Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 1 von 16

Herzogin Anna Amalia Bibliothek

1562 · bibliothek, rokoko, brand, welterbe

Ausführlich

Willkommen in Weimar. Sie stehen am Platz der Demokratie, dem früheren Fürstenplatz, vor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Diese Station erzählt von einem Bestand, von einem Bibliothekar und von einer Nacht. Der Bestand zuerst. 1691 machte Herzog Wilhelm Ernst seine gesammelten 1.400 Bücher der Öffentlichkeit zugänglich. In dreißig Jahren wurden daraus 11.000 Exemplare. Schon 1711 empfahl der Gelehrte Johann Gottfried Gregorii, der sich Melissantes nannte, diesen Schatz in seinem Reiseführer als Sehenswürdigkeit Weimars. Bis 1766 lag die Bibliothek im Residenzschloss. Dann zog sie in dieses Haus, das Grüne Schloss, zwischen 1562 und 1569 von den Hofbaumeistern Nikolaus Gromann und Erhard van Mehren als Wohnhaus für Herzog Johann Wilhelm gebaut. Den Umzug veranlasste die Regentin Anna Amalia, nach der die Bibliothek seit 1991 benannt ist. Nun der Bibliothekar. 1797 beauftragte Herzog Carl August seinen Minister Johann Wolfgang von Goethe und dessen Kollegen Christian Gottlob Voigt mit der Oberaufsicht. Goethe leitete das Haus fünfunddreißig Jahre, bis zu seinem Tod 1832. In seiner Amtszeit verdoppelte sich der Bestand auf 80.000 Bände, und genau das führte zur Platzknappheit. Zwischen 1821 und 1825 baute Clemens Wenzeslaus Coudray den angrenzenden Turm zum Bibliotheksturm um und erhöhte ihn um ein Stockwerk. 1849, an Goethes 100. Geburtstag, erhielt das Gebäude durch einen Anbau im Norden seine heutige Ausdehnung. Schauen Sie die Fassade entlang und suchen Sie die Ochsenaugen, die runden Fenster. Coudray hielt sich bei der Erweiterung um zwei Achsen strikt an die Formensprache der Barockfassade und behielt die Ochsenaugen bei, versetzte sie aber entsprechend der neuen Länge, um zugleich zwei Eingänge zu schaffen. Die Wiedereröffnung 1849 erlebte er nicht mehr; er starb am 8. Oktober 1845. Und nun die Nacht. Am Abend des 2. September 2004 brach im Dachstuhl des Hauptgebäudes ein Feuer aus. Die Feuerwehr hielt es im zweiten Geschoss des Rokokosaals auf. Die Zahlen dieser Nacht: Etwa 28.000 Bücher wurden gerettet, darunter die Lutherbibel von 1534. 50.000 Bände und 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gingen vollständig verloren. Rund 62.000 Bände wurden durch Feuer und Löschwasser beschädigt, zum Teil stark. Zwei Fünftel der Drucke bis 1850 sind betroffen. Der Schaden am Bücherbestand wurde auf 67 Millionen Euro geschätzt. Noch in der Brandnacht gingen die ersten wassergeschädigten Bücher zur Gefriertrocknung nach Leipzig, in den Tagen danach die verkohlten Codices aus dem Brandschutt. Restauriert wurde bis 2015. Das Gebäude war im Sommer 2007 wiederhergestellt, für 12,8 Millionen Euro, und am 24. Oktober 2007 eröffnete Bundespräsident Horst Köhler es wieder, am 268. Geburtstag der Herzogin und am Tag der Bibliotheken.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am Platz der Demokratie, dem früheren Fürstenplatz. Herzog Wilhelm Ernst gründete sie 1691. Ihren Namen trägt sie seit 1991, nach ihrer größten Förderin. Bekannt ist sie für den ovalen Rokokosaal, der über drei Geschosse reicht.

Für Kinder

Hier stehen sehr viele Bücher. Ein Herzog hat 1691 seine Sammlung von 1.400 Büchern geöffnet, damit auch andere darin lesen durften. Später wurde Johann Wolfgang von Goethe der Chef dieser Bibliothek, fünfunddreißig Jahre lang. In dieser Zeit kamen so viele Bücher dazu, dass angebaut werden musste. Am 2. September 2004 brannte das Dach. Die Feuerwehr stoppte das Feuer, aber 50.000 Bücher waren verloren, 28.000 wurden gerettet. Nasse Bücher brachte man noch in der Nacht weg und fror sie ein. Wie würdest du ein nasses Buch retten?

Quellen

Koordinaten: 50.978611111, 11.332222222 · auf der Karte

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