Sie stehen am Weinhof, und hier fehlt etwas. Hier stand die Alte Synagoge. Sie wurde nach Plänen von Adolf Wolff gebaut, im Stil des Historismus mit neoislamischen Elementen, und am 12. und 13. September 1873 eingeweiht. Zuvor zog die Gemeinde in einem Zug vom alten Betlokal im Gasthaus Schwanen über den Weinhof zur neuen Synagoge. 1875 wurde der Einbau einer Orgel von Christoph Ludwig Goll abgeschlossen, sie hatte zwei Manuale und 20 Register und kostete 4.855 Gulden. In den 1920er Jahren wurden die goldglänzenden Kuppeln als zu fremdländisch empfunden. 1928 ersetzte der jüdische Architekt Ernst Guggenheimer die maurischen Kuppeln durch Pyramidaldächer, und 1937 gestaltete er auch das Innere um. Dann der 10. November 1938. SA-Leute der SA-Brigade 56 wurden früh am Morgen zum Weinhof gebracht, dort fanden sich bald mehrere hundert Personen ein. Die Synagoge wurde aufgebrochen, der Toraschrein zerschlagen, die großen Leuchter wurden umgerissen, die Vorhänge vor dem Toraschrein und auf der Empore angezündet. Wegen der Gefahr, dass Funkenflug ein benachbartes Farb- und Lackwarenlager entzünden könnte, löschte die Feuerwehr mit zwei Löschzügen. Um 5.20 Uhr war das Feuer so weit gelöscht, dass sie nicht mehr gebraucht wurde. Die Brandschäden waren gering, die Synagoge hätte wiederhergestellt werden können. Trotzdem forderte der Oberbürgermeister Friedrich Foerster am 18. November 1938 beim Landrat die Genehmigung für den Abbruch. Die Abbrucharbeiten musste die jüdische Gemeinde bezahlen. Sie dauerten vom 24. November 1938 bis zum März 1939. Nach dem Krieg wurde an gleicher Stelle ein Gebäude für die Hauptstelle der Sparkasse Ulm gebaut, das 2012 abgerissen wurde, um dort vergrößert neu zu entstehen. Der 2012 eingeweihte Neubau mit Gemeindezentrum liegt etwa zehn Meter südlich. Das ist der nächste Halt.
Sie stehen am Weinhof, wo die Alte Synagoge stand. Nach Plänen von Adolf Wolff wurde sie am 12. und 13. September 1873 eingeweiht. Beim Novemberpogrom 1938 wurde sie aufgebrochen, im Winter 1938/39 wurde sie abgerissen. Die jüdische Gemeinde musste den Abbruch bezahlen.
Du stehst an einem Ort, an dem früher ein besonderes Gebäude stand: die Alte Synagoge der jüdischen Gemeinde. 1873 wurde sie feierlich eingeweiht, sie hatte Kuppeln, die später durch Dächer ersetzt wurden. Im November 1938 brachen Männer der SA hinein und zerstörten Dinge im Inneren. Der Brandschaden war gering, und trotzdem ließ die Stadt die Synagoge abreißen. Die jüdische Gemeinde musste den Abriss bezahlen. Etwa zehn Meter weiter südlich steht heute wieder eine Synagoge. Kannst du sie schon sehen?
Koordinaten: 48.396842, 9.990565 · auf der Karte