Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 12 von 16

Neues Museum Weimar

1869 · museum, neorenaissance, ruine, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Museum Neues Weimar in der Nordvorstadt. Dieses Haus war einmal eine Ruine, über deren Sprengung nachgedacht wurde, und das sollte man wissen, wenn man davorsteht. Zuerst der Anfang. Errichtet wurde es als Großherzogliches Museum zwischen 1864 und 1869 vom Prager Architekten Josef Zítek, in zeitgenössischen Formen der Neorenaissance. Es war einer der ersten Museumsbauten Deutschlands. Zuerst hing hier die Kunstsammlung des Großherzogtums, später kamen Werke der Weimarer Malerschule hinzu. Ab 1875 stand auf dem Vorplatz der Vimaria-Brunnen von Robert Härtel. 1919, nach der Abdankung der Herzogsfamilie, wurde das Haus zum Thüringischen Landesmuseum, und in den 1920er Jahren zeigte es die umstrittene Avantgarde. Nun der Abstieg, und er hat vier Stufen. Erstens: Ab 1937 wurde das Gebäude baulich in das Gauforum Weimar einbezogen, und dabei verschwand der Vimaria-Brunnen; er ist seither verschollen. Zweitens: Bei den Luftangriffen im März 1945 beschädigten Luftminen das Dach. Drittens, und das ist die eigentliche Zerstörung: Für die erste Thüringer Kunstausstellung 1946 wurde das Haus instand gesetzt, danach begann der Ausbau aller verwertbaren Materialien für andere Gebäude. Das wiederaufgebaute Deutsche Nationaltheater erhielt die Heizungsanlage des Museums. Ab 1948 führte das zum Verfall. Viertens: Zur DDR-Zeit verkam der Bau bis auf die Außenmauern zur Ruine, und es gab Überlegungen, ihn zu sprengen. Dann die Umkehr. Noch vor der Friedlichen Revolution 1989 und 1990 forderten engagierte Weimarer Bürger den Wiederaufbau. 1988 begannen Sicherungsmaßnahmen, von 1996 bis 1998 wurde auf der noch soliden Bausubstanz wieder aufgebaut, und 1999 eröffnete das Haus als Neues Museum. Seit April 2019 zeigt es die Dauerausstellung Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900. Deren roter Faden ist ein Scheitern: Harry Graf Kessler, Henry van de Velde und Elisabeth Förster-Nietzsche wollten gemeinsam ein Neues Weimar schaffen, das die kulturelle Tradition mit dem Aufbruch der Moderne verknüpft, und dieses Vorhaben scheiterte nicht zuletzt an den unterschiedlichen Weltanschauungen der Beteiligten. Kessler war hier Museumsdirektor und förderte die Avantgarde von Claude Monet bis Max Beckmann. Zwei Dinge sollten Sie innen ansehen. Im Treppenhaus steht seit 1865 die monumentale Plastik Goethe und Psyche, die Carl Steinhäuser 1851 nach einem Entwurf von Bettina von Arnim in Rom aus Carrara-Marmor gearbeitet hat; sie wiegt über zehn Tonnen und stand ab 1853 nach aufwendigem Transport im Tempelherrenhaus. Und am Eingang verneigt sich die 2,5 Meter hohe Bronze-Skulptur Großer Geist Nr. 4 des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte von 2004 vor dem Besucher und vor der ausgestellten Kunst.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Museum Neues Weimar in der Nordvorstadt. Als Großherzogliches Museum wurde es zwischen 1864 und 1869 errichtet und war einer der ersten Museumsbauten Deutschlands. Von 1919 bis 1946 hieß es Thüringisches Landesmuseum. Heute zeigt es Kunst und Design um 1900.

Für Kinder

Dieses Haus war einmal fast weg. Gebaut wurde es vor über 150 Jahren als Museum für den Großherzog. Im Krieg wurde das Dach beschädigt. Danach kam das Schlimmere: Man holte alles aus dem Haus, was man noch brauchen konnte. Sogar die Heizung wurde ausgebaut und in das Theater eingebaut. Ohne Dach und Heizung verfiel das Gebäude, bis nur noch die Außenmauern standen. Manche wollten es sprengen. Dann setzten sich Bürger aus Weimar dafür ein, und von 1996 bis 1998 wurde es wieder aufgebaut.

Quellen

Koordinaten: 50.9861, 11.3264 · auf der Karte

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