Sie stehen vor dem Haus zum Falken am Marktplatz, und ich muss Ihnen gleich eine unangenehme Frage stellen: Was Sie da sehen, ist von 1952. Bleiben Sie trotzdem stehen, denn an diesem Haus hängt die wichtigste Entscheidung der Würzburger Nachkriegsgeschichte. Erst die Vorgeschichte. Das Gebäude hieß zuerst Hof zur Burgpfarre und diente ab 1338 zur Beherbergung des Dompfarrers. 1735 kaufte es der Gastwirt Franz Thomas Meißner und machte daraus das Gasthaus Zum Falken. 1751 ließ seine Witwe die dreigiebelige, mit Stuck verzierte Rokoko-Fassade errichten. Merken Sie sich das: Diese Fassade ist nicht die Idee eines Fürsten und nicht die eines Bischofs. Sie ist die Idee einer Wirtin. Das dreigeschossige Haus beherbergte bis ins 19. Jahrhundert Würzburgs einzigen Konzert- und Tanzsaal. Wer in dieser Stadt tanzen wollte, kam hierher. 1939 kaufte die Stadt Würzburg das Haus. Beim Bombenangriff am 16. März 1945 brannte es vollständig aus, Teile der Fassade stürzten ein. Nun die Entscheidung. Das Haus stand an prominenter Stelle am oberen Markt, und 1947 trat der Würzburger Regierungsbaumeister Rudolf Schlick aus denkmalpflegerischen Gründen für den Wiederaufbau ein. Zunächst verzögerte sich das. Anfang der fünfziger Jahre nahm das städtische Hochbauamt den Wiederaufbau dann doch in Angriff, und zwar nach der Vorlage alter Fotografien. Nach dem Dehio-Handbuch, dem Standardwerk für Kunstdenkmäler, gilt die Rekonstruktion der Fassade als vorbildlich. Innen ist das Haus anders. Die innere Organisation wurde zeitgemäßen Verwendungszwecken angepasst. Es ist also außen ein Haus von 1751 und innen eines des 20. Jahrhunderts. Damit ist dieses Gebäude ein gebautes Argument in einer Debatte, die bis heute läuft: Ist eine genaue Kopie nach Fotografien ein Denkmal, oder ist sie eine Erzählung über ein Denkmal, das nicht mehr da ist. Jahrzehnte später wurde es noch einmal knapp. Es gab Pläne, das Gebäude in einen Kaufhauskomplex einzugliedern. Die nachgebildete Rokokofassade wäre dann nur noch als vorgeblendete Scheibe übrig geblieben. Eine Kopie, hinter der nichts mehr steht. Dazu kam es nicht. Ab 1993 wurde allerdings die Stadtbücherei im Falkenhaus umgebaut und erweitert, und dabei riss man den Falkenhof ab, die ehemaligen Falken- oder Zentralsäle, die seit 1972 ein Jugendzentrum beherbergt hatten. Heute sind in dem Haus die Tourist-Information und die zentrale Stadtbücherei von Würzburg. Schauen Sie nach links und nach rechts, bevor wir weitergehen. Auf der einen Seite grenzt das Falkenhaus an die Marienkapelle, zu der wir gleich gehen. Auf der anderen Seite an ein Kaufhaus. Enger kann man die Geschichte dieser Stadt nicht zusammenstellen.
Sie stehen vor dem Haus zum Falken am Marktplatz. Die Witwe des Gastwirts Meißner ließ 1751 die dreigiebelige Rokoko-Fassade aus Stuck errichten. 1945 brannte das Haus vollständig aus. Was Sie sehen, ist ein Wiederaufbau nach alten Fotografien. Heute sind hier Tourist-Information und Stadtbücherei.
Schau dir dieses Haus an. Es hat eine helle Fassade mit viel Schmuck darauf. Der Schmuck ist aus Stuck, das ist eine Art Gips. Eine Frau hat ihn vor über zweihundertfünfzig Jahren machen lassen. Ihr Mann hatte hier ein Gasthaus, er war einfach ein Wirt. Als er starb, ließ sie diese Fassade bauen. Früher war hier der einzige Tanzsaal von Würzburg. Im Krieg brannte das Haus komplett ab. Aber es gab noch alte Fotos, und danach bauten Handwerker alles wieder genau so auf. Jetzt eine schwere Frage: Ist dieses Haus alt oder neu?
Koordinaten: 49.7949, 9.93019 · auf der Karte