Stadtohr

Stadtrundgang Waiblingen · Station 10 von 16

Nonnenkirchle (Waiblingen)

1500 · kirche, spätgotik, beinhaus, begine

Ausführlich

Sie stehen vor dem Nonnenkirchle. Das Wort ist schwäbisch und meint so viel wie kleine Nonnenkirche. Es ist ein spätgotisches Kirchengebäude in unmittelbarer Nähe der Michaelskirche. Die Gemeinde der Michaelskirche nutzt es für kleinere Gottesdienste und für Kindergottesdienste. Zuerst die Jahreszahl, denn dazu gibt es zwei Angaben: Gebaut wurde das Nonnenkirchle ab 1496, das ist die ältere Angabe. Wikidata nennt 1500. Der Baumeister war Hans von Ulm. Er hatte unter Anleitung seines Vaters bereits an der Michaelskirche mitgebaut und trat bei mindestens drei weiteren Kirchenbaustellen im mittleren Neckarraum als Baumeister in Erscheinung. Sein Meisterzeichen im Nonnenkirchle datiert auf das Jahr 1510. Nun zum Rätsel. Der ursprüngliche Zweck des Bauwerks ist nicht vollständig geklärt. Es hat die Form eines Beinhauses mit Unter- und Oberkirche. Im Untergeschoss liegt die 1988 entdeckte Grablege eines Mannes, der zwischen 1450 und 1490 bestattet wurde und mindestens 40 Jahre alt war. Aufgrund der Umstände der Beisetzung geht man davon aus, dass er eine bedeutende Persönlichkeit war. Sein Grab liegt genau auf der Mittelachse des Gebäudes, mit Blickrichtung nach Osten. Das deutet darauf hin, dass er der Stifter des Kirchenbaus war. Seine Identität konnte aber nicht festgestellt werden. Eine zweite Spur führt zu einer Quelle. Es gibt eine mittlerweile versiegte Quellfassung, deshalb vermutet man, dass das Nonnenkirchle der Wallfahrt diente. Umstritten ist, ob die Quelle auf ein altes germanisches Heiligtum hindeutet, das christlich umgedeutet wurde. Sicher ist: Zeitweise war das Nonnenkirchle die Kapelle eines nahegelegenen Beginenhauses, und darauf bezieht sich der heutige Name. Das Wohnhaus der Beginen wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Ab dem 19. Jahrhundert verfiel das Gebäude. Während des Dritten Reichs bestand der Plan, es in eine Heldengedenkstätte umzubauen. Als Folge davon sitzt heute ein Pferdekopf am Türschloss. Suchen Sie ihn. Im späten 20. Jahrhundert begann die Nutzung durch die Gemeinde der Michaelskirche, und 1991 wurde das Gebäude umfassend saniert.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Nonnenkirchle, einer spätgotischen Kirche in unmittelbarer Nähe der Michaelskirche. Gebaut wurde es ab 1496 von Hans von Ulm. Es hat die Form eines Beinhauses mit Unter- und Oberkirche. Heute nutzt die Gemeinde der Michaelskirche das Haus für kleine Gottesdienste.

Für Kinder

Das ist das Nonnenkirchle. Auf Schwäbisch heißt das kleine Nonnenkirche. Gebaut wurde es ab 1496 von einem Baumeister namens Hans von Ulm. Unten im Haus fand man 1988 ein Grab. Der Mann darin war wohl wichtig, vielleicht hat er die Kirche gestiftet. Aber wer er war, konnte man nicht herausfinden. Es gibt noch etwas zu entdecken: Am Türschloss sitzt ein Pferdekopf. Findest du ihn?

Quellen

Koordinaten: 48.8306, 9.31696 · auf der Karte

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