Sie stehen in der Judengasse, vor dem Grundstück Nummer 29 auf der Nordseite. Direkt gegenüber liegt der Haupteingang zur Alten Synagoge. Hier stand die Levy’sche Synagoge, auch Neue Synagoge genannt, 1875 geweiht und benannt nach ihrem Stifter, dem Kaufmann und Bankier Leopold Levy. Er besaß hier ein Lagerhaus für Feldfrüchte und stiftete Grundstück und Bau. Um sie zu verstehen, braucht man den Streit in der Gemeinde. Von 1824 bis 1864 war der konservative Jakob Bamberger Rabbiner. Daneben war eine fortschrittliche Richtung stark, die sich der christlich geprägten Umwelt stärker anpassen wollte. In den 1840er Jahren ließ sie die Alte Synagoge modernisieren: Die Trennwand zwischen Männer- und Frauensynagoge und die gotische Bima wurden entfernt. Nach Bambergers Ausscheiden setzte sich die fortschrittliche Richtung durch, zuletzt mit Rabbiner Alexander Stein, der von 1867 bis 1910 amtierte. Eine Quelle über diese Synagoge sagt, Stein habe 1877 den Gottesdienst nach reformiertem Ritus mit Orgel eingeführt. Eine Quelle über die Alte Synagoge nennt für den Einbau einer Orgel das Jahr 1868. Ich nenne Ihnen beide Jahre. Der konservative Flügel antwortete mit dem Bau einer eigenen Synagoge. Er begann 1870/71, im neuromanischen Stil, nahtlos eingefügt in die Häuserreihe. Vorder- und Rückseite waren nahezu gleich gestaltet. So gab es neben dem Eingang in der Judengasse einen zweiten, vom Graben her. Das durchbrach erstmals die Tradition, dass die zentralen Stätten der Gemeinde nur von der Judengasse aus zugänglich waren. Innen lief eine Empore ringsum, eine Orgel gab es nicht. Die Frage, ob mit oder ohne Orgel gebetet wird, war einer der Streitpunkte zwischen Konservativen und Fortschrittlichen. Eine eigene Gemeinde gründete das Haus nicht, es war eine zweite Gottesdienststätte, vor allem für den Werktagsgottesdienst. Im Novemberpogrom 1938 wurde es verwüstet, aber nicht in Brand gesteckt, denn das hätte unweigerlich Nachbargebäude beschädigt. Am 21. Februar 1945 beschädigte es ein Luftangriff. Es gab nach dem Holocaust keine jüdische Gemeinde in Worms mehr, der Aufbauwille konzentrierte sich auf die mittelalterliche Alte Synagoge, und Gebäude des Historismus schätzte man damals nicht. So riss man die Ruine 1947 ab. Stadtarchivar Friedrich Maria Illert schrieb im Januar 1947 an die französische Militärregierung, der Bau sei baugeschichtlich wertlos und eine Wiederherstellung nicht vorgesehen. Heute steht hier ein Wohnhaus. Zwei Gedenktafeln von 1990 erinnern an die Synagoge und an die Stifterfamilie.
Sie stehen in der Judengasse, vor dem Grundstück Nummer 29. Hier stand die Levy’sche Synagoge, die 1875 geweiht und nach ihrem Stifter Leopold Levy benannt wurde. Sie entstand aus Spannungen zwischen konservativen und fortschrittlichen Kreisen der Gemeinde. 1947 wurde die Ruine abgerissen.
Hier in der Judengasse stand einmal eine Synagoge, die Levy’sche Synagoge. Ein Kaufmann und Bankier namens Leopold Levy hat das Grundstück und den Bau gestiftet. 1875 wurde sie geweiht. Dort fanden vor allem die Gottesdienste an Werktagen statt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde sie verwüstet, aber nicht angezündet. Ein Feuer hätte die Nachbarhäuser beschädigt, denn die Synagoge stand mitten in einer Häuserreihe. 1947 wurde die Ruine abgerissen. Heute steht hier ein Wohnhaus. Zwei Gedenktafeln erinnern an die Synagoge. Findest du sie?
Koordinaten: 49.6341194, 8.3664503 · auf der Karte