Stadtohr

Stadtrundgang Würzburg · Station 4 von 16

Kloster Engelgarten

1352 · kartäuser, kloster, säkularisation, mittelalter

Ausführlich

Sie stehen auf dem Gelände des ehemaligen Kartäuserklosters Engelgarten, und dieses Stück Boden hat in sechshundert Jahren mehr Berufe gehabt als die meisten Menschen. Fangen wir mit dem Namen an. Das Gelände hieß Teufelsgarten. Nicht aus Bosheit, sondern aus Familienrecht: Der Vorbesitzer gehörte zum Patriziergeschlecht Teufel und hieß eben so. Johannes de Ariete, deutsch Johann vom Steren, verkaufte das weitgespannte Gelände am 17. Dezember 1348 an die Kartäuser. Der Würzburger Bischof Albrecht von Hohenlohe nahm dann die Umbenennung vor. Aus dem Teufelsgarten wurde der Engelgarten, lateinisch Hortus angelorum, und das Kloster wurde dem Schutz aller Engel unterstellt. Gebaut wurde 1351 und 1352, geweiht am 13. Mai 1352. Erster Oberer war Johann von Echternach. Kartäuser leben anders als andere Mönche. Sie wohnen in Einzelzellen, nicht im Schlafsaal. In den 1470er Jahren hatte das Kloster Kirche, Sakristei, Kapitelsaal, Refektorium und mehrere Mönchszellen, finanziert von Stiftern aus Patrizierfamilien. Nun die Zeitgeschichte, von der dieses Kloster mehr abbekam, als ihm lieb war. 1397 erhoben sich die Würzburger Bürger gegen Bischof Gerhard von Schwarzburg. Zerstörungen auf dem Klostergelände verhinderten die Burggrafen von Nürnberg, Friedrich und Johann. Im Deutschen Bauernkrieg 1525 blieb das Kloster verschont, anders als Astheim oder Tückelhausen. Die Reformation brachte etwas anderes: 1574 ist in der Kartause nur noch ein einziger Mönch überliefert. Ein Mann. 1631 nahm das Kloster verfolgte Brüder aus Grünau auf, und kurz danach mussten die Würzburger Kartäuser selbst vor den Schweden auf die Festung fliehen. Die Schweden quartierten ein Regiment in den leeren Klostergebäuden ein und richteten große Zerstörungen an. Nach 1648 ging es wieder aufwärts, 1666 bekam das Kloster Höfe in Oberpleichfeld, 1797 hatte es Besitzungen im ganzen Bistum. Das Ende kam 1803 mit der Säkularisation. Die Mönche wurden vertrieben. Die Kapelle der Klosterkirche wurde im April 1803 in ein protestantisches Gotteshaus verwandelt. Ihr Pfarrer Karl Heinrich Fuchs hatte schon 1802 die ersten öffentlichen protestantischen Gottesdienste in Würzburg seit 1634 abgehalten. Das Gelände wurde durch sechzehn geteilt und von den neuen Besitzern genutzt: als Orthopädische Heilanstalt, als Wasser- und Dampfbadeanstalt, als Brauerei. 1853 kam der Abriss, weil man Platz für den Bahnhof der Ludwigs-West-Bahn brauchte. Auf dem Bahnhofsgelände steht heute das Theater, vor dem wir gerade waren. Geblieben ist wenig: der Straßenname Kartause, die Gaststätte Zum Karthäuser und die Klostermühle aus dem 17. Jahrhundert, mit Satteldach und Volutengiebeln. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1961 wieder aufgebaut.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Engelgarten. Hier lebten Kartäusermönche. Das Kloster wurde 1351 und 1352 gebaut und am 13. Mai 1352 geweiht. 1803 wurde es aufgelöst, 1853 abgerissen, weil man Platz für einen Bahnhof brauchte. Heute steht hier das Mainfranken Theater.

Für Kinder

Hier war einmal ein Kloster. In einem Kloster leben Mönche. Diese hier hießen Kartäuser. Jeder wohnte in einem eigenen kleinen Haus, und sie sprachen fast nie. Das Land hatte früher einen gruseligen Namen: Teufelsgarten. Das war aber kein Zauber. Der Mann, dem es gehörte, hieß einfach Teufel mit Nachnamen. Der Bischof fand das unpassend und nannte es Engelgarten. Aus dem Teufel wurde ein Engel, nur durch ein neues Wort. Später lebte hier einmal nur noch ein einziger Mönch, ganz allein. Was würdest du auf diesen Platz bauen?

Quellen

Koordinaten: 49.7961, 9.9381 · auf der Karte

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