Sie stehen vor der Augustinerkirche, und sie steht zwischen Dominikanergasse und Dominikanerplatz. Das ist kein Versehen. Diese Kirche hat den Orden gewechselt, die Straßennamen sind beim alten geblieben. Begonnen wurde der Bau 1266 im Auftrag der Dominikaner, die seit 1227 in Würzburg lebten. 1274 wurde die Kirche dem heiligen Paulus geweiht, 1308 war der gotische Bau abgeschlossen. Antonio Petrini, den wir bei Stift Haug getroffen haben, überformte die Klosteranlage zwischen 1688 und 1691 barock. 1741 kam Balthasar Neumann, derselbe Mann, der die Residenz entworfen hat. Er ließ 1743 das gotische Hauptschiff vollständig abreißen und setzte bis 1744 einen barocken Neubau darauf, ein Langhaus als Pfeilerbasilika mit breiten hohen Arkaden. 1813 wurde es für die Augustiner eng. Sie waren seit 1263 in Würzburg, mussten aber ihr Kloster räumen, das dort stand, wo heute das Polizeipräsidium in der Augustinerstraße ist. Ihr Prior Antonius Lauck erwirkte beim Großherzog den Umzug in das leerstehende Dominikanerkloster. Die neue Augustinerkirche wurde 1813 eröffnet, die frühere 1824 abgebrochen. Am 16. März 1945 verlor die Kirche durch den Bombenangriff nahezu ihre gesamte Innenausstattung. Und jetzt kommt der Teil, über den in Würzburg gestritten wird. Zwischen September 2010 und November 2011 wurde der Innenraum nach einem Konzept umgebaut, das Communio-Modell heißt. Die Idee dahinter ist ein Satz aus dem Galaterbrief: Bei euch gilt kein Unterschied zwischen Juden und Griechen, Freien und Sklaven, Mann und Frau. Kirche wird hier verstanden als Nachfolgegemeinschaft von Gleichgestellten. Das ist nicht nur Theologie, das ist gebaut. Die Wände sind weiß getüncht. Es gibt keine Kirchenbänke, sondern einzelne Stühle, die meist in einem Oval um den Altar stehen. Und es gibt keinen einzigen reservierten Sitzplatz, auch keinen Priestersitz. Gehen Sie das einmal durch: In fast jeder Kirche, die Sie kennen, sitzt vorne jemand anders als hinten. Hier nicht. Auch die Figuren tragen das Programm. Die Marienfigur von Jakob van der Auvera, um 1720 gefertigt, zeigt Maria als Königin mit Krone und gleichzeitig barfuß auf dem Boden. Zwei Zustände, die nicht zusammengehen, in einer Figur. Die Augustinusfigur von Thomas Hildenbrand aus dem Jahr 2011 zeigt den Ordensvater ohne jedes kirchliche Ehrenzeichen, ohne Bischofsstab, ohne Ring, ohne Mitra. Das Hochaltarbild Neues Jerusalem von Jacques Gassmann greift eine Stelle aus der Offenbarung auf: eine Stadt, deren Straßen aus Gold und deren Tore aus Perlen sind. Gold und Edelsteine waren in der Antike Zeichen von Rang. Wenn eine ganze Stadt daraus gebaut ist, ist es nur noch Baumaterial, und der Rang zählt nicht mehr. Die Umgestaltung wird bis heute kontrovers diskutiert.
Sie stehen vor der Augustinerkirche, zwischen Dominikanergasse und Dominikanerplatz. Die Namen der Gassen verraten, wem sie zuerst gehörte: den Dominikanern. Gebaut wurde ab 1266, Balthasar Neumann baute sie 1741 bis 1744 barock um. Seit 1813 nutzen sie die Augustiner.
Diese Kirche steht an der Dominikanergasse. Aber sie heißt Augustinerkirche. Wie kann das sein? Gebaut hat sie im Jahr 1266 eine Gruppe von Mönchen, die Dominikaner hieß. Viel später, 1813, mussten die Augustiner aus ihrem eigenen Kloster raus. Dieses Haus stand gerade leer, also zogen sie hier ein. Die Kirche bekam einen neuen Namen, die Straße behielt den alten. Innen gibt es keine langen Bänke, sondern einzelne Stühle im Kreis um den Altar. Dort steht eine Maria mit Krone, aber ohne Schuhe. Warum hat man sie wohl barfuß gemacht?
Koordinaten: 49.796094444, 9.931558333 · auf der Karte