Stadtohr

Stadtrundgang Wismar · Station 7 von 16

Gebäude Lübsche Straße 50

1634 (erstmals erwähnt) · freimaurer, klassizismus, nutzungsgeschichte, ddr

Ausführlich

Sie stehen vor der Lübschen Straße 50, Ecke Große Hohe Straße, schräg gegenüber der Heiligen-Geist-Kirche. Heute dient das Haus unter anderem als Logenhaus. Schauen Sie auf die Fassade. Es ist ein zweigeschossiges, siebenachsiges klassizistisches Bürgerhaus, mit einem Mezzaningeschoss mit Lünettenfenster, einem leicht vorgezogenen Mittelrisalit und einer niedrigen Attika mit Dreiecksgiebel. Hinter dieser Fassade stecken drei mittelalterliche gotische Kernbauten, mit kreuzrippengewölbtem Keller, teilweise bemalten Brandwänden und einem Dachtragwerk im westlichen Gebäude. Das östliche Eckhaus hatte seinen Eingang in der Großen Hohen Straße, die beiden westlichen Gebäude waren Giebelhäuser. 1634 wurde das Haus grundbuchlich erwähnt, die Jahreszahl stand bis in die 1930er Jahre am Haus. Im Jahr 1790 gehörte es dem Tribunalsassessor Joachim Sternwebe. Danach wurden die drei Gebäude hinter der klassizistischen Fassade zusammengefasst. Von 1851 bis 1935 nutzte das Haus überwiegend die Freimaurerloge Zur Vaterlandsliebe von 1819. Sie ließ es umbauen. 1926 schloss sie sich der Großen Loge von Preußen an, genannt Royal York zur Freundschaft. 1927 gestaltete der Wismarer Martin Eggert den Saal im ersten Obergeschoss in expressiven Formen neu. Dann kam das NS-Regime. Auf seinen Druck schloss die Loge das Haus 1935, 1936 beschlagnahmte das Land das Logenvermögen, das Haus ging an die Stadt. Ab 1938 war es Heimatmuseum und Sitz der SS-Kreisleitung. Von 1946 bis 1989 war es Sitz der FDJ-Kreisleitung und zeitweise der SED-Kreisleitung, von 1989 bis 1996 war hier das Arbeitsamt. Die Nutzungen lesen sich wie ein Stück deutscher Geschichte in einem einzigen Haus. 1996 erhielt die Große Loge Royal York das Grundstück zurück. 2004 verkaufte sie es an die 2003 wieder gegründete Loge Zur Vaterlandsliebe. Nach dem Leerstand folgte bis 2005 eine sehr umfangreiche Sanierung, bezahlt mit Mitteln der Logen und der Städtebauförderung. Heute sitzen hier die Loge, eine Praxis, das Büro der Sozialeinrichtung Das Boot, Gewerberäume und Wohnungen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Lübsche Straße 50, Ecke Große Hohe Straße, dem Logenhaus. Es ist ein klassizistisches Bürgerhaus, das aus drei mittelalterlichen Gebäuden entstand. Von 1851 bis 1935 nutzte es überwiegend die Freimaurerloge Zur Vaterlandsliebe. Heute ist sie wieder im Haus.

Für Kinder

Dieses Haus hat viele Gesichter. Die Fassade ist klassizistisch, hinter ihr verstecken sich drei ältere Häuser aus dem Mittelalter. Im Keller sind noch alte Gewölbe. Das Haus hatte viele Aufgaben. Von 1851 bis 1935 trafen sich hier Freimaurer in ihrer Loge. Später war ein Museum darin, dann Büros von Organisationen, dann ein Arbeitsamt. Heute ist die Loge wieder da, und im Haus gibt es auch eine Praxis und Wohnungen. Zähle mal mit: Wie viele verschiedene Aufgaben hat dieses Haus schon gehabt?

Quellen

Koordinaten: 53.891685, 11.460942 · auf der Karte

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