Sie stehen vor dem Stadthaus, dem neben dem Münster zentralen Gebäude auf dem Münsterplatz. Schauen Sie auf die weiße Fassade, die moderne Architektur, und dann auf das gotische Münster: Der Kontrast ist deutlich, und er war lange der Streitpunkt. Zuerst die Vorgeschichte. Auf dieser Fläche stand über viele Jahrhunderte ein Franziskanerkloster, im Volksmund Barfüßerkloster genannt, dessen Bau vor 1250 begonnen wurde. Nach der Reformation beherbergte es mit der Lateinschule die oberste Bildungseinrichtung der Stadt. 1878, kurz vor der Vollendung des Münsterturms, wurde es abgerissen, um einen freien Blick auf den damals höchsten Kirchturm der Welt zu bekommen. Der freie Platz sollte umgehend mit anspruchsvoller Architektur bebaut werden, doch es kam anders. Der Platz schien zu groß, auch mit dem hohen Turm. Es sind insgesamt 17 Wettbewerbe dokumentiert, der erste 1924 mit 467 eingereichten Entwürfen. 1986 entschied sich das Preisgericht für den Entwurf des New Yorker Architekten Richard Meier. 1987 lehnte eine Mehrheit in einem Bürgerentscheid eine Neubebauung ab, der Entscheid erreichte aber das Quorum nicht und war für die Stadt nicht verbindlich. Der Stadtrat entschied, den Platz zu bebauen. Das Stadthaus sollte eine begehbare Skulptur sein, mit Platz für Ausstellungen, Konzerte, Tagungen, Gastronomie und der Touristeninformation. Es wurde 1993 eröffnet und blieb lange umstritten. Heute gilt es als Beginn der Neuen Mitte Ulms. Es ist ein dreistöckiger Pavillon mit rund 3.600 Quadratmetern, davon gut 2.000 öffentlich begehbar. Ein Teil ist mit rosa Dante-Granit verkleidet. Derselbe Stein liegt auf dem ganzen Münsterplatz, mit einer rosaroten Tönung, die sich auf die Mauern des Münsters bezieht. Herzstück ist das offene Treppenhaus im Westflügel. Der Saal fasst bis zu 320 Personen. Im Haus finden Wechselausstellungen zeitgenössischer Fotografie und Kunst statt, vor allem Outsider Art, und seit 1996 ein Festival Neuer Musik. Nach einer Quelle über den Löwenbrunnen stehen auch die beiden Löwen des staufischen Löwentors hier im Haus. 2019 wurde das Stadthaus unter Denkmalschutz gestellt.
Sie stehen vor dem Stadthaus am Münsterplatz. Der New Yorker Architekt Richard Meier entwarf den weißen Bau. Er wurde 1993 eröffnet und blieb lange umstritten, weil er vielen nicht zum gotischen Münster zu passen schien. Seit 2019 steht er unter Denkmalschutz.
Du stehst vor einem weißen, modernen Haus, und in der Nähe steht eine uralte gotische Kirche. Passen die beiden zusammen? Darüber haben die Ulmer lange gestritten. An dieser Stelle stand früher ein Kloster. Es wurde 1878 abgerissen, damit man den Turm des Münsters besser sehen kann. Für den freien Platz gab es 17 Wettbewerbe, und der erste hatte 467 Entwürfe. Das Stadthaus wurde 1993 eröffnet. Was meinst du: Passt das weiße Haus zum Münster?
Koordinaten: 48.3981, 9.99084 · auf der Karte