Stadtohr

Stadtrundgang Würzburg · Station 5 von 16

Stift Haug, Würzburg

· barock, kirche, antonio petrini, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor Stift Haug. Treten Sie ein Stück zurück und schauen Sie die Fassade hinauf. Sie sehen zwei schlanke Türme und dahinter eine wuchtige, schiefergedeckte Kuppel. Dieses Nebeneinander ist der Kern der Sache. Antonio Petrini hat hier zwei Bauideen zusammengezwungen, die aus verschiedenen Ländern stammen: die mitteleuropäische Doppelturmfassade und die römische Kuppelanlage. Die Türme sind 75 Meter hoch, die zweithöchsten Kirchtürme Würzburgs. Die Vierungskuppel steigt im Inneren bis zu 60 Metern auf, angeregt vom Petersdom, und an der höchsten Stelle erkennen Sie in einem Strahlenkranz eine Taube, das Symbol des Heiligen Geistes. Noch eine geliehene Idee steckt im Bau: Die Wandgrenzen sind durch Arkaden aufgelöst, ein Gedanke von Donato Bramante, den dieser um 1480 in einer Kirche in Mailand verwirklicht hatte. Petrini war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der führende Barockbaumeister Frankens, und diese Kirche ist sein Hauptwerk. Sie war der erste monumentale Barockbau in Würzburg nach dem Dreißigjährigen Krieg, gebaut von 1670 bis 1691. Das Stift ist viel älter als dieses Gebäude, und es stand nicht hier. Es geht auf eine 1002 erwähnte Gemeinschaft zurück, die Herren vom Berg. Der Name Haug kommt von houc, Hügel. Gegründet wurde das Stift um 1000, geweiht von Bischof Heinrich I., und es lag nördlich der Stadtmauer, einige hundert Meter von hier, wo heute das Bahnhofsgelände ist. 1657 ließ der Fürstbischof es an der alten Stelle abreißen, weil die barocke Stadtbefestigung Platz brauchte. Eine ganze Kirche weicht einer Mauer. 1803 wurde das Stift säkularisiert, die Stiftskirche wurde Pfarrkirche. Nun zum Inneren, und hier wird es bitter. Beim Bombardement und dem Stadtbrand vom 16. März 1945 verbrannte die glanzvolle Ausstattung, die ab etwa 1690 entstanden war: Holzaltäre, Chorgestühl, Skulpturen, Gemälde, Kanzel, Orgel. Die meisten Werke von Johann Michael Rieß, Johann Caspar Brandt und Oswald Onghers sind weg. Was blieb, steht am südwestlichen Vierungspfeiler: das 1708 vollendete Denkmal für den Stiftsgründer Bischof Heinrich I. von Johann Balthasar Esterbauer, aus Lahnmarmor und weißgelbem Alabaster, und eine Statue des Evangelisten Lukas von Michael Rieß aus dem Jahr 1695. Zwei Stücke von einer ganzen Ausstattung. Durch den Verlust wirken heute die kühle Proportion und die helle Weite von Petrinis Architektur umso stärker. Als Ersatz für den zerstörten Hochaltar stellte man 1964 ein Ölgemälde auf, neun Meter mal fünf Meter fünfzig: eine Kreuzigung Jesu des Venezianers Jacopo Tintoretto, gemalt 1585 für die Münchener Augustinerkirche. Ein Bild aus einer anderen Stadt und einem anderen Jahrhundert, das hier eine Lücke füllt. Die Komplettrenovierung des Innenraums war 2005 abgeschlossen.

Kurzfassung

Sie stehen vor Stift Haug, der Pfarrkirche St. Johannes. Antonio Petrini stellte sie 1691 fertig. Die beiden Türme sind 75 Meter hoch und damit die zweithöchsten Kirchtürme in Würzburg. Bis zur Säkularisation 1803 gehörte die Kirche zum Kollegiatstift Haug.

Für Kinder

Diese Kirche hat zwei hohe Türme und eine dicke runde Kuppel. Der Baumeister hieß Antonio Petrini. Lustig ist: Diese Kirche stand früher gar nicht hier, sondern ein Stück weiter oben. Aber der Fürstbischof wollte eine neue Stadtmauer bauen, und die Kirche war im Weg. Also wurde sie abgerissen und hier neu gebaut. Im Krieg ist innen fast alles verbrannt. Nur zwei alte Figuren blieben übrig. Damit die Wand hinter dem Altar nicht leer bleibt, hängt dort jetzt ein Bild, das neun Meter breit ist. Wie groß ist das größte Bild, das du kennst?

Quellen

Koordinaten: 49.797911111, 9.935905555 · auf der Karte

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