Stadtohr

Stadtrundgang Würzburg · Station 14 von 16

Neumünster

· frankenapostel, barockfassade, krypta, inschrift

Ausführlich

Sie stehen vor dem Neumünster, und dieser Platz ist der Grund, warum es Würzburg als Bischofssitz gibt. Hier soll der Ort liegen, an dem Kilian, Kolonat und Totnan den Tod fanden, die drei Frankenapostel. Wahrscheinlich errichtete schon Bischof Megingaud, im Amt von 754 bis Februar 769, an dieser Stelle einen Memorialbau, den sogenannten ersten Salvatordom. Er sollte die Erinnerung an den Martyriumsort wachhalten. Hier wird die Geschichte interessant, weil die Steine widersprechen. Megingaud starb am 26. September 783 in der Benediktinerabtei Neustadt am Main, und der Sandstein für den Deckel seines Sarges stammt zweifellos aus Steinbrüchen rund um Neustadt. Der Deckel liegt heute in der Krypta dieses Hauses, und die Inschrift darauf ist die älteste Monumentalinschrift Frankens nach der Römerzeit. Älter als jedes Gebäude, das wir heute gesehen haben. Um 1057 gründete Bischof Adalbero, der auch den Dom vollendete, mit Unterstützung der polnischen Königin Richeza und der Grafen von Rothenburg-Comburg das Chorherrenstift Neumünster, geweiht dem Evangelisten Johannes. Und jetzt schauen Sie die Fassade an. Von 1711 bis 1716 entstand über der angeblichen Grabstätte der Frankenapostel ein Kuppelbau nach einem Entwurf von Joseph Greissing, mit einer Schauseite, die von 1712 bis 1716 verwirklicht wurde und zu den schönsten Barockfassaden Süddeutschlands gerechnet wird. Die Kuppel folgt römischen Vorbildern, auch die Fassade ist ohne das römische Vorbild San Marcello al Corso kaum denkbar. Wer die Fassade entworfen hat, ist bis heute strittig, und das ist eine ehrliche Antwort, keine Ausrede. Diskutiert wird eine Einflussnahme von Johann Dientzenhofer, dagegen spricht, dass sein Name in den Akten überhaupt nicht auftaucht. Am plausibelsten ist, dass die Würzburger Hofkünstler sie gestaltet haben, unter der Endredaktion Greissings. Schauen Sie auf die Figuren. Links und rechts der Pforte stehen die beiden Johannes von Jakob van der Auwera. Oben steht der Salvator mundi von Balthasar Esterbauer, dazu die Bistumspatrone: Totnan und Kolonat außen auf der Attika, Kilian und Burkard als Bischöfe entsprechend höher auf der Balustrade. Selbst in Stein gilt die Rangordnung. Am 16. März 1945 wurde das Haus schwer beschädigt, die Altäre im Westteil und die Frankenapostelbüsten Tilman Riemenschneiders wurden vernichtet. An ihrer Stelle stehen heute Kopien, die Heinz Schiestl um 1910 angefertigt hatte. Erhalten blieben die Riemenschneider-Madonna von 1493 und sein Grabmal für Johannes Trithemius. Von 1950 bis zum Wiederaufbau des Doms 1967 war das Neumünster die Bischofskirche der Diözese. In der Westkrypta, der Kiliansgruft, liegen seit 1989 die Gebeine der drei Frankenapostel in einem Schrein von Heinrich Gerhard Bücker.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Neumünster. An dieser Stelle sollen Kilian, Kolonat und Totnan den Tod gefunden haben. Schon Bischof Megingaud errichtete hier im 8. Jahrhundert einen Gedenkbau. Um 1057 gründete Bischof Adalbero das Stift Neumünster. Die Barockfassade entstand von 1712 bis 1716.

Für Kinder

Das hier ist das Neumünster. Hier sollen vor sehr langer Zeit drei Männer gestorben sein, die den Menschen in Franken vom Christentum erzählt haben: Kilian, Kolonat und Totnan. Darum baute man genau hier eine Kirche. In der Krypta, also im Keller, liegt ein alter Steindeckel von einem Sarg. Darauf steht die älteste große Inschrift in ganz Franken seit den Römern. Vorne stehen vier Figuren aus Stein. Schau genau hin: Zwei stehen etwas höher. Das ist kein Zufall, denn die beiden oberen waren Bischöfe. Findest du die vier Figuren?

Quellen

Koordinaten: 49.7938, 9.93158 · auf der Karte

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