Stadtohr

Stadtrundgang Weimar · Station 14 von 16

Herders Wohnhaus

1726/27 · wohnhaus, pfarrhaus, garten, welterbe

Ausführlich

Sie stehen vor Herders Wohnhaus, Herderplatz 8, links hinter der Stadtkirche St. Peter und Paul. Diese Station ist die bescheidenste des Rundgangs, und das ist keine Floskel, sondern lässt sich belegen. Das Haus wurde 1726 und 1727 im Barockstil umgestaltet. Es liegt auf einem unscheinbaren Eckgrundstück im Schatten der Kirche, so versteckt, dass es nach der Quelle kaum Aufmerksamkeit erfährt. Dennoch gehört es seit 1998 als eine von drei Weimarer Herderstätten zum UNESCO-Welterbe Klassisches Weimar; die anderen beiden sind die Kirche, zu der Sie gleich weitergehen, und das Alte Gymnasium. Zur Person. Johann Gottfried Herder, Theologe und Philosoph, wurde 1776 durch Goethes Fürsprache von Herzog Carl August nach Weimar berufen. In der Stadtkirche arbeitete er als Oberpfarrer und Generalsuperintendent des Herzogtums Sachsen-Weimar, bis zu seinem Tod am 18. Dezember 1803. Dieses Haus war seine Amtswohnung, und er bewohnte es siebenundzwanzig Jahre mit seiner Familie. Die wurde in Weimar schnell größer: Sechs seiner insgesamt acht Kinder wurden hier geboren. Eine Gedenktafel über dem Eingangstor kennzeichnet die Amtswohnung, am Westgiebel steht in großen Lettern ein Satz von ihm, das Christentum sei Freiheit und Freude. Nun ein Blick in ein Zimmer, das es nicht mehr gibt. Der Schriftsteller und Theaterintendant Franz von Dingelstedt hatte 1850 Gelegenheit, Herders damals noch vorhandenes Arbeitszimmer zu sehen, und notierte: Am Fenster stehe ein Schreibpult, morsch, wackelig und nieder, daneben ein paar Federn und ein viel gebrauchtes Kaffeebrett. Alles unendlich einfach, für ein modernes Auge beinahe ärmlich zu nennen. Das ist der Arbeitsplatz des Mannes, dessen Name heute auf dem Platz, der Kirche und einer Glocke steht. Und nun der Garten, denn der ist das eigentliche Angebot dieser Station. Hinter dem Pfarrhaus erstreckt sich ein Hausgarten mit Brunnen, Blumen, Obstbäumen, Beerensträuchern und Gemüsebeeten. Herder lag er besonders am Herzen; Wegeführung und Bepflanzung konnte er nach seinen Vorstellungen gestalten. Dass Sie ihn heute so sehen, ist Rekonstruktionsarbeit: Auf Grundlage seiner Briefe und Gedichte und mit Hilfe eines alten Stadtplans wurde der Herdergarten 1994, zum 250. Geburtstag Herders, wiederhergestellt, zusammen mit dem 1846 umgebauten Gartenhäuschen. Und hier liegt der Unterschied zu fast allen anderen Stationen: Das Haus können Sie nicht betreten, es dient auch heute noch als Sitz des Superintendenten. Den Garten dürfen Sie betreten. Im Erdgeschoss gibt es seit April 2005 einen kleinen Kirchenladen, zu dem ein Café im Herderhof gehört.

Kurzfassung

Sie stehen vor Herders Wohnhaus, Herderplatz 8, links hinter der Stadtkirche. Das Haus wurde 1726 und 1727 im Barockstil umgestaltet. Johann Gottfried Herder bewohnte es von 1776 bis zu seinem Tod am 18. Dezember 1803. Seit 1998 gehört es als eine von drei Weimarer Herderstätten zum UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Dieses Haus steht im Schatten der großen Kirche, und viele Leute gehen daran vorbei, ohne es zu bemerken. Hier wohnte Johann Gottfried Herder siebenundzwanzig Jahre lang. Er war der oberste Pfarrer von Weimar, und sechs seiner acht Kinder wurden in diesem Haus geboren. Ein Besucher hat 1850 Herders Arbeitszimmer beschrieben: ein alter Schreibtisch am Fenster, wackelig und niedrig, daneben ein paar Federn und ein viel benutztes Kaffeebrett. In das Haus darfst du nicht, in den Garten dahinter schon.

Quellen

Koordinaten: 50.9815, 11.3289 · auf der Karte

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