Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 5 von 16

Rathaus Weimar

1841 · rathaus, neugotik, stadtbrand, glockenspiel

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus, auf der Westseite des Marktplatzes, der sechzig mal sechzig Meter groß ist. Dieses Haus sieht älter aus, als es ist, und das hat einen Grund: Es ist der dritte Bau, und die beiden Vorgänger sind verbrannt. Das erste Rathaus an dieser Stelle wurde 1396 erwähnt und fiel dem großen Stadtbrand von 1424 zum Opfer. 1431 folgte ein Nachfolgebau, 1560 bis 1583 im Renaissance-Stil umgebaut. Aus dieser Zeit stammt eine Inschrift, die Sie im Inneren finden: Hat imant ein ambt, das warte er mit vleis. Dazu die Anmerkung, dieser Bau sei 1583 vollbracht worden. Bürgermeister war damals Jacob Schröter, der die Geschicke der Stadt einundvierzig Jahre lang leitete, sich am Markt ein eigenes Haus bauen ließ, das später als Hof-Apotheke bekannt wurde, und um 1590 die Errichtung eines Marktbrunnens anstieß. Der Rathausbau von 1583 schmückte den Markt bis 1837. Am 30. November 1837 brannte er ab, samt der Uhr, die Matz von Weimar genannt wurde. Erhalten blieben nur das Stadtwappen und zwei steinerne Portale; sie wurden in das heutige Rathaus eingebaut. Nun das dritte Haus. Es entstand 1841 im neugotischen Stil. Heinrich Hess, damals Großherzoglich Sachsen-Weimarischer Baurat, erhielt den Zuschlag und baute drei Geschosse, einen gestuften mittleren Turmaufsatz und einen Balkonvorbau im Erdgeschoss. Hess selbst verglich seinen Bau mit dem Rathaus in Hof, und dieser Vergleich wird oft falsch verstanden. Er bezog sich nicht auf den Baustil, sondern darauf, dass beide Rathäuser durch einen Brand zerstört worden waren und beim Neubau Zweck und Bauformen beibehalten wurden, unter Einbeziehung erhaltener Teile des abgebrannten Vorgängers. Für den Stil dürfte eher das Rathaus in Coburg Vorbild gewesen sein, der Geburtsstadt des Architekten. Jetzt zum Turm, denn dort hängt die eigentliche Pointe. 1921 goss der in Weimar wohnende Glockengießermeister Heinrich Ulrich die Rathausglocke; zwei Jahre später goss derselbe Mann die 24.000 Kilogramm schwere Petersglocke des Kölner Doms. Die Weimarer Rathausglocke wurde im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Seit dem 30. April 1987 hängt dort ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan, das zuvor in der Orangerie erklang und bereits seit 1929 in Weimar ist. Fünfunddreißig Glocken, viermal täglich, um zehn, zwölf, fünfzehn und siebzehn Uhr, von Mitte Juni bis November auch um achtzehn Uhr. Gespielt wird zum Beispiel die Melodie von Sah ein Knab ein Röslein stehn. Im Winter pausieren die Glocken, weil Porzellan kälteempfindlich ist. Ein letztes Datum: Seit 2014 wurde das Gebäude wegen baulicher Mängel und Mängeln im Brandschutz nicht mehr genutzt. 2019 begann die Sanierung samt einem Anbau auf der Rückseite, und im September 2022 zog die Stadtverwaltung wieder ein.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Rathaus, auf der Westseite des sechzig mal sechzig Meter großen Marktplatzes. Der dreigeschossige Bau in neugotischem Stil mit Balkon und Glockenturm stammt aus dem Jahr 1841. Es ist der dritte Rathausbau an dieser Stelle. Die beiden Vorgänger brannten ab.

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Dieses Rathaus ist der dritte Versuch. Das erste verbrannte 1424 bei einem großen Stadtbrand. Das zweite verbrannte am 30. November 1837, und mit ihm die Rathausuhr, die die Leute Matz von Weimar nannten. Übrig blieben nur das Stadtwappen und zwei Türen aus Stein; die hat man in das neue Haus eingebaut. Das heutige Rathaus ist von 1841. Oben im Turm hängen fünfunddreißig Glocken aus Porzellan. Sie spielen viermal am Tag. Im Winter sind sie still, weil die Glocken kälteempfindlich sind.

Quellen

Koordinaten: 50.9793, 11.3292 · auf der Karte

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