Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 4 von 16

Cranachhaus

1547 · renaissance, malerei, wohnhaus, werkstatt

Ausführlich

Sie stehen am Marktplatz vor dem Cranachhaus, dem linken von zwei nahezu identischen Renaissance-Häusern an der Ostseite, Markt 11 und 12, gegenüber dem Rathaus. Zuerst die Fassade, denn sie ist die Quelle des Namens und zugleich seine Einschränkung. Das Haus ist reich verziert, mit Säulen, Muschelnischen und Rundbogen-Ornamenten, es hat etwa 1500 Quadratmeter Grundfläche, und gebaut wurde es von 1547 bis 1549 vom Renaissance-Baumeister Nikolaus Gromann. Bauherr war aber nicht der Maler, sondern der herzogliche Kanzler Christian Brück, der mit Barbara Cranach verheiratet war und damit Schwiegersohn von Lucas Cranach dem Älteren. Suchen Sie über dem rechten Bogen das Wappen des Malers: eine geflügelte Schlange. Gromann werden Sie an diesem Rundgang noch begegnen, am Stadtschloss, und er hat auch das Grüne Schloss gebaut, in dem der Rokokosaal der Bibliothek liegt. Nun der Maler, und es ist eine kurze Geschichte. Lucas Cranach der Ältere, einer der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance, kam 1552 als bereits Achtzigjähriger nach Weimar. Er verbrachte in diesem Haus sein letztes Lebensjahr. Trotz seines Alters war er noch tätig: Er gründete hier eine Werkstatt und nahm zwei Schüler auf. In seinem Atelier, der Mansarde unter dem Dach, begann er nach diesem Quelle das dreiflügelige Altargemälde, das heute in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu sehen ist, der Herderkirche, zu der dieser Rundgang noch führt. Vollendet wurde das Werk 1555 von seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren. Dazu gibt es zwei Angaben: Eine Quelle zur Herderkirche schreibt, das Altarbild sei nach neuester Forschung von Lucas Cranach dem Jüngeren zwischen 1552 und 1555 gefertigt worden und nicht, wie lange angenommen, vom Älteren in seinem Todesjahr begonnen. Beide Angaben stehen in den Quellen, die mir vorliegen. Ich nenne Ihnen die ältere Zuschreibung an den Vater und sage dazu, dass die neuere dem Sohn gilt. Zum Haus selbst noch zwei Nachrichten. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt und später originalgetreu wieder aufgebaut. Und bis in die späten 1990er Jahre war darin die Galerie der Genossenschaft Bildender Künstler Weimar, die über das Kulturhauptstadtjahr 1999 hinaus internationale Künstler nach Weimar holte, unter ihnen Friedensreich Hundertwasser sowie Christo und Jeanne-Claude. Nach dem Verkauf an einen Investor musste die Galerie wegen Eigenbedarfs ausziehen. Heute ist im Haus das Theater im Gewölbe, das vor allem kleinere Stücke von Goethe, Schiller und anderen Klassikern aufführt. Ansonsten ist das Haus der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Cranachhaus an der Ostseite des Marktplatzes, gegenüber dem Rathaus. Es ist das linke von zwei nahezu gleichen Renaissance-Häusern. Erbaut wurde es von 1547 bis 1549 für den herzoglichen Kanzler Christian Brück. Lucas Cranach der Ältere verbrachte darin sein letztes Lebensjahr.

Für Kinder

Schau dir diese Fassade an: Säulen, Muscheln aus Stein, runde Bögen. Gebaut wurde das Haus von 1547 bis 1549 für einen Kanzler, einen hohen Beamten des Herzogs. Berühmt ist es aber für einen Maler. Lucas Cranach der Ältere kam 1552 nach Weimar und war schon achtzig Jahre alt. Trotzdem fing er noch einmal an: Er richtete hier eine Werkstatt ein und nahm zwei Schüler auf. Oben unter dem Dach war sein Atelier. Such über dem rechten Bogen das Zeichen des Malers: eine Schlange mit Flügeln. Findest du sie?

Quellen

Koordinaten: 50.979371, 11.3303379 · auf der Karte

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