Stadtohr

Stadtrundgang Ulm · Station 14 von 16

Nikolauskapelle und Steinhaus

13. Jahrhundert · kapelle, staufer, romanik, steinhaus

Ausführlich

Sie stehen an Nikolauskapelle und Steinhaus, Neue Straße 102, früher Schelergasse 11. Es sind die ältesten erhaltenen Gebäude Ulms. Zumindest Teile der Bausubstanz stammen noch aus der romanischen Epoche, der Zeit der Staufer. Das Gebiet des heutigen Grünen Hofs bildete im 12. und 13. Jahrhundert mit klösterlichen Pfleghöfen vermutlich eine Art Gegenpol zur Pfalz auf dem Weinhof. Ein kaiserlicher Notar namens Marquard ließ hier zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein repräsentatives Steinhaus mit angebauter Kapelle errichten, der Nikolauskapelle. Schon 1222 übertrug Marquard seinen Besitz an das Kloster Salem. 1246 gingen Haus und Kapelle an das Kloster Reichenau. Die romanische Apsis wurde abgebrochen, ein neuer Chor eingewölbt, das Schiff mit Wandbildern versehen. 1383 war die Altarneuweihe. 1446 musste das in Not geratene Kloster Reichenau seine gesamten Rechte in Ulm gegen 26.000 Gulden an das städtische Spital abtreten. Lange blieb die Reichsstadt nicht im Besitz. Um 1480 gehörte die Kapelle dem Kloster Ochsenhausen, das bis Ende des 15. Jahrhunderts einen eigenen Klosterhof anlegte. 1497 begann ein Umbau, der Raum erhielt ein Kreuzrippengewölbe, und 1499 wurde die Kapelle neu geweiht. Es war die letzte kirchliche Baumaßnahme. 1530 entschied sich die Ulmer Bürgerschaft für die Reformation, im Jahr darauf wurde verfügt, alle Kirchen in der Stadt zu schließen. Der Abt von Ochsenhausen kaufte die Kapelle 1533 der Stadt wieder ab, unter der Bedingung, dass er sie nicht wieder kirchlich nutzte. Nach über dreihundert Jahren liturgischer Nutzung war sie damit ein profanes Gebäude. Später verkaufte Ochsenhausen seinen Hof mit allen Rechten für 7200 Gulden an die Reichsstadt. Vier Jahrhunderte diente der Kirchenraum nur noch als Schuppen, Kohlenbehältnis und Aufbewahrungsort für Gerümpel, am Ende wurde er ein Privathaus. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle stark beschädigt, sie blieb lange eine Ruine, bis sie 1978 bis 1980 grundlegend saniert wurde. Bei Untersuchungen 1978 stellte das Landesdenkmalamt fest: Als Zeugnis des Bauwillens eines staufischen Reichsbeamten in städtischer Umgebung ist die Anlage im südwestdeutschen Raum einmalig. Das Steinhaus gilt als fast ebenso seltenes Beispiel eines romanischen Wohngebäudes in einer oberdeutschen Stadt. 1984 erhielt die Stadt für die Sanierung den Europa-Nostra-Preis. Die Medaille hängt an der nördlichen Fassade der Kapelle.

Kurzfassung

Sie stehen an Nikolauskapelle und Steinhaus, Neue Straße 102. Es sind die ältesten erhaltenen Gebäude Ulms, Teile der Bausubstanz stammen noch aus der staufischen Zeit. Ein kaiserlicher Notar namens Marquard ließ sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichten.

Für Kinder

Du stehst vor dem ältesten Gebäude von Ulm, das noch steht: einer kleinen Kapelle mit einem Steinhaus daneben. Sie sind mehr als 800 Jahre alt. Ein Notar des Kaisers namens Marquard ließ sie bauen. Später gehörten sie mehreren Klöstern. Danach war die Kapelle ein Schuppen, ein Kohlenlager und ein Platz für Gerümpel, vier Jahrhunderte lang. 1984 gab es einen Preis für die Sanierung. Die Medaille hängt an der Nordseite. Findest du sie?

Quellen

Koordinaten: 48.397338, 9.996318 · auf der Karte

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