Stadtohr

Stadtrundgang Ulm · Station 15 von 16

Dreifaltigkeitskirche

1617 · kirche, dominikaner, wiederaufbau, haus der begegnung

Ausführlich

Sie stehen vor der Dreifaltigkeitskirche, deren Geschichte mehrmals neu beginnt. Zuerst die Dominikaner. Sie erhielten 1281 von Mechtildis Hunrärin ein Gartengrundstück vor dem Diebstor, dem damaligen Osttor, und bauten ein Kloster mit dreischiffiger Predigerkirche, das Schiff wurde 1305 geweiht, der Chor 1321. Der Mystiker Heinrich Suso, der ab 1348 im Konvent wirkte, wurde 1366 in der Kirche begraben. Hier lebte auch der Schriftsteller Felix Fabri, der Pilgerberichte aus dem Heiligen Land schrieb. 1531, nach der Reformation, verließen die Dominikaner Ulm. Eine Quelle nennt, dass die Kirche 1547 für eine Trauerfeier, die Karl V. für seine verstorbene Schwägerin abhalten ließ, noch einmal hergerichtet wurde, und im selben Satz, dass sie danach verfiel und 1538 größtenteils abgetragen wurde. Beides passt zeitlich nicht zusammen, ich gebe beide Jahre weiter. Nur der gotische Chor blieb erhalten. 1613 wurden die Klosterbauten abgebrochen. 1617 entschied man sich auf Betreiben des Stadtrats für einen Kirchenneubau, weil die Zahl der Evangelischen in der Unteren Stadt stark gestiegen war und das Reformations-Jubiläum ein geeigneter Zeitpunkt schien. Vor dem gotischen Chor, auf den Grundmauern des alten Schiffes, entstand unter dem Stadtwerkmeister Martin Banzenmacher eine Saalkirche in der Bauform der Querkirche, im Renaissance-Stil, mit einem Zwiebelturm. Die Einweihung war am 16. September 1621. 1641 baute der Orgelbauer Johann Ehemann eine neue Orgel, die der Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren zeigt, die einzige Abbildung einer Orgel in seinem umfangreichen Werk. Wegen ihrer guten Akustik war die Kirche auch eine geschätzte Konzertkirche. Dann der 17. Dezember 1944. Ein schwerer Bombenangriff zerstörte sie bis auf die Außenmauern von Schiff, Chor und Turm, die gesamte Ausstattung verbrannte. 1953 wurde entschieden, sie nicht wieder als Kirche aufzubauen, weil es im Umkreis keine nennenswerte Gemeinde mehr gab. Der Chor diente zeitweilig als Steinmagazin des Ulmer Museums, das Schiff als Kulissenmagazin des Stadttheaters. 1975 beschädigte ein vom 42 Meter hohen Turmschaft herabgefallener Steinbrocken ein parkendes Auto. Die Sicherung des Turms führte zur Renovierung mit wiederhergestellter Turmzwiebel. Diese war 1977 fertig und wurde zum Anstoß, den ganzen Bau zu rekonstruieren. Schiff und Chor wurden durch ein Treppenhaus getrennt und durch Zwischendecken geteilt. So entstand im Schiff ein großer Saal mit rekonstruierter Stuckdecke, mit Platz für rund 500 Personen. Seit 1984 dient die Kirche als Haus der Begegnung.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Dreifaltigkeitskirche. Sie geht auf die Dominikaner zurück und wurde 1617 bis 1621 als evangelische Querkirche neu gebaut. Im Zweiten Weltkrieg brannte sie bis auf die Außenmauern aus. Seit 1984 ist sie als Haus der Begegnung ein evangelisches Bildungszentrum.

Für Kinder

Du stehst vor einer Kirche, die keine Kirche mehr ist. Zuerst bauten hier Mönche, die Dominikaner, ein Kloster. 1617 wurde eine neue evangelische Kirche gebaut. Am 17. Dezember 1944 zerstörte ein Bombenangriff sie bis auf die Außenmauern. Alles innen verbrannte. Danach baute man sie nicht wieder als Kirche auf. Das Schiff war einmal ein Lager für Kulissen vom Theater. Seit 1984 ist hier das Haus der Begegnung, mit einem Saal für 500 Menschen. Was würdest du in einem so großen Saal veranstalten?

Quellen

Koordinaten: 48.3974, 9.99756 · auf der Karte

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