Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 2 von 16

Hotel Elephant

1696 · hotel, nationalsozialismus, gästebuch, bauhaus

Ausführlich

Sie stehen am Markt 19 vor dem Hotel Elephant. Der Name ist alt, das Gebäude ist es nicht, und darum geht es hier. Zuerst die Wirtsgeschichte. Das Haus an dieser Stelle wird 1561 erstmals urkundlich erwähnt. 1696 gründete der fürstliche Mundschenk Christian Andreas Barittig darin das Wirtshaus Elephant; den benachbarten Gasthof Zum schwarzen Bären besaß er schon. Später wurde ausgebaut, erst zum Quartier für Kaufleute und Reisende, 1741 zur Poststation. 1711 empfahl der Gelehrte Melissantes in seinem Reiseführer die Übernachtung im Logierhaus Elephant, im selben Buch, in dem er die herzogliche Bibliothek als Sehenswürdigkeit nannte. Wer am Stadttor nach Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder oder Johann Wolfgang von Goethe fragte, wurde in den Elephant geschickt. Hier tafelten die Klassiker, hier plauderten Schiller, später Franz Liszt und Richard Wagner. 1919, bei der Gründung des Staatlichen Bauhauses, wohnten Walter Gropius und Johannes Itten mit ihren Frauen im Haus, später Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer; bis 1924 gingen Bauhauskünstler ein und aus. Am 3. Juli 1926 nächtigte Adolf Hitler zum ersten Mal hier, zum zweiten Reichsparteitag der NSDAP, eingetragen mit der Berufsbezeichnung Schriftsteller. Nun der Bruch. 1933 wurde der Verein Elephant Weimar e. V. Eigentümer, und bald kursierten Neubaupläne wegen angeblicher Baufälligkeit. 1937 mussten das vierhundertjährige Haus und zwei Nachbarhäuser weichen. Den Neubau, der auch Parteizentrale der NSDAP-Thüringen unter Fritz Sauckel werden sollte, errichtete der NS-Architekt Hermann Giesler: Grundsteinlegung am 3. November 1937, Richtfest am 20. April 1938, Einweihung am 5. November 1938. Hitler war vierzig Mal Gast im parteieigenen Hotel und hatte ein eingeplantes Appartement zur Gartenseite. Schauen Sie zur Gartenseite hinüber: Dort wurde für ihn ein Balkon geschaffen, auf den seine Anhänger ihn mit einem Reim riefen. Ab 1940 fand hier das Weimarer Dichtertreffen statt. Dann eine Lücke von zehn Jahren. Der letzte Gästebuch-Eintrag stammt vom 5. Mai 1945, von einem Offizier der US-Armee, der das Gästebuch mitnahm und es 2008 zurückschickte. Nach der US-Armee nutzte fast ausschließlich die Rote Armee das Gebäude, bis September 1951, zeitweise als Quartier für Marschall Schukow. Am 21. November 1946 hielt der Thüringer Landtag im Saal des Hauses seine konstituierende Sitzung ab. Wieder Hotel wurde es durch einen Brief. Thomas Mann hatte das Haus in seinem Roman Lotte in Weimar verewigt, indem er Goethes Jugendliebe dort übernachten ließ. Auf die Einladung zur Verleihung des Schiller-Preises 1955 antwortete er, man möge ihm ein Zimmer im Elephant reservieren. Am 16. Mai 1955 war Wiedereröffnung, und Thomas Mann trug sich als Erster in das neue Gästebuch ein.

Kurzfassung

Sie stehen am Markt 19 vor dem Hotel Elephant. Das Haus an dieser Stelle ist 1561 erstmals urkundlich erwähnt. 1696 gründete hier der fürstliche Mundschenk Christian Andreas Barittig das Wirtshaus Elephant. 1741 wurde daraus eine Poststation. Das heutige Gebäude ist ein Neubau von 1938.

Für Kinder

Dieses Hotel heißt Elephant. Angefangen hat es 1696 als Wirtshaus. Später übernachteten hier berühmte Dichter: Wer am Stadttor nach Goethe fragte, wurde hierher geschickt. Aber das Haus, das du siehst, ist nicht das alte. 1937 wurde das vierhundert Jahre alte Gebäude abgerissen, und die Nationalsozialisten bauten ein neues. Adolf Hitler übernachtete vierzig Mal darin. Der letzte Gast schrieb am 5. Mai 1945 in das Gästebuch, ein amerikanischer Offizier. Er nahm das Buch mit nach Amerika und schickte es erst 2008 zurück.

Quellen

Koordinaten: 50.97888889, 11.33027778 · auf der Karte

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