Sie stehen auf dem Residenzplatz, und dieser Platz ist ein Lehrstück darüber, wie man Ordnung herstellt, wenn man sie nicht von Anfang an geplant hat. Schauen Sie nach Norden. Dort steht das Palais Rosenbach, um 1700 von Antonio Petrini erbaut. Zwei Stockwerke, siebzehn Fensterachsen, an beiden Enden ein zweiachsiger Risalit mit Dreiecksgiebel, eingefasst von Kolossalpilastern ionischer Ordnung. Jetzt drehen Sie sich nach Süden. Der Gesandtenbau: zwei Stockwerke, siebzehn Fensterachsen, zwei Risalite an den Enden, die gleichen Giebelformen. Er wirkt wie das Spiegelbild. Er ist aber rund fünfundsechzig Jahre jünger, erbaut von 1765 bis 1768, und von einem anderen Architekten, dem Hofbauamtmann Johann Philipp Geigel, der erst 1760 die Bürgerrechte in Würzburg erhielt. Seinen Namen trägt er, weil er zur Unterbringung von Staatsgästen des Fürstbischofs bestimmt war. Dass es so lange dauerte, hatte einen Grund, der fast komisch wirkt. Friedrich Karl von Schönborn gab Balthasar Neumann zweimal den Auftrag, die südliche Randbebauung in Angriff zu nehmen. Dann starb der Auftraggeber 1746. Sein Nachfolger starb 1749. Und Neumann selbst starb 1753. Drei Todesfälle der wichtigsten Personen verzögerten das Projekt, bis Adam Friedrich von Seinsheim die Platzgestaltung mit dem Neuen Bau vollendete. Um 1770 kamen die Kolonnaden dazu, je acht Arkadenbögen mit Säulenpaaren und einer mit Figuren und Vasen bekrönten Balustrade, in monumentalen Freisäulen endend. Nun zur Mitte, und hier muss ich Sie auf einen Widerspruch hinweisen. Am Anfang des Rundgangs habe ich Ihnen zum Frankoniabrunnen gesagt, was in einer Quelle über den Brunnen steht: errichtet 1894 von der Stadt Würzburg zu Ehren des Prinzregenten Luitpold, Architekt Gabriel von Seidl, Bronzen von Ferdinand von Miller. Eine Quelle über diesen Platz erzählt es anders. Dort ist der Anlass der 70. Geburtstag des Prinzregenten, der Brunnen ist von den Bürgern von Würzburg, Aschaffenburg und Unterfranken gestiftet, und der Entwurf stammt von Ferdinand Freiherr von Miller. Zwei Wikipedia-Quelle, zwei Darstellungen. Ich glätte das nicht, ich sage Ihnen, dass es beides gibt. Einig sind sich beide in zwei Punkten: Das Brunnenbecken misst etwa zehn Meter im Durchmesser, der Pfeiler ist acht Meter hoch, und dieser Platz war vorher nicht frei. Hier stand ein geschwungenes schmiedeeisernes Gitter von Johann Georg Oegg, das den Ehrenhof zum Platz hin begrenzte. Es wurde 1821 entfernt, und erst dadurch gab es Platz für den Brunnen. Heute ist der Residenzplatz Veranstaltungsort. Am 28. Juni 2011 feierten hier tausende Fans den aus Würzburg stammenden Basketballer Dirk Nowitzki, nachdem er mit den Dallas Mavericks die Meisterschaft der NBA gewonnen hatte.
Sie stehen auf dem Residenzplatz. Im Osten begrenzt ihn die Residenz, im Westen die Balthasar-Neumann-Promenade. Im Norden steht das Palais Rosenbach von etwa 1700, im Süden der Gesandtenbau von 1765 bis 1768. Der Platz gehört zur Kernzone des Unesco-Welterbes.
Dreh dich einmal langsam im Kreis. Vor dir ist das große Schloss. Links und rechts stehen zwei lange Häuser. Schau sie genau an: Sie sehen fast gleich aus. Du würdest denken, sie wurden zusammen gebaut. Wurden sie aber nicht. Das eine ist über sechzig Jahre älter. Der zweite Baumeister hat das erste Haus einfach nachgemacht, damit der Platz ordentlich aussieht. Warum hat das so lange gedauert? Weil immer wieder jemand starb: erst der Auftraggeber, dann sein Nachfolger, dann der Baumeister. Zähl mal die Fenster in einer Reihe.
Koordinaten: 49.793, 9.93765 · auf der Karte