Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 3 von 16

Rotes Schloss

1574–1576 · schloss, witwensitz, bibliothek

Ausführlich

Sie stehen vor dem Roten Schloss, am Platz der Demokratie. Dieses Haus zeigt gut, was eine Residenzstadt mit ihren Gebäuden macht: Sie füllt sie immer wieder neu. Angefangen hat es als Witwensitz. Von 1574 bis 1576 wurde das Rote Schloss für Herzogin Dorothea Susanne gebaut, und das Wappen der geborenen von der Pfalz sowie das des Herzogs Johann Wilhelm I. von Weimar-Eisenach zieren den Bau. Suchen Sie diese Wappen an der Fassade. Es lohnt, dabei einen Schritt zurückzutreten: Für ihren Ehemann war zwischen 1562 und 1569 das Grüne Schloss errichtet worden, in dem heute der Rokokosaal der Bibliothek liegt. Zwei Häuser, ein Ehepaar, wenige Schritte Abstand. Dann die Bewohner. Angehörige der fürstlichen Familie und des Hofes wohnten hier, von 1702 bis 1703 auch Johann Sebastian Bach. Danach kamen die öffentlichen Einrichtungen. Im Westflügel tagte der Geheime Conseil, das engste Regierungsgremium, dem auch Goethe angehörte. Untergebracht waren außerdem das Hofmarschallamt, die Justizverwaltung und die Landesdirektion. Im Ostflügel saß von 1781 bis 1807 die Fürstliche Zeichenschule. Nun der Eingriff, den Sie heute noch sehen können. Die Umgestaltung des Fürstenplatzes, des heutigen Platzes der Demokratie, führte 1808 zum Abriss des Ostflügels. Die Lücke blieb zwölf Jahre offen. Erst 1820 wurde sie geschlossen, und zwar mit den klassizistischen Blendarkaden von Clemens Wenzeslaus Coudray. Blendarkaden sind Bögen, die nichts tragen und nichts öffnen: Sie füllen eine Wand. Schauen Sie sie an und denken Sie an den Flügel, der dort fehlt. Coudray ist Ihnen schon begegnet, an der Bibliothek, deren Turm und Nordanbau von ihm stammen; er ist der Architekt, der in Weimar immer dann auftritt, wenn etwas zusammengefügt werden muss. Genau das war hier die Aufgabe: Die Arkaden bildeten ein Ensemble aus Residenzschloss, Fürstenhaus, heute Hochschule für Musik, und Bibliothek. Heute schließt sich der Kreis auf unerwartete Weise. Im Roten Schloss sind die Forschungsbibliothek und das moderne Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek untergebracht. Das Haus, das als Witwensitz begann, ist heute der Arbeitsplatz der Leute, die mit den Büchern von gegenüber arbeiten.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Roten Schloss. Gebaut wurde es von 1574 bis 1576 als Witwensitz der Herzogin Dorothea Susanne. Ihr Wappen und das des Herzogs Johann Wilhelm I. zieren das Gebäude. Heute sind darin die Forschungsbibliothek und das Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek untergebracht.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Rotes Schloss. Gebaut wurde es vor fast 450 Jahren für eine Herzogin, deren Mann gestorben war. Ein Haus für eine Witwe nannte man Witwensitz. Später wohnten andere darin, zum Beispiel ein Jahr lang der Musiker Johann Sebastian Bach. Dann zogen Ämter ein. Schau an die Wand: Dort siehst du Bögen, die keine Türen und keine Fenster sind. Sie stehen an der Stelle, wo früher ein ganzer Gebäudeteil war. Der wurde 1808 abgerissen, und erst zwölf Jahre später hat man die Lücke mit diesen Bögen zugemacht.

Quellen

Koordinaten: 50.97916, 11.33027 · auf der Karte

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