Stadtohr

Stadtrundgang Ulm · Station 11 von 16

Rathaus Ulm

14. Jahrhundert · rathaus, fassadenmalerei, astronomische uhr, reichsstadt

Ausführlich

Sie stehen vor dem Ulmer Rathaus. Es besteht aus drei Bauteilen, begonnen im 14. Jahrhundert. Zuerst war es ein Handelshaus: 1357 wird ein Gewandhaus genannt, 1362 ein Kaufhaus. Ulm handelte damals mit Eisen, Salz und Stoffen, vor allem Barchent. 1370 kam ein neues Kaufhaus dazu, im Erdgeschoss mit einer acht Meter hohen Verkaufshalle der Metzger. 1383 heißt es Gerichtshaus, weil unter der Laube das Niedergericht öffentlich tagte. Spätestens ab 1395 hatte der Rat dort eine Ratsstube, und 1419 wird das Haus erstmals Rathaus genannt. Schauen Sie auf das Prunkfenster der Ostseite. Fünf Figuren, geschaffen von Hans Multscher. Das Bildprogramm sollte Ulms Reichsstadtstatus unterstreichen. Der Kaiser erscheint als Karl der Große, denn König Sigismund war bis 1433 noch nicht Kaiser. Die Figur des Königs von Böhmen gilt als Kryptoporträt Sigismunds, weil sie wie er eine markant gekrümmte Nase hat. In Bratislava fand man an Sigismunds Residenzschloss ein vermauertes Fenster, dessen Maßwerk genau dem des Ulmer Prunkfensters entspricht. Man geht davon aus, dass es dem Kaiser so gut gefiel, dass er es dort wiederholen ließ. Die Originale der Figuren stehen im Museum Ulm, vor den Fenstern stehen seit der Renovierung von 1899 bis 1905 Kopien. 1540 wurde die Fassadenbemalung von Nord- und Ostseite abgeschlossen, Martin Schaffner zugeschrieben, der größte Zyklus von Wandmalereien des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Die Ostfassade behandelt Göttliche Weisheit, Selbsterkenntnis und Gerechtigkeit, vor allem an biblischen Beispielen, die Nordfassade Themen der antiken Sagenwelt. Der Appell richtete sich vor allem an auswärtige Herrscher, die nach Ulm kamen. Am Südgiebel, bis 1905 bemalt, sehen Sie eine Ulmer Schachtel und darunter die Heimkehr der siegreichen Ulmer von der Plünderung des Heerlagers Kaiser Karls IV. im Jahr 1376. An der Ostseite befindet sich seit 1473 ein Huldigungsbalkon. Von dort nahm der Kaiser oder sein Vertreter Huldigungen entgegen, es wurden aber auch Todesurteile verlesen. Als Ulm 1810 an Württemberg fiel, ließ der König von Württemberg ihn als Zeichen reichsstädtischer Autonomie beseitigen. Bei der Renovierung wurde er wiederhergestellt. Die astronomische Uhr stammt von 1520. Ihre Mechanik wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1952 erneuert. Im Lichthof hängt eine Nachbildung des Hängegleiters von Albrecht Ludwig Berblinger, dem Schneider von Ulm. Am 17. Dezember 1944 zerstörte ein schwerer Luftangriff das Innere größtenteils. Die äußere Form und die Wandgemälde blieben erhalten.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Ulmer Rathaus. Es zählt wegen der Fassadenmalereien und einer astronomischen Uhr zu den herausragenden Baudenkmälern der Stadt. Die Baugeschichte begann im 14. Jahrhundert, das heutige Aussehen geht im Wesentlichen auf die Frührenaissance zurück.

Für Kinder

Du stehst vor dem Rathaus von Ulm. Seine Wände sind mit großen Bildern bemalt, die Nord- und Ostseite wurde 1540 fertig. Es sind die größten Wandmalereien des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Im Giebel auf der Südseite ist eine Ulmer Schachtel gemalt, ein Schiff, mit dem Menschen früher auf der Donau fuhren. Am Ostfenster steht der König von Böhmen mit gekrümmter Nase, so wie Kaiser Sigismund, den er darstellen soll. Drinnen hängt ein Flugapparat von Albrecht Ludwig Berblinger, dem Schneider von Ulm. Kannst du die Ulmer Schachtel finden?

Quellen

Koordinaten: 48.397, 9.99333 · auf der Karte

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