Stadtohr

Stadtrundgang Würzburg · Station 2 von 16

Frankoniabrunnen

1894 · brunnen, neubarock, denkmal, franken

Ausführlich

Sie stehen am Frankoniabrunnen, westlich der Residenz, auf dem Residenzplatz. Schauen Sie einmal nach oben und dann nach unten, denn der Brunnen erzählt seine Geschichte in zwei Etagen. Oben steht die Frankonia, die Allegorie Frankens. Sie trägt Harnisch und Kriegermantel, auf dem Kopf den Herzogshut. In der linken Hand hält sie das Rennfähnlein, das Sie auch in der Würzburger Stadtfahne finden. Die rechte Hand ist in einer herrschaftlichen Geste ausgestreckt. Und ihr Blick geht nicht zur Residenz hinter Ihnen, sondern zum Dom. Darunter, am Sockel, stehen drei Männer aus Stein, und an ihnen hängt die eigentliche Botschaft. Der Dichter Walther von der Vogelweide. Der Maler Matthias Grünewald. Der Bildhauer Tilman Riemenschneider. Kein Fürst, kein General, kein Bischof. Drei Künstler. Franken stellt sich hier nicht über seine Herrscher dar, sondern über Dichtung, Malerei und Bildhauerei. Riemenschneider wird uns auf diesem Rundgang noch mehrfach begegnen, an der Marienkapelle, im Dom und im Neumünster. Nun zu dem Platz, auf dem Sie stehen. Er war nicht immer leer. Bis 1821 stand an der Stelle des heutigen Brunnens das schmiedeeiserne Ehrenhof-Gitter der Residenz. Würzburg war 1814 endgültig an das Königreich Bayern gefallen, und sieben Jahre später wurde das Gitter abgebrochen. Erst dadurch entstand überhaupt Raum für eine Brunnenanlage. 1894 ließ die Stadt Würzburg den Brunnen zu Ehren des Prinzregenten Luitpold von Bayern errichten. Er hieß zunächst Luitpoldbrunnen oder Prinzregent-Luitpold-Brunnen. Enthüllt wurde er am 3. Juni 1894, und der Prinzregent stand dabei. Der Architekt war Gabriel von Seidl, die Bronzeplastiken schuf Ferdinand von Miller, Bildhauer und Erzgießer. Der Stil heißt Neubarock. Das heißt: Der Brunnen ist rund hundertfünfzig Jahre jünger als das Schloss hinter ihm und tut so, als wäre er gleich alt. Ein Nachspiel hatte die Sache auch. Am 8. Juli 1895 weihte Prinzregent Luitpold den Kiliansbrunnen vor dem Würzburger Hauptbahnhof ein, ausdrücklich als Gegengabe für den Brunnen, der Ihnen hier zu Füßen liegt. Eine Stadt schenkt ihrem Fürsten einen Brunnen, der Fürst schenkt der Stadt einen zurück. Seit 1981 gehört der Frankoniabrunnen mit Residenz, Vorplatz und Hofgarten zum Welterbe der Unesco. In der Bayerischen Denkmalliste steht er unter der Nummer D-6-63-000-457.

Kurzfassung

Sie stehen am Frankoniabrunnen auf dem Residenzplatz. Die Stadt Würzburg ließ ihn 1894 zu Ehren des Prinzregenten Luitpold von Bayern errichten. Den Entwurf machte Gabriel von Seidl, die Bronzefiguren schuf Ferdinand von Miller. Enthüllt wurde der Brunnen am 3. Juni 1894.

Für Kinder

Schau nach oben auf den Brunnen. Dort steht eine Frau aus Bronze. Sie heißt Frankonia. Es hat sie nie wirklich gegeben. Sie ist ein Bild für das ganze Land Franken, in dem du gerade stehst. Sie trägt einen Panzer wie ein Krieger und hält eine kleine Fahne. Unter ihr stehen drei Männer aus Stein. Die gab es wirklich. Einer hat Gedichte gemacht, einer hat gemalt, einer hat Figuren geschnitzt. Kein König und kein General. Nur drei Künstler. Findest du es gut, dass oben eine erfundene Frau steht und unten echte Menschen?

Quellen

Koordinaten: 49.79296, 9.937976 · auf der Karte

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