Willkommen in Würzburg. Wir fangen dort an, wo die Macht saß, und wir kommen am Ende des Rundgangs hierher zurück. Sie stehen vor der Würzburger Residenz. Nehmen Sie sich einen Moment für die Front. Sie ist lang, sie ist ruhig, und sie wirkt wie aus einem Guss. Das ist sie nicht. An diesem Haus wurde fast sechzig Jahre ohne Unterbrechung gebaut, unter fünf Fürstbischöfen, und jeder hatte eigene Vorstellungen. Vorher wohnten die Würzburger Bischöfe seit Mitte des 13. Jahrhunderts oben auf dem Marienberg, in einem Renaissanceschloss hinter Festungsmauern. Im Absolutismus genügte das nicht mehr, denn ein Herrscher zeigte seinen Rang durch die Größe seines Wohnsitzes. Ein erster Versuch stand genau hier: das Schlösslein am Rennweg nach Plänen von Antonio Petrini, achtundsechzig Meter lang. Es wurde nie bezogen, es hatte statische Mängel und war als Regierungsgebäude zu klein. 1720 riss man es ab. Nun zum Geld. Johann Philipp Franz von Schönborn führte gegen seinen Hofkammerdirektor Gallus Jacob einen Unterschlagungsprozess und erstand daraus 600.000 Gulden. Dieses Geld steckte er in den Neubau. Bei den Würzburgern war er wegen seiner hohen Abgabenlasten unbeliebt. Er starb 1724, da stand nur ein Teil des Nordflügels, und er ist nie eingezogen. Friedrich Karl von Schönborn baute von 1729 an den Südflügel aus grünlichem Keuper-Sandstein weiter. An Silvester 1744 stand der Rohbau. Im selben Jahr saß der Fürstbischof einem Hochstapler auf. Der Maler Giuseppe Visconti legte ihm fremde Entwürfe als eigene vor, bekam den Auftrag für die Deckenfresken, wurde als Dilettant erkannt, verjagt, und sein Werk schlug man von der Decke ab. Der nächste Fürstbischof, Anselm Franz von Ingelheim, ließ Balthasar Neumann absetzen und stoppte den Bau. Bis zu Ingelheims Tod 1749 ruhten die Arbeiten. Dann kamen die Jahre, für die das Haus berühmt ist. Zwischen 1749 und 1754 arbeitete Giovanni Battista Tiepolo hier und malte im Treppenhaus das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Johannes Zick malte 1750 das Göttermahl im Gartensaal. Neumann erlebte die Fertigstellung des Treppenhauses noch, dann starb er. Mit dem grünlackierten Zimmer von 1778 endete die Bauzeit, 1780 kann die Residenz als vollendet gelten. Danach ging es schnell. 1803 verloren die Bischöfe die Herrschaft über Franken, das Schloss wurde bayerisch. 1806 fiel es an Ferdinand III. aus dem Haus Habsburg und das neue Großherzogtum Würzburg. Wikidata nennt als Jahr 1719, eine Quelle nennt die Grundsteinlegung im Mai 1720. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Eine Warnung noch für den Weg: Vieles, was Sie in der nächsten Stunde sehen, ist wieder aufgebaut. Woher das kommt, erzähle ich an der dritten Station.
Sie stehen vor der Würzburger Residenz. Bis 1803 saßen hier die Fürstbischöfe von Würzburg. Die barocke Dreiflügelanlage entstand ab 1720 nach einem Entwurf von Balthasar Neumann. Fertig war sie erst 1780. Seit 1981 gehört sie mit Hofgarten und Residenzplatz zum Welterbe der Unesco.
Du stehst vor einem riesigen Schloss. Hier wohnten früher die Bischöfe von Würzburg. Sie waren nicht nur Männer der Kirche, sie waren auch Herrscher wie Könige. Das Geld für das Schloss kam aus einem Gerichtsprozess. Ein Bischof hatte seinen eigenen Finanzchef verklagt, weil der Geld gestohlen hatte. Mit diesem Geld baute er dann hier. Gebaut wurde fast sechzig Jahre lang. Alle, die damit angefangen hatten, waren längst tot, als es fertig war. Wie lange würdest du an einem Haus bauen wollen?
Koordinaten: 49.792797617, 9.938889043 · auf der Karte