden 1752 durch solche von Tiepolo ersetzt und gingen selbst verloren. Nun zum Zweck, und das ist der Grund, warum ich Sie hierher geführt habe. Diese Kapelle ist ein Grab. Hier wurden Friedrich Carl von Schönborn bestattet, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg und Reichsvizekanzler, gestorben 1746, und der Bauherr Johann Philipp Franz von Schönborn, gestorben 1724. Und jetzt der Satz, der das ganze Verhältnis dieser Familie zu ihrer Stadt erklärt: Die Schönbornkapelle ist vom Mittelbau der Würzburger Residenz aus durch die Hofstraße zu sehen. Die Schönborns hatten ihre Grablege vom Fenster aus immer vor Augen. Sie bauten ein Schloss, in dem sie sechzig Jahre lang nicht fertig wurden, und gleichzeitig eine Sichtachse auf die eigene Gruft. Wer am Fenster stand und über die Stadt sah, sah das Ende mit. Noch ein Grab gehört hierher, ein kleines. Theodolinde Charlotte Luise, geboren 1816 und gestorben 1817, Tochter des späteren bayerischen Königs Ludwig I., wurde in der Schönbornkapelle bestattet. Sie starb in der Zeit, als Ludwig als Kronprinz in Würzburg weilte. Ein letzter Hinweis für die, die sich an D-Mark-Scheine erinnern: Die Schönbornkapelle ist eines der Würzburger Gebäude, die auf der Vorderseite des 50-Mark-Scheins der vierten Serie zu sehen waren, links neben dem Porträt von Balthasar Neumann.

Kurzfassung

Sie stehen an der Schönbornkapelle, am nördlichen Querhaus des Doms. Sie wurde ab 1721 als Grablege der Familie Schönborn gebaut, im Wesentlichen von Balthasar Neumann. 1724 stand der Rohbau, 1736 wurde sie geweiht. Bestattet sind hier die beiden Bauherren der Residenz.

Für Kinder

Diese runde Kapelle ist an den großen Dom angebaut. Sie sieht fast aus wie ein eigenes kleines Haus. Gebaut wurde sie ab dem Jahr 1721. Aber diese Kapelle ist nicht zum Beten gebaut worden. Sie ist ein Grab. Hier liegen zwei Fürstbischöfe aus der Familie Schönborn, genau die beiden, die das Schloss bauen ließen. Und jetzt kommt das Seltsame: Von einem Fenster im Schloss kann man genau auf diese Kapelle schauen, weil die Straße dazwischen schnurgerade ist. Das war Absicht. Würdest du dein Grab jeden Tag sehen wollen?

Quellen

Koordinaten: 49.7937, 9.93257 · auf der Karte

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